BGH · IV ZB 269/59 vom 14.07.1959
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
wenn sie von einem Rechtsanwalt unterzeichnet ist, der hei einem anderen Oherlandesgericht als dem Berufungsgericht zugelassen ist und den Rechtsmittelkläger auch nicht im ersten Rechtszug vertreten hat« Burch den angefochtenen Beschluß ist die beim Oberlandesgericht in BUsseldorf eingelegte Berufung der Klägerin gegen ein Urteil des Landgerichts verworfen worden, weil sie von einem beim Oberlandesgericht in Köln zugelassenen Rechtsanwalt unterzeichnet ist, der die Klägerin nicht im ersten Rechtszug vertreten hatte. ausgeführt hat« muß eine Berufung entweder von dem Anwalt unterzeichnet werden« der den Rechtsmittelkläger im ersten Rechtszug vertreten hat, oder von einem Anwalt, der bei dem Oberlandesgericht, bei dem die Berufung eingelegt wird, zugelassen ist» In dem genannten Beschluß ist entschieden, daß eine beim Oberlandesgericht Karlsruhe eingelegte Berufung unzulässig ist, weil sie von einem beim Kammergericht in Berlin zugelassenen Anwalt, der den Rechtsmittelkläger nicht im ersten Rechtszug vertreten hatte, unterzeichnet ist» Rach § 224 BEG besteht für den Verfolgten in dem Verfahren vor dem Oberlandesgericht grundsätzlich Anwaltszwang» Daraus, daß die Bartei sich nach § 224 Abs.4 BEG beim Bundesgerichtshof von jedem bei einem Oberlandesgericht zugelassenen Rechtsanwalt vertreten lassen kann, kann nicht geschlossen werden, daß der Verfolgte sich auch im zweiten Rechtszug von jedem bei einem Oberlandesgericht zugelassenen Rechtsanwalt vertreten lassen könnte. § 224 Abs. 2 Satz 2 und Abs.4 BEG machen eine Ausnahme von dem Anwaltszwang im Sinne des § 78 ZPO, weil der Gesetzgeber glaubte, damit den Interessen der Verfolgten zu dienen. den,die bei den Oberlandesgerichten zugelassenen Rechtsanwälte sich darauf beschränken, die Revision einzulegen und schriftlich zu begründen, jedoch vielfach im Hinblick auf die Kosten und den Zeitaufwand davon absehen, ihren Mandanten in der mündlichen Verhandlung vor dem Revisionsgericht zu vertretene Das führt dazu, daß der Bundesgerichtshof nach § 209 BEO ohne mündliche Verhandlung oder auf Grund der einseitigen mündlichen Verhandlung des in der mündlichen Verhandlung allein vertretenen Gegners entscheiden muß. Daß damit den Interessen des in der mündlichen Verhandlung nicht vertretenen Verfolgten in vielen Fällen schlecht gedient wird, liegt auf der Hand, da die Erörterung der Rechtsfrage mit den Parteivertretern (§ 139 ZPO) gerade in Entschädigungssachen wesentlich die Rechtsfindung förderte Ein gleicher den Interessen der Parteien abträglicher Mißstand würde entstehen, wenn man den Parteien gestatten wollte, sich in EntschädigungsSachen vor dem Berufungsgericht über den Rahmen des § 224 Abs. 2 BEG hinaus durch nicht bei dem Prozeßgericht zugelassene Anwälte vertreten zu lassen« Im Interesse der Verfolgten ist es deshalb nicht gelegen, die Vorschrift des § 224 Abs« 4 BEG über ihren Wortlaut hinaus ausdehnend dahin auszulegen, daß ein Verfolgter sich im zweiten Rechtszug von jedem bei einem Oberlandesgericht zugelassenen Rechtsanwalt vertreten lassen kann.