BGH · IV ZB 65/69
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
demgemäß im Terminskalender drei Fristen notiert und zv/ar zv/ei Vorfristen für den 25» Juni und 5» Juli 1969 und, um ja keine Frist zu versäumen, die Ablaufsfrist für den 14» Juli 1969» Am 25» Juni und am 5» Juli 1969 seien auch die Handakten dem Anwalt vorgelegt worden» Auf Grund der Vorlage vom 25» Juni 1969 sei er, der Beklagte, zu einer Rücksprache bei seinem Rechtsanwalt bestellt worden» Diese habe am 4» Juli 1969 stattgefunden» Wegen noch einiger zu klärender Fragen sei am 14» oder 15» Juli 1969 eine nochmalige Rücksprache erfolgt» Da Rechtsanv/alt Br» von sich am 13. Es meint, Rechtsanwalt Dr0 von treffe ein Verschulden an der Versäumung der Frist« Hierzu hat es im wesentlichen ausgeführt: Die Akten seien dem Anwalt auf Grund der notierten Vorfristen am 25» Juni und am 5» Juli 1969 vorgelegt worden« Spätestens bei der zweiten Vorlage, am 5° Juli 1969 habe der Anwalt erkennen müssen, daß es sich um eine Vorfrist handele, die in engem Zusammenhang mit der fristwahrenden Handlung stand, da sonst diese Vorlage nur zehn Tage nach der Vorlage vom 25o Juni und einen Tag nach der Rücksprache mit dem Beklagten nicht erforderlich gewesen wäre« Diese Vorlage sei daher für den Anwalt Grund genug gewesen, den Ablauf der Begründungsfrist, selbst zu berechnen und nachzuforschen, warum bereits jetzt, über zwei Monate vor Fristablauf, eine Vorfrist vorgelegt worden sei« Er hätte daher prüfen müssen, ob die Begründungsfrist richtig notiert sei, was ihm anhand des erforderlichen Vermerks in den Handakten ohne weiteres möglich gewesen sei« Am 14o oder 15« Juli 1969 habe der Anwalt erneut Anlaß gehabt, die richtige Eintragung der Begründungsfrist zu überprüfen» Denn an diesem Tag sei der Beklagte wieder erschienen, um entsprechend der Rücksprache vom 4» Juli 1969 die noch fehlende Information zur Anfertigung der Berufungsbegründung zu erteilen» Auch hier habe ein enger Zusammenhang zwischen Vorlage der Akten und Wahrung der Frist bestanden» Wenn der Anwalt die erforderliche Sorgfalt aufgewandt hätte, wäre statt des 14» Juli 1969 der 15° September 1969 (zwei Tage vor Fristablauf) eingetragen worden» Die Frist wäre dann gewahrt worden» Daß die zu frühe Frist (14« Juli 1969) notiert blieb, entlaste den Anwalt nicht« Eine um zwei Monate verfrühte Fristvorlage, die nicht als solche vom Büro gekennzeichnet sei, könne leicht dazu führen, daß die Frist nicht eingehalten werde» Denn die Beschwerde kann aus anderen Gründen keinen Erfolg habeno Ein Rechtsanwalt darf zwar, wovon auch das Berufungsgericht ausgegangen ist:,, gewisse minder bedeutsame Aufgaben, wozu auch die Berechnung der üblichen Routinefristen sowie Führung und Überwachung des Fristenkalenders gehören,? berechnung vorzulegen0 Da es an einer solchen Anweisung hier fehlte, vielmehr auch die Berechnung der teilweise in die Gerichtsferien fallenden Frist der Angestellten Frau überlassen war, lag ein dem Anwalt zur Last fallender Organisationsmangel vor«, Hätte eine solche Anweisung Vorgelegen, dann wäre es nicht zu der falschen Fristberechnung und ihrer Eintragung im Fristenkalender durch Frau gekommen» Darüber hinaus ist aber auch nicht einmal glaubhaft gemacht, daß es sich bei Frau JflIHH um Angestellte handelte, der auch nur die Berechnung der üblichen Fristen sowie die Führung und Überwachung des Fristenkalenders hätte übertragen werden dürfen» Abgesehen von der falschen Berechnung und Eintragung der Frist hat sie auch mehrfach in anderer Hinsicht versagt» Zumindest ist nicht dargetan, daß sie über die Notierung der Fristen im Terminskalender in den Handakten den erforderlichen Erledigungsvermerk abgebracht hat, der jedenfalls zu einem leichteren Erkennen der falschen Fristeneintragungen durch den Anv/alt hätte führen können 0 Sie hat den Anwalt weder am 140 noch am 15» Juli 1969 auf den nach ihrer Ansicht bevorstehenden Fristablauf hingewiesen» Sie muß weiterhin auch nicht beachtet haben, daß Notfristen im Kalender erst nach Erledigung der fristv/ahrenden Verfügung gestrichen werden dürfen0 Denn die ordnungsgemäße Handhabung dieser Kon^ trolle hätte unweigerlich zur Aufdeckung und Richtigstellung der falschen Fristeneintragung führen müssen» Es läßt sich daher nur annehmen, daß sie die (falsche) Ablauffrist bereits gestrichen hat, als sie die Handakten dem Anv/alt am 14o Juli 1969 vorlegteo Schließlich hat sie auch insoweit versagt, als sie der Anordnung des Anv/alt, ihm die Handakten an einem - nicht mehr genau bekannten - Tag zwischen dem 2» und 10» September 1969 wieder vorzulegen, nicht nachgekommen ist» Das Versagen der Frau lHIB läßt sich daher mangels einer dagegen sprechenden Darlegung nur dahin beurteilen, daß es sich bei ihr um eine Angestellte gehandelt hat, die noch nicht über eine solche Erfahrung und Zuverlässigkeit verfügte, daß ihr auch nur die Berechnung üblicher Fristen sowie die Führung und Überwachung des Fristenkalenders hätte übertragen werden dürfen» Ein Fehlverhalten der Frau Jürgens läge allerdings nicht in dem angeführten Ausmaße vor, wenn in der Anwaltskanzlei nicht die Anordnungen bestanden hätten, daß über die Eintragung wichtiger Fristen ein Erledigungsvermerk in den Handakten anzubringen ist und daß eine Notfrist im Kalender erst nach Erledigung der fristwahrenden Verfügung gestrichen werden darf» Aber auch dies vermag an der Rechtslage nichts zu ändern» Fehlte es an solchen Anordnungen, dann lag auch insoweit ein dem Anwalt anzulastender Organisationsmangel vor (BGH LM ZPO § 233 (Fc) Nr. 27 und § 233 (Anhang) Nr. 33).