BGH · IV ZB 30/70
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Dem Beklagten wird die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gegen die Versäumung der Berufungsfrist erteilt« Das in dieser Sache ergangene Urteil des Landgerichts ist dom Prozeßbevollmachtigton des Beklagten von Amts^v/egen äinX19o i'Februar i1970^zugestellt worden« Wie die eidesstattliche Versicherung des Prozeßbevollmächtigten ergibt, hat dieser seinen Bürolehrling angev/iesen, den 19- März 1970 als Ende der Berufungsfrist einzutragen« Versehentlich trug der Lehrling den 22« März als Fristende ein« Februar erhielt die Kanzlei die berichtigte Urteilsausfertigung vom Landgericht zurück» Die Ausfertigung wurde mit dem EingangsStempel dieses Tages versehen» Nachdem der Prozeßbevollmächtigte auf den verspäteten Eingang hingewiesen worden v/ar, hat der Beklagte fristgerecht um die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gegen die Versäumung der Berufungsfrist nachgesucht» Das Berufungsgericht hat die Wiedereinsetzung versagt und die Berufung als unzulässig verworfen» Die von dem Beklagten gegen diesen Beschluß eingelegte sofortige Beschwerde ist begründet» Das Berufungsgericht hat zu Unrecht angenommen, daß die Versäumung der Berufungsfrist auf einem Verschulden des Prozeßbevollmächtigten des*Beklagten beruhe» Die Versäumung der Frist ist vielmehr darauf zurUckzufUhren, daß die zugestellte Ausfertigung auf Bitten der Geschäftsstelle des Landgerichts an diese zurückgesandt wurde» Die Geschäftsstelle des Landgerichts hat, wie die von dem Beklagten zu den Akten gereichte Ausfertigung des Urteils ergibt, das erste Blatt der Ausfertigung, auf den der Name des Beklagten unvollständig angegeben war, entfernt und durch, ein neues Blatt mit der richtigen Parteibezeichnung ersetzt» Diese so veränderte Urteilsausfertigung hat dann im Büro des Prozeßbevollmächtigten den Eingangsstempel vom 25. Der Beklagte hat glaubhaft gemacht, daß die zuverlässige und gut ausgebildete Bürovorsteherin seines Prozeßbevollmächtigten stets prüft, ob die Fristen richtig eingetragen worden sind» Dadurch, daß die Geschäftsstelle des Gerichts das erste Blatt der Ausfertigung durch ein anderes ersetzte, das den EingangsStempel vom 25* Februar 1970 trug, war es der Büroleiterin nicht mehr möglich festzustellen, daß das Urteil nicht erst am 25* Februar, sondern bereits am 19« Februar 1970 zugestellt worden war0 Aus demselben Grunde konnte auch der Prozeßbevollmächtigte des Beklagten, als er später mit der Fache wieder befaßt wurde, diesen Irrtum nicht bemerken«, Unter diesen Umständen beruht die Versäumung der Frist in erster Linie auf den von der Geschäftsstelle des Landgerichts getroffenen Maßnahmen und dazu auf Versehen, die in der Kanzlei des Prozeßbevollmächtigten vorgekommen sind« Dieses Verschulden ist aber dem Beklagten nicht zuzurechnen«, Dem Prozeßbevollmächtigten selbst kann kein Vorwurf gemacht werden.