BGH · IV ZB 677/65
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Das klageabweisende Urteil des Landgerichts ist dem Prozeßbevollmächtigten des Klägers am 18» Juni 1965 zugestellt worden» Am 13° August 1965 hat der Kläger Berufung eingelegt und zugleich um Wiedereinsetzung gegen die Versäumung der Berufungsfrist mit der Begründung gebeten, die Verfügung seines Prozeßbevollmächtigten, mit der dieser die Notierung einer Promptfrist zu dem 10» Juli 1965 angeordnet habe, sei von1-der Kanzlei versehentlich nicht ausgeführt worden» In einem am 29° September 1965 bei dem Berufungsgericht eingegangenen Schriftsatz wird zur weiteren Begründung des Wiedereinsetzungsantrages ausgeführt, die für die Pristnotierung verantwortliche Gehilfin sei bis zu dem 9° Juli beurlaubt gewesen; an ihrer stelle habe der Anwaltslehrling FflHB unter Beaufsichtigung und Mithilfe der übrigen Kanzleiangestellten die Pristverfügungen notiert» Präulein PflHIB sei seit dem Io April 1965 im Büro tätig gewesen» Es bedarf jedoch keiner näheren Begründung, daß dem Ergebnis seiner Sachprüfung beizutreten ist* Bei der Bedeutung, die die Wahrung der Rechtsraittelfristen und ihre Kontrolle durch den Anwalt besitzen, ist eine Übertragung der damit zusammenhängenden Aufgaben an einen Anwaltslehrling, dessen Lebensalter im Wiedereinsetzungsgesuch nicht angegeben wird, der aber jedenfalls erat seit knapp drei Monaten in der Kanzlei des Anwalts tätig ist, in aller Regel nicht zu verantworten» Daß der Lehrling sich in Zweifelsfällen an die älteren Angestellten im Büro wenden konnte, bedeutet keinerlei Sicherung gegen Unaufmerksamkeit in der Wahrnehmung des einzelnen Geschäfts»