BGH · IV ZB 48/51
Originalentscheidung als PDF
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ohne sein Verschulden gehindert gewesen, die am 15* Mai abgelaufene Berufungsfrist einzuhaltenDer BerufungsSchriftsatz sei rechtzeitig geschrieben und dem hinreichend belehrten und laufend beaufsichtigten Lehrmädchen zusammen mit einer Empfangsbestätigung übergeben worden, damit sie ihn bei Gericht einreiche* Das Lehrmädchen müsse den Schriftsatz verloren haben- Am 11- Mai 1951 habe das Lehrmädchen einen Urlaub angetreten* Da an diesem Tage auch der Bürovorsteher längere Zeit abwesend gewesen.seir sei das Fehlen der Empfangsbestätigung erst am 15*>Mai bemerkt wordenEs seien sofort Nachforschungen angestellt worden- Erst am 16- Mai habe sich die Gewissheit ergeben, daß die Berufungsschrift nicht beim Ober-landesgerioht eingegangen seiIn dem am 22- Juni 1951 eingegangenen Schriftsatz hat der Beklagte vorgetragen, die Berufungsfrist sei versehentlich für den 11- Mai 1951 eingetragen wordenSein Prozeßbevollmächtigter habe daher die Frist am 15* Mai 1951 für verstrichen gehalten • und deswegen an diesem Tage keine Schritte mehr unternommen- Durch den angefochtenen Beschluß hat das Berufungsgericht den Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand zurückgewiesen und die Berufung des Beklagten als unzulässig verworfen- -säumung der Berufungsbegründungs fri s t nur dann zu gewähren«, wenn sie durch Naturereignisse oder andere unabwendbare Zufälle verhindert worden i3t, die Frist einzuhalten» Danach ist erforderlich, daß die Partei das nach Lage des Falles vernünftigerweise zuzu demutende Maß von Vorsicht und Sorgfalt hat walten lassen* Fehlt es hieran5 dann liegt ein die Wiedereinsetzung rechtfertigender unabwendbarer Zufall im Sinne des § 235 ZPO nicht vor•> Gemäß § 232 Abs 2 ZPO hat die Partei sich das Verschulden ihres Prozeßbevollmächtigten zurechnen zu lassen» Ein unabwendbarer Zufall liegt daher auch dann nicht vor, wenn der Prozeßbevollmäclitigte der Partei das nach Lage des Falles von ihm vernünftigerweise zuzu demutende Maß von Vorsicht und Sorgfalt außer Acht gelassen hat* Nach § 236 ZPO muß der Beklagte die Tat-Sachen, aus denen folgt, daß er durch einen unabwendbaren Zufall verhindert worden ist, die Berufungsfrist einzuhalten, glaubhaft machen* Der Beklagte hat nicht dargetan, daß die Versau-mung der Berufungsfrist von seinem Prozeßbevollmächtigten nicht verschuldet ist* Dm das Verschulden seines Prozeßbevollmächtigten auszuräumen, hat er sich auf 2 Umstände berufen* Das Lehrmädchen des Prozeßbevollmäch-tigten habe vermutlich den Berufungsschriftsatz verloren und das Ende der Berufungsfrist sei in dem Fristenkalender seines Prozeßbevollmächtigten versehentlich auf den 11 * Mai statt auf den 15«» Mai eingetragen gewesen* it Damit wird aber das Verschulden des ^rozeßbevollmäch^ tigteA noch nicht ausgeräumt«Denn es war diesem bereits am 15«» Mai, vor Ablauf der Berufungsfrist bekannt,'daß die Berufung möglicherweise infolge irgendwelcher nicht geklärter Umstände bei dem Gericht .nicht eingegangen war-« Da die Formel des im schriftlichen Verfahren ergangenen Urteils nach § 310 Abs 2 ZPO dem Beklagten am 11 * April zugestellt worden ist, besteht die Möglichkeit, daß dieser Zeitpunkt irrtümlich als für den Beginn der Berufungsfrist entscheidend angesehen worden ist«, ware die Berufungsfrist von einem Angestellten des Prozeßbevollmächtigten des Beklagten infolge eines solchen Irrtums falsch errechnet worden, so würde den Prozeßbevollmächtigten nur dann kein eigenes Verschulden treffen, wenn er diesen Angestellten hinreichend darüber belehrt hätte, daß nicht die Zustellung der Urteilsformel nach § 310 Abs' 2 ZPO, sondern erst die später erfolgte Zustellung der i.Urteilsausfertigung die Berufungsfrist in lauf setzt® Abgesehen davon durfte aber der Prozeßbevollmächtigte sich am 15« Mai nicht darauf verlassen, daß das Ende der Berufungsfrist mit dem 11® Mai richtig berechnet und eingetragen war® Nachdem er erfahren hatte, daß ernste Zweifel bestanden, ob die Berufungsschrift beim'Gericht eingegangen war, mußte er als gewissenhafter Anwalt selbst prüfen, ob nicht doch noch eine Möglichkeit bestand, seine Partei vor Schaden zu bewahrenc In dem Augenblick, wo seiner Partei ein Schaden drohte, traf ihn eine erhöhte Sorgfaltspflicht«, Er hätte an Hand seiner Akten selbst prüfen müssen, ob die Berufungsfrist tatsächlich am 15®