BGH · IV ZB 400/60
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Auch in Entschädigungssachen bestimmt der Richter» abgesehen von den Einschränkungen in § 4o4 Abs„ 2 und 4 ZPO, nach seinem im Revisionsrechtszug regelmäßig nicht nachprüfbaren Ermessen, ob ein Sachverständiger zu hören ist und wer als solcher herangezogen wird* BEG § 26; 2, LV-BEG § 4 Ist der Tatrichter bei einem anlagebedingten Leiden, bei dessen Entstehung neben der Anlage andere, in ihrer Bedeutung wissenschaftlich noch ungeklärte Paktoren eine Rolle spielen, zu dem Ergebnis gekommen, daß keine Wahrscheinlichkeit für eine wesentliche MitVerursachung durch nationalsozialistische Gäwaltmaßnahmen spricht, so ist das Revisionsgericht an diese Feststellung gebunden» Die Entschädigungsbehörde hat die Ansprüche des Klägers abgelehnt« Das Landgericht und das Oberlandesgericht haben diese Entscheidung gebilligt» Das Berufungsgericht hat die Revision an den Bundesgerichtshof nicht zugelassen„ Gegen diese Entscheidung richtet sich die nach § 220 Abs, 1 BEG zulässige Beschwerde» Sie ist unbegründet, weil die in § 219 Abs» 2 Nr» 1 und 2 BEG genannten Voraussetzungen für die Zulassung des Rechtsmittels nicht vorliegend Der Kläger bemängelt, daß das Berufungsgericht den Direktor des Instituts für allgemeine klinische Medizin der Universität Heidelberg, Professor Dr» Christian, zu dem Sachverständigen bestellt habe, obwohl dieser Arzt schon an einem dem Landgericht erstatteten schriftlichen Gutachten wesentlich mitgearbeitet und darin die Präge nach dem ursächlichen Zusammenhang zwischen Verfolgung und Herzleiden verneint habe» Gegen dieses Gutachten habe der Kläger durch die von ihm beigebrachten Äußerungen der Professoren Dres» Emil und Ernst 1^^ aus Jerusalem Einwände erhoben, es sei aber nicht zu erwarten gewesen, daß Professor Dr« Christian bei seiner Vernehmung vor dem Berufungsgericht seinen Standpunkt ändern würde» Das Berufungsgericht hätte diesen Gutachter nicht wiederum als Sachverständigen hinzuziehen und das Ablehnungsgesuch des Klägers nicht als unbegründet zurückweisen dürfen* Über die Zuziehung und Auswahl des Sachverständigen bestimmt der Richter nach seinem Ermesseno Mit der Revision kann die Auswahl dds Sachverständigen auch in Entschädigungssachen nicht angegriffen werden (Rosenberg, Lehrbuch des deutschen ZivilproVeßrechts, 8» Aufl», S„ 588j BGH MLR 1953, 6o-5; Wieczorek, Zivilprozeßordnung, Anm» A III zu § 4o4 ZPO)» Regelmäßig liegt ds[her kein Verfahrensverstoß darin, daß das Gericht es ablehnt,j das Gutachten eines weiteren bisher noch nicht hinzugezogendn Sachverständigen einzufordern» Umstände, die ausnahmsweise z|u einer anderen Entscheidung nötigen können, liegen hier nicht vor« Sie sind nicht darin zu sehen? daß Professor Lr* Öhristian schon vom Landgericht als Sachverständiger hinzu^ezogen worden war, auch nicht darin, daß der Kläger mit dem 'Standpunkt des genannten Sachverständigen nicht einverstanden ist und Gegengutachten vorgelegt hat» Hieraus erwächst kein Ablehnungsgrund (KG JW 1931 , 25o8 llr» 3i BGHZ 28, 3o3, 3o6? Das Berufungsgericht hat, wie in den Urteilsgründen -emerkt, aber vom Kläger übersehen worden ist, in zahlreichen Entschädigungssachen die Eigenschaften und Fähigkeiten des genannten Sachverständigen kennen gelernt♦ Es konnte sich daher auf die umfassende Sachkunde und die Unvoreingenommenheit des Sachverständigen verlassene Solche Erfahrungen und das darauf beruhende Vertrauen sind für die Auswahl der Sachverständigen von jeher als entscheidend angesehen worden (BGHZ 12, 41, 47). 2« Von besonderer Bedeutung ist hier, daß die Krankheit, des Klägers nach Lage der Sache nicht nur als psychische Reaktion auf die Verfo1güngsmaßnahmen anzusehen ist, der hier zu entscheidende Fall also auf anderen Tatsachen beruht als sie aus der in RzW I960, 453 Nr» 18 abgedruckten Entscheidung zugrundelagen» Es handelt sich hier um Gesund- heitsschäden, denen exakt diagnostizierbare organische Veränderungen zugrunde liegen (vgl, hierzu Venzlaff, EzVV 19599 289) o Diese so feststellbaren Herzschäden sind die Folgen der Coronarsklerose, wie von allen Ärzten angenommen worden ist» Die vom Kläger beigebrachten Gutachten gehen aber daran vorbei, daß die Arteriosklerose nach dem gegenwärtigen Stande der Wissenschaft von zahlreichen aetiologischen Faktoren abhängt, deren Bedeutung und Ineinandergreifen noch nicht geklärt ist» Welche Rolle in diesem Zusammenhang eine seelische Belastung und eine etwa darauf zurückgehende vegetative Dysregulation spielt, läßt sich M daher nur selten, jedenfalls aber dann kaum aufklären, wenn zwisehen Verfolgungsvorgang und den ersten objektiven Feststellungen rund 14 «Jahre liegen» Diese Beweislücke läßt sich auch nicht dadurch schließen, daß auf ganz indifferente Symptome, über die der Kläger bereits 1941 geklagt hatte, verwiesen wird» Die Lücke läßt sich auch nicht dadurch überbrücken, daß die seelischen Belastungen und die schwere Arbeit ins Feld geführt werden«Schon*hieraus auf eine wesentlich Mit Verursachung im Sinne des* y 4 der 2« DV-BEG zu schließeh, geht nicht an» Hierbei wird übersehen, daß die Coronarsklerose, wie jede andere Arteriosklerose, zwar in erster Linie auf konstitutionellen AlterungsVorgängen der Gefäßwände be- A ruht, aber zahlreiche andere, nachträglich kaum feststen- " bare Faktoren eine "ungünstige Rolle gespielt haben können: