BGH · IV ZB 56/77 vom 05.04.1978
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Das Nachlaßgericht ist nicht befugt, die Urschrift eines eröffneten eigenhändigen Testaments herauszugeben. Die zur Alleinerbin eingesetzte Beschwerdeführerin begehrt die Rückgabe der bei dem Nachlaßgericht vorgelegten und dort eröffneten privatschriftlichen Testamente ihres verstorbenen Ehemannes vom 21. Bei dem heutigen Stand der Fotokopiertechnik könnten auch keine Bedenken dagegen bestehen, die Originale für das Nachlaßgericht durch Ablichtungen zu ersetzen. Die hiergegen eingelegte Beschwerde hat das Landgericht Stuttgart zurückgewiesen. Das Kammergericht hat in den zitierten Entscheidungen ausgesprochen, daß eine Herausgabe der Urschrift eines privat-schriftlichen Testaments an einen Beteiligten ausnahmslos unzulässig sei. Hiervon möchte das vorlegende Oberlandesgericht insoweit abweichen, als es die Herausgabe dann zu lassen will, wenn einerseits ein beachtliches immaterielles Interesse an der Rückgabe des Privattestaments besteht und andererseits bei einer Herausgabe eine Beein- Hierin liegt eine Abweichung von der erwähnten, auf weitere Beschwerde ergangenen Rechtsprechung des Kammergerichts, die dieses Gericht in der in FamRZ 1977, 483 veröffentlichten Entscheidung nicht aufgegeben hat, wie das vorlegende Oberlandesgericht zutreffend erkannt hat. Die Frage, ob ein dem Nachlaßgericht zur Eröffnung eingereichtes eigenhändiges Testament nach seiner Eröffnung an den, der es abgeliefert hat, oder den Erben auf deren Verlangen herauszugeben oder dauernd bei den Akten des Nachlaßgerichts zu verwahren ist, wird in Übereinstimmung mit den grundlegenden Entscheidungen des Kammergerichts in KGJ 38, A. Der Senat folgt dieser Auffassung, weil der gesetzgeberische Zweck der in §§ 2259-2264 BGB getroffenen Regelung, beim Tode einer Person im allgemeinen Interesse alsbald Gewißheit darüber zu schaffen, ob und in welcher Weise der Erblasser die erbrechtlichen Verhältnisse abweichend von der gesetzlichen Erbfolge rechtswirksam geregelt hat, und das aus diesem Grund einen bestimmten Personenkreis gewährte Recht auf Ein- Aus diesem Zweck der im öffentlichen Interesse getroffenen gesetzlichen Regelung folgt, daß von ihr auch nichts zugunsten von Personen, welche die Originalurkunde als Andenken an den Verstorbenen besitzen möchten, Ausnahmen gemacht werden können. Entgegen der Ansicht des Oberlandesgerichts Hamburg (MDR 1975, 666) und des vorlegenden Oberlandesgerichts ist eine solche Ausnahme auch nicht in den Fällen zulässig, in denen im Zeitpunkt der Entscheidung über den Rückgabeantrag das angerufene Gericht der Ansicht ist, ein nennenswerter Nachlaß sei nicht vorhanden und Anhaltspunkte dafür, daß die Echtheit des Testaments in Zweifel gezogen werde, seien nicht ersichtlich. Denn ganz abgesehen davon, daß die Befugnisse desjenigen, der die Herausgabe der Originalurkunde des Testaments begehrt, nicht davon abhängen können, ob ein größerer oder nur geringerer Nachlaß vorhanden ist, kann die Beurteilung des Wertes eines Nachlasses schon aufgrund der subjektiven Einstellung des Beurteilenden sehr verschieden ausfallen und sich außerdem nachträglich ändern. Außerdem wird die Echtheit eines Testaments in nicht seltenen Fällen noch lange Zeit nach dem Tod des Erblassers in Zweifel gezogen und zu dem Gegenstand erbrechtlicher Auseinan- In diesen Fällen wird das Original des Testaments benötigt, weil anhand einer Fotokopie die oftmals für eine Echtheitsprüfung des Testaments erforderlichen Feststellungen über Art und Beschaffenheit des Papiers und des verwendeten Schreibmaterials nicht getroffen werden können. Da bei einer Herausgabe der Originalurkunde des Testaments an einen Berechtigten nicht gewährleistet wäre, daß sie jederzeit wieder zur Verfügung steht, hätte die Herausgabe in einer nicht geringen Anzahl von Fällen eine Rechtsunsicherheit hinsichtlich der Erbfolge zur Folge.