BGH · IV ZB 370/65
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
lie verfolgungsbedingte Einziehung einer nicht rückkaufs-fühigen Leibrentenversicherung kann einen Entschädigungsanspruch gegen Abtretung etwaiger rüekerstattungsrechtlicher Ansprüche jedenfalls dann begründen, wenn dem Versicherer ein der:i Rückkaufsv;ert für rückkaufsfähige Versicherungen entsprechender betrag und damit die Leckung entzogen worden Die Klägerin ist die Witwe des auf den 8» Mai 1945 für tot erklärten jüdischen Schriftleiters Gustav Bj Der Verbindung beider wurden nach dem Gesetz über die Anerkennung freier Ehen rassisch und politisch Verfolgter vom 23o Juni 1950 ab 1. Dieser Betrag ist an das Deutsche Reich abgeführt worden, nachdem die Klägerin nachweisen konnte, daß sie seit dem I, März 1938 die Ehefrau des verstorbenen Gustav Behrens war, zahlte ihr das Versorgungswerk der Deutschen Presse aus einem Härtefonds ohne Rechtsanspruch diejenigen Rentenbeträge, die der Erblasser vom 1. April 1940 bis zu dem 30o April 1945 erhalten hätte, in Höhe der Erbquote der Klägerin von einem Viertel und abgewertet im Verhältnis 10 s 1 mit 809j90 DM aus» Die Klägerin machte weitere Ansprüche zunächst im rückerstattungsrechtliehen Verfahren geltende Ihren Antrag nahm sie jedoch zurück, als sie auf einen Beschluß des Kammergerichts vom 26« September 1961 in anderer Sache hingewiesen war, nach dem das Versicherungsverhältnis am Tage der Kapitulation wieder aufgelebt sei. Die Entschädigungsbehörde hat den von der Klägerin geltend gemachten Anspruch auf Entschädigung wegen entgangener Witwenrente durch Bescheid vom 19o August 1963 abgelehnt, weil für die Zeit nach der Kapitulation der Versicherer leisten müsse. Mit der nach § 220 Abs, 1 BEG zulässigen sofortigen Beschwerde will das beklagte Land erreichen, daß die Revision vom Bundesgerichtshof zugelassen wird. Zutreffend führt das Berufungsgericht zunächst aus, daß die Klägerin nicht deshalb gehindert ist, Entschädigungsansprüche geltend zu machen, weil ihr möglicherweise Ansprüche nach den Vorschriften zur Rückerstattung feststellbarer Vermögensgegenstände zustehen<> Denn für den Bereich der Versicherungsschäden gilt der im § 5 BEG festgelegte allgemeine Grundsatz des Vorrangs des Rückerstattungsrechts gegenüber dem Entschädigungsrecht nicht« aufgelebt und die Klägerin könne Leistungen vom Versicherer nicht mehr verlangen« Zwar kann sich das beklagte Land für seine gegenteilige Meinung auf einen Beschluß des 18« Zivilsenats des Kammergerichts vom 26« September 1961 (18 W 941/61) berufen« Las. Kammergericht hat hier ausgeführt, bei der Einziehung nicht rückkaufsfähiger Versicherungen habe das Deut-sche Reich lediglich einen Anspruch auf monatliche Rentenzahlung bis zu dem Tode des Versicherten erlangt« Durch die Anordnung R 53/42 vom 29o Juli 1942 sei den Versicherungsgesellschaften nur eine Ausgleichsabgabe für nicht rückkaufsfähige Rentenversicherungen auferlegt worden« Liese Versicherungen seien nicht für rückkaufsfähig erklärt« Die Ausgleichsabgabe sei lediglich eine Ablösung der periodisch fällig werdenden Rentenleistung« Der Ablösungszeitraum ende in jedem Palle mit dem 8« Mai 1945» da für die Zeit nach dem Zusammenbruch und der Abschaffung der diskriminierenden Gesetze dem Schuldner nicht mehr die Berechtigung zugestanden werden könne, sich gegenüber dem Rentenberechtigten darauf zu berufen, daß die laufenden Rentenzahlungen durch Vorauszahlung an einen Dritten abgelöst worden seien« Der Teil der Ausgleichsabgabe, der rechnerisch auf die Zeit nach dem Zusammenbruch entfällt, beruhe auf der neuen, erst durch die Anordnung vom 29« Juli 1942 erzwungenen Schuldverpflichtung« Insoweit sei dieser Teil der Ausgleichsabgabe nicht für oder mit Bezug auf den entzogenen Rentenversicherungsanspruch vom Reich vereinnahmt worden» Mai 1945 fällig werdenden Leistungen hinausgeht« Denn nach der vom Landgericht eingeholten Auskunft des Bundesaufsichtsamtes für das Versicherungs- und Bausparwesen vom 11o März 1964 war es das Ziel der Anordnung R 55/42, die Versicherungsverträge mit jüdischen Versicherten zu lösen« Dieses Ziel konnte bei Kapitalversicherungen und Rentenversicherungen, deren allgemeine Versicherungsbedingungen die Gewährung eines Rückkaufs vorsahen, ohne rechtliche Schwierigkeiten auf Grund der Natur dieser Versicherungsverhältnisse erreicht werden« Lediglich bei Rentenversicherungen, für die ein Rückkauf nicht vorgesehen war, bedurfte es einer besonderen Regelung, wenn das Versicherungsverhältnis ebenso wie in den anderen Fällen vollständig aufgelöst werden sollte« Gerade diese Gleichbehandlung, also die Auflösung des Versicherungsverhältnisses, sollte durch die Anordnung R 53/42 erreicht werden« Schon aus diesem Grunde verbietet sich eine verschiedene Behandlung rückkaufsfähiger und nicht rückkaufsfähiger aber ein-gezogener Versicherungen« Auch aus versicherungstechnischen und versicherungsmathematischen Gründen kann eine unterschiedliche Behandlung nicht erfolgen« Denn nach der Auskunft des Bundesaufsichtsamtes für das Versicherungs- und Bausparwesen ist mit der Einziehung von 75 i» des zu dem 31» Dezember 194- errechneten geschäftsplanmäßigen Deckungskapitals ein Y/ert eingezogen worden, der dem Rückkaufswert ent spräche , wäre ein solcher Rückkauf in den Versicherungsbedingungen vorgesehene Deshalb ist dem Versicherer mit der Maßnahme nach der Anordnung R 53/4-2 ebenso wie im Falle eines Rückkaufs die Deckung für das von ihm übernommene Risiko entzogen;, so daß das Versicherungsverhältnis als aufgelöst anzusehen ist« Diese Rechtslage ergibt sich - und deshalb kann die Revision nicht zugelassen werden - bereits aus der höchstrichterlichen Rechtsprechungo Das Oberste Rückerstattungsgericht in Herford hat in RzW 1957* 393 Nr, 8 bereits ausgesprochen, daß durch die Einziehung eines Versicherungsanspruchs und eines Abfindungsbetrages auf Grund der Anordnung R 53/42 bei Versicherungsverhältnissen, für die ein Rückkauf nicht vorgesehen war, das Versicherungsverhältnis erlischt« Auch der erkennonde Senat hat bereits in RzW 1961, 81 Nr, 40 den Rückkauf einer Versicherung, wie er hier praktisch vorliegt, als eine den Entschädigungsanspruch nach §§ 127 ff BEG auslösende Maßnahme angesehen» Auch in der Entscheidung RzW 1961? 462 Kr» 32 a»E» hat es der Senat für die Frage, ob das Versicherungsverhältnis nach dem Zusammenbruch fortbesteht, entscheidend darauf abgestellt, ob die beschlagnahmte Versicherung für das Deutsche Reich eingezogen worden ist oder nicht» Anders als im vorliegenden Fall war dies damals nicht geschehen» Gleichwohl ergibt sich aus dieser Entscheidung bereits die mit der Beurteilung des Obersten Rückerstattungsgerichts in Herford übereinstimmende Rechtsansicht des Senats.