BGH · IV ZB 696/65 vom 15.12.1965
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
ZPO §§ 23x- Fe, 232 Ca Daten und Zahlen aus den Gerichtsakten kann der Anwalt durch fernmündliche Anfrage hei der Geschäftsstelle feststellen lassen, wenn Mißverständnisse vernünftigerweise nicht zu besorgen sind; Einsichtnahme in die Gerichtsakten ist in diesem Palle nicht erforderliche Übermittlungsfehler können'wirksam ausgeschlossen werden (Bestätigung von HG HRK 197!, "56). Dem Kläger wird Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gegen die Versäumung der Frist für die Berufung gegen das Urteil des Landgerichts München I vom 3« November 1964 erteilt. Nach einem Hinweis des Vorsitzenden des Berufungsgerichts beantragte der Anwalt am folgenden Tage die Wiedereinsetzung mit der Begründung, durch das Versehen seiner Angestellten sei der Tag der Zustellung nicht auf der Urteilsausfertigung vermerkt und die Berufungsfrist nicht errechnet und notiert worden. Da dieser einen Vermerk über den Tag der Zustellung vermißt habe, habe er durch eine Angestellte bei der Geschäftsstelle des Landgerichts fernmündlich nach dem Datum fragen lassen. erteilt worden,das ##teil ;,sei4bbidenrAnY/alten- am *17/November zugestellt wordeno statt versichert, daß die Angestellte am Tage des Anrufs dem Anwalt einen Vermerk über dieses Ergebnis der Anfrage vorgelegt hat* Durch den angefochtenen Beschluß hat der Berufungsrichter die Wiedereinsetzung versagt und die Berufung als unzulässig verworfen* Br geht davon aus, daß andere Mängel der Behandlung für die Versäumung der Frist nicht mehr als ursächlich anzusehen wären, wenn sich der Fristwahrung nach dem Eingreifen von Bechtsanwalt Großkopf ein unabv;endbares Ereignis in den Weg gestellt hätte (BGH LM § 233 ZPO Nr* 84)° Der Anwalt habe sich aber nicht auf eine fernmündliche Auskunft der Geschäftsstelle verlassen dürfen, weil bei Ferngesprächen stets mit Mißverständnissen zu rechnen sei* Er habe den Zustellungstag entweder selbst aus den Gerichtsakten feststcllen oder durch eine zuverlässige Person feststellen lassen müssen* Der Berufungsrichter zweifelt nicht daran, daß die Berufungsfrist gewahrt worden wäre, wenn die Geschäftsstelle des Landgerichts der Angestellten mitgeteilt hätte, das Empfangsbekenntnis ihres Anwalts trage den Datumsstempel vom 13* November 1964» Er hat auch keine Bedenken gegen die Versicherung der Angestellten zu erkennen gegeben, ihr sei als Datum beider Zustellungen der 17» November durchgegeben worden« Der erkennende Senat sieht keinen Anlaß, an der Richtigkeit der Erklärungen der Angestellten und des Rechtsanwalts GflBp zu zweifeln* Daß sich der Geschäftsstellenbeamte der Anfrage nicht mehr erinnert, besagt nichts« Es ist nicht auszuschließen, daß er versehentlich ein falsches Datum genannt hat, und zwar umsoweniger, als er nach seiner dienstlichen Äußerung "beinahe zu loo nach der Rechtskraft des Urteils Rechtsanwalt G Die Belastung der Anwaltschaft und ihrer Kanzleikräfte ist in der Regel so groß, daß die Aufsuchung des Gerichts nur dort verlangt werden kann, wo der Anwalt oder die verantwortliehe Kanzleikraft bei gewissenhafter Prüfung mit einem Mißverständnis des fernmündlich befragten Beamten oder mit ungenügender Nachforschung durch den Beamten rechnen kann. Das Datum eines Empfangsbekenntnisses kann der Beamte nur nach Einsicht in die Gerichtsakte, nicht aus dem Gedächtnis mitteilen? Wenn er von einer Anwaltskanzlei angerufen wird, muß man erwarten, daß er das Empfangsbekenntnis des betreffenden Anwalts heraussucht. Ist das Datum unleserlich oder zweifelhaft, so darf man von einem Beamten, dem die.-Bedeutung der Anfrage vertraut ist, voraussetzen, daß ei^el^ bestimmte Auskunft ablehnt und anheim-