BGH · IV ZB 35/72 vom 14.02.1973
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Die sofortige Beschwerde der Klägerin gegen den Beschluß des 3* Zivilsenats des Oberlandesgerichts Frankfurt (Main) vom 22« März 1972 wird zurückgewiesen« Die Ehe der Parteien wurde aus dem Verschulden beider Ehegatten geschieden« Das Urteil des Landgerichts wurde der erstinstanzlichen Prozeßbevollmächtigten der Klägerin am 28« September 1971 zugestellt« Am 21« Oktober 1971 bat die Klägerin durch ihre erstinstanzliche Prozeßbevollmächtigte, ihr für die beabsichtigte Berufung das Armenrecht zu bewilligen« Am 20« Dezember 1971 bewilligte das Oberlandesgericht der Klägerin unter Beiordnung des Rechtsanwalts Dr« H« das Armenrecht« Der Beschluß wurde der erstinstanzlichen Prozeßbevollmächtigten der Klägerin am 22. Dezember 1971 zugestellt« Dem beigeordneten Rechtsanwalt Dr« H« wurde der Beschluß nicht zugestellt« Die Klägerin ist der Ansicht, ihre erstinstanzliche Prozeßbevollmächtigte habe darauf vertrauen dürfen, daß der Armenrechtsbeschluß - einer allgemeinen Übung des Oberlandesgerichts entsprechend - auch dem beigeordneten Rechtsanwalt zugestellt werde. Das Oberlandesgericht hat den Wiedereinsetzungsantrag der Klägerin durch Beschluß vom 22. Mit der Zustellung des Armenrechtsbeschlusses an die erstinstanzliche Prozeßbevollmächtigte der Klägerin wurde das in der Armut der Partei begründete Hindernis für die Einlegung der Berufung behoben und die Zweiwochenfrist für einen Wiedereinsetzungsantrag (§ 234 ZPO) in Lauf gesetzt; sie lief am 3. ren zugestellt werden« Vertreterin der Klägerin war hier ihre erstinstanzliche Prozeßbevollmächtigte bis zur Bevollmächtigung des Rechtsanwalts Dr. H. und dessen Nandatsübemahme« Ihre Sache war es, Rechtsanwalt Dr« H« von der Bewilligung des Armenrechts, seiner Beiordnung und der in Lauf gesetzten Wiedereinsetzungsfrist unverzüglich zu unterrichten« Demgegenüber war die am 22« Dezember 1972 erfolgte Übersendung der Handakten ohne Beifügung des Armenrechtsbeschlusses und ohne Jeden Hinweis auf den erhaltenen Beschluß, wie das Berufungsgericht zutreffend dargelegt hat, irreführend, weil Rechtsanwalt Dr« H« danach annehmen mußte, die Bewilligung des Armenrechts sei noch nicht erfolgt und müsse zunächst abgewartet werden« Auf einen angeblichen langjährigen Brauch des Oberlandesgerichts, auch dem beigeordneten, noch nicht bevollmächtigten Rechtsanwalt die Bewilligung des Armenrechts mitzuteilen, durfte sich die Vertreterin der Klägerin nicht verlassen, zu demal die Mitteilung des Armenrechtsbeschlusses an den beigeordneten Rechtsanwalt niemals eine zuverlässige Kenntnis des Zeitpunktes vermittelt, von dem ab die Frist für den Wiedereinsetzungsantrag zu laufen beginnt« Die Mitteilung an den beigeordneten Rechtsanwalt läßt nur vermuten, daß der Beschluß auch der Partei oder ihrem Vertreter zugegangen ist oder zugehen wird und damit die Frist für den Wiedereinsetzungsantrag zu laufen begonnen hat« Die erstinstanzliche Prozeßbevollmächtigte der Klägerin war danach verpflichtet, Rechtsanwalt Dr« H. Juni 1967 - BVerfGE 22, 83 - NJW 1967, 1267 - nicht beachtet, daß der armen Partei noch nach Ablauf der Zweiwochenfrist des § 234 ZPO die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand zu gewähren sei, wenn die Voraussetzungen des § 233 ZPO gegeben seien» Unter diesem rechtlichen Gesichtspunkt hat das Berufungsgericht indes das Wiedereinsetzungsgesuch geprüft und entschieden; andernfalls hätte es ohne nähere Prüfung die Wiedereinsetzung wegen Versäumung der am 5.