Nachschlagewerk: Amtliche Sammlung: nein
BRAO § 30; BUG § 224
Tritt ein bei einem deutschen Gericht zugelassener, von der Residenspflicht befreiter Rechtsanwalt bei einem Gericht auf, bei dem er nicht zugelassen ist, und zeigt ör diesem Gericht den Namen und die Anschrift dos von ihm nach § 30 BRAO bestellten ständigen Zustellungsbevollmächtigten an, so dürfen in dem Verfahren für ihn bestimmte Zustellungen nur an den Zustellungsbevollmächtigten erfolgen, außer wenn eine Zustellung an
*
diesen nicht ausführbar ist,
*
BGH, Beschluß v. 23° Dezember 1963 - IV ZB 495/63-
OLG Düsseldorf LG Düsseldorf
Beschluß
♦
In der Entschädigungssache
der
Road
Witwe Cocilie
- Prozeßbevollmächtigter:
*
Rechtsanwalt Br
gegen
*
das Band Nordrhein-Westfalen.,
♦ *
\
vertreten durch die Baudesrentenbehörde Nox*drhein-Westfaleno
Düsseldorf, Tannenstraße 26
0
Beklagten und ßeschwerdegegner.
hat der IV«. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs unter Mit-Wirkung des Senatspräsidenten Ascher und der Bundesrichtor Raske, Wüstenberg, Maaß und Wilden
in der Sitzung vom 25° Dezember 1965 beschlossen:
Der Beschluß des 14° Zivilsenats des Oberlandes
*
gerichts in Düsseldorf vom 27° Juni 1965 wird
aufgehobene
2 «
Gründe
Durch Urteil des Landgerichts in Düsseldorf vom
Januar
963
t die von der Kläge
in einer Ent-
schädigungssache erhobene Klage abgewiesen worden. Das
Urteil ist dem Prozeßbevollmächtigt
der Klägerin
9
dem
Rechtsanwalt Dr
in
der bei dem Landgericht
und dem
bsgericht m Hildesheim zugela
st
am 7
Pebi
963 an seine Anschrift in
durch Aufgabe zur
Poet zugestellt worden» Rechtsanwalt Dr
hat für die
gleichfalls in England wohnende Klägerin am 8» Mai 1963
Berufung eingelegt. Das Oberlandesgericht hat die Berufung
durch Beschluß als unzulässig verworfen» weil die Klägerin
die Berufungsfrist
des §
2*8 Abs» 2 Satz
BEG versäum (;
ha 1
und ihr die beantragte Wiedereinsetzung in den vorigen
Bia- i. nicht erteilt werden könne
Di? dagegen von der Klägerin eingelegte sofortige
Beschwerde ist begründet
Das Berufungsgericht hat angenommen, daß die am 7» Februar
♦
Bo*1“ daß
*963 erfolgte Zustellung wirksam gewesen sei und die
ungsfrist in
Lauf gesetzt
habe» Unerheblich sei
9
der
eßbevollmächtigte der Klägerin einen in Hildesheim
wohnenden Zustellungsbevollmächtigten bestellt habe
o
Dieser
be nämlich nicht die in § 174 Abs
I
V
ZPO bestimmte Wohn
sitzvoraussetzung erfüllt, daß er entweder am Ort des Prozeß
Berichts oder innerhalb des Amtsgerichtsbezirks wohne, in dem
das
Prozeßgericht seinen Sitz habe» Diese Wohnsitzvoraus-
setsung gelre auch im Pall der §
-i
75
9
174 Abs,
2 ZPO»
Die Vorschriften uer §§ ^'74? 175 ZPO sind jedoch
%
nicht anwendbar* Die vom Berufungsgericht angeführten
Entscheidungen des Senats., die RzW 1961, 5"2 Nr» 32 und RzW '962, 470 Nr» 35 veröffentlicht sind, betreffen Prozeßbevollmächtigte, die nicht bei einem deutschen Gericht
*
als Rechtsanwälte zugelassen
s
ind
Für den Proseßbovoll
machtigten der Klägerin, der als Rechtsanwalt bei den
Gerichten in Hildesheim zugelassen und nach § 213 Abs»
«M
BRA.0 von der Residenzpflicht befreit ist, gilt dagegen di
Vorschrift des
30 BRAO» Danach muß er
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Ort
des
Ger
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3, bei dem er zugelassen ist, einen dort wohnenden ständigen Zustellun «^bevollmächtigten bestellen» Nur’ wenn
ein
lener Zustellungsbevollmächtigt
nicht
tollt odor
oie Zustellung an diesen am Ort des Gerichts nicht ausführ-
bar ist, kann die
Zustellung an ihn
selbst durch Aufgabe
•ur Post bewirkt werden, desgleichen dann, wenn er bei
iinern anderen Gericht als dem, bei dem er zugelassen ist,
aufgei.reten
t und di
den von ihm nach
30 BRAO be
stellten Zustelluhgsbevol. (nächtigten nicht mitgoteilt aid das Gericht von der Bestellung auch nicht anderweitig
Kenntnis erlangt hat (Urteil des Senats RzW '*961, 43
*
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u den entsprechenden Vorschriften der Rechtsanwalts-
Ordnung für die britische Zone), Der Prozeßbevollmächtigte
der Klägerin hat aber dem Landgericht in Düsseldorf bereits in der Klageschrift den Rechtsanwalt
m
al
s seinen
Zustellungsbevollmächtigten angezeigt und zuglo
ich
dessen Anschrift in
angegeben» Es muß., auch
wenn der Prozeßbevollmächtigte das nicht ausdrücklich er
♦
klärt hat, davon au3gegangen werden, daß Rechtsanwalt
der ständige Zuetellungebevollmächtigte des Pro
zeßbevollmächtigten der Klägerin
ist,
den dieser Pflicht
gemäß nach
30 BRAO zu bestellen hatte und der auch da
K?
«
Erfordernis erfüllt, daß er andern Ort des Gerichts wohnt* bei dom der Prozeßbcvollmächtigte der Klägerin zugolasseu
Es ist nichts dafür hervorgetreten., daß es sich bei
Rechtsanwalt nicht um den allgemein bestellten
ständigen Zustellungsbevollmächtigten handelt, und daß
Zustellungen an ihn nicht ausführbar sind, zu demal solche
«
Zustellungen indem vorliegenden Verfahren mehrfach an ihn durchgeführt wurden«. Zustellungen, die für den Prozeßbo-* vollraächtigten der Klägerin bestimmt waren, durften deshalb in dieser Zache nur an Rechtsanwalt vorgenommen
werden» Darauf, daß der Zustellungsbevollmächtigte weder
an dem Ort des entscheidenden Gerichts noch in dem Amts--
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gerichtsbezirk, indem dieses seinen Sitz hat, wohnt* kommt es nicht an»
Die durch Aufgabe zur Post am 7» Februar 1963 an, den Prozeßbovollmäehtigten selbst erfolgte Zustellung des Ur-
b
eils
des
Landgerichts hat daher die Berufungsfrist nicht
in Lauf gesetzt, so daß die am w.
8
Mai
963 eingelegte Bc
rufung nicht verspätet ist» Der Beschluß des Berufungsge
rieht?» durch d en die Berufung der Klägerin verworfen ist, muß deshalb aufgehoben werden, ohne daß noch auf das sonstige
Vorbringen der Beschwerde eingegangen zu werden braucht»
♦
Da die Berufungsfrist nicht versäumt ist, ist das Wieder©in- • setzungsgesuch der Klägerin gegenstandslos«.