BGH · IV ZB 432/61 vom 10.01.1962
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BEG § 224 Jeder der in einer Sozietät verbundenen Rechtsanwälte ist, sofern die Verbindung nicht nur eingegangen ist, um dem § 224 Abo. 2 Satz 2 BEG formal zu genügen, nach dieser Vorschrift berechtigt, den Klüger vor dom Berufungsgericht zu vertreten, wenn allen in der Sozietät zusammengeschlossenen Rechtsanwälten eine umfassende Prozeßvollmacht erteilt worden ist und wenn der Rechtsanwalt, der den Rechtsstreit im ersten Rechtszug geführt hat, dabei zugleich als Vertreter für die anderen mit ihm zusaramengeschlossenen Rechtsanwälte aufgetreten ist. Das Oberlan-decgericht hat angenommen, die von Rechtsanwalt Dr, Unterzeichnete Berufung sei nach §§ 209, 218, 224 Abs. 2 BEG, §§ 78, 513 ZPO unzulässig, da Rechtsanwalt Dr. nicht am Berufungsgericht zugelassen sei und den Kläger auch nicht im ersten Rechtszug im Sinne des § 224 Abs. 2 BEG vertreten habe. Wenn auch nach § 84 ZPO von mehreren Bevollmächtigten jeder berechtigt ist, die Partei allein zu vertreten, so schließt dies nicht aus, daß er zugleich sowohl im Verhältnis zur Partei als auch im Verhältnis zu dem Gericht und zu dem Prozeßgegner für die anderen Prozeßbevollmächtigten handelt. Diese Art der Vertretung des einen Prozeßbevollmächtigten durch den anderen entspricht tiedoch dem Sinne der genannten Bestimmung nur, wenn sich aus dem Inhalt der Akten zweifelsfrei ergibt, daß sie nicht rechtsmißbräuchlich erfolgt -ist, um eine formale Position zu schaffen, die es einem beim Berufungsgericht nicht zuge- lassenen Rechtsanwalt dem Sinn und Zweck des § 224 Abs. 2 Satz 2 BEG zuwider ermöglichen soll, allein auf Grund dieser rein formalen Vertretung die Partei vor dem Berufungsgericht zu vertreten. Das wäre z.B, der Pall, wenn Rechtsanwälte, die nicht in einer umfassenden Sozietät verbunden sind, und die auch keine gemeinsame Kanzlei haben, Übereinkommen würden, EntschädigungsSachen in der Weise zu bearbeiten, daß beiden eine Prozeßvollmacht erteilt wird und daß der eine zugleich als Vertreter des anderen den Rechtsstreit nach außen allein im ersten Rechtszug führt, damit der andere, beim Berufungsgericht nicht zugelassene Rechtsanwalt den Rechtsstreit dort in der Berufungsinstanz führen kann. In solchen Fällen vertritt der eine Prozeßbevollmächtigte den anderen im ersten Rechtszug nicht in solcher Weise, daß damit auch dieser den Rechtsstreit nach außen als Prozeßbevollmächtigter im ersten Rechtszug geführt hat. Dieser Vertreter handelt dann auch nicht weiter als dies unerläßlich geboten ist, damit der Rechtsstreit möglichst in den Händen des Sachbearbeiters bleibt. Unter solchen Umständen ist es in der Regel gewährleistet, daß der Rechtsstreit, wie es § 224 Abs. 2 Satz 2 BEG seinem Sinn nach verlangt, vor dem Berufungsgericht auch dann von dem Rechtsanwalt geführt wird, der ihn bereits vor dem Landgericht geführt hat, wenn das Rechtsmittel von einem Rechtsanwalt eingelegt wird, der den Rechtsstreit im ersten Rechtszug nicht selbst geführt hat, sondern für den nur sein Sozius aufgetreten ist.