BGH · IV ZB 243/66
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Die Vorlage an den Bundesgerichtshof ist auch zulässig, wenn ein Oberlandesgericht von der Entscheidung eines anderen Oberlandesgerichts, die auf einen Antrag auf gerichtliche . EheG § 10; PersonenstandsG § 45 Die vom Oberlandesgerichtspräsidenten gemäß § 10 Abs. 2 EheG erteilte Befreiung von der.Beibringung eines Ehefähigkeitszeugnisses bindet den Standesbeamten nicht. Ob.dies auch gilt, wenn über die Befreiung eine gerichtliche Entscheidung in dem in den Bestimmungen der §§ 23 ff EGGVG vorgesehenen Verfahren ergangen ist, bleibt offen. August 1957,, BGBl X 1251, § 6 Die Ehefähigkeit einer Ausländerin,, die einen deutschen Staatsangehörigen heiraten will, ist gern, Art, 13 EGBGB auch dann nach ihrem Heiniatrccht zu beurteilen, wenn sie bereit ist, bei der Eheschließung vor dem deutschen Standesbeamten gemäß § 6 Abs. 2 RuStaG zu Protokoll des Standesbeamten zu erklären, deutsche Staatsangehörige werden zu wollen. Januar 1966 gemäß § 10 Abs. 2 EheG Befreiung von der Beibringung des Ehefähig-keitszeugnisses unter der Auflage erteilt, daß die Verlobte bei der Eheschließung die Erklärung nach § 6 Abs* 2 RuStaG abgibt* Der Standesbeamte hatte Bedenken, die Eheschließung vorzunehmen» Er hat daher über seine Aufsichtsbehörde, den Senator für Inneres, gemäß § 45 Abs* 2 PStG um Entscheidung des Amtsgerichts Bremen nachgesucht * Das Amtsgericht hat den Standesbeamten nicht angewiesen,j die Eheschließung vorzunehmen= mm Das Landgericht hat die Beschwerde zuriickgewiese Es hat die Auffassung des Amtsgerichts gebilligt, daß nach dem gemäß Art* 13 Abs* 1 EGBGB anzuwendenden sp sehen Recht der beabsichtigten Eheschließung das Ehehindernis der Doppelehe entgegenstehe und daher die zu schließende Ehe trotz der unter einer Auflage erteilt Befreiung von der Beibringung eines Ehefähigkeitszeugnisses nach spanischem Recht ohne bürgerlich recht lie Wirkung wäre* Für den Verlust der spanischen Staatsangehörigkeit wie auch für den Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit sei aber eine gültige Eheschließung Hach seiner Auffassung umfaßt der Bescheid des Oberlandesgerichtspräsidenten nur die Befreiung von dem aufschiebenden Ehehindernis der Beibringung des Ehe-fähigkeitszeugnisses, nicht aber.die Feststellung der Abwesenheit anderer Ehehindernisse, insbesondere nicht desjenigen der Doppelehe nach Art« 51 Codigo Civil in Verbindung mit can 1069 § 1 CJC„ Die beabsichtigte Eheschließung würde nach diesem gemäß Art. 13 Abs. 1 Satz 1 EGBGB maßgeblichen spanischen Recht auch dann nichtig sein, wenn die Verlobte nach § 6 Abs. 2 RuStaG mit der^Eheschließung die deutsche Staatsangehörigkeit erwerben und dadurch möglicherweise die spanische Staatsangehörigkeit verlieren würde. In dieser gemäß §§ 23 ff EGGVG ergangenen Entscheidung ist ausgesprochen, daß einer Spanierin katholischen Bekenntnisses, die in Deutschland einen durch deutsches Scheidungsurteil geschiedenen Deutschen heiraten will, die Befreiung von der Beibringung des Ehefähigkeitszeugnisses unter der Auflage erteilt werden kann,'daß die Braut bei der Eheschließung die Erklärung nach §,6 Abs. 2 RuStaG abgibt, deutsche Staatsangehörige werden zu wollen. Die Voraussetzungen für eine Vorlage nach diesen Bestimmungen sind gegeben» Nach dem gemäß § 48 PStG in Personenstandssachen anwendbaren § 28 Abs» 2 PGG hat ein Oberlandesgericht, das'bei der Auslegung einer Vorschrift des Bundesrechts, die eine Angelegenheit der freiwilligen Gerichtsbarkeit betrifft, von einer auf weitere Beschwerde ergangenen Entscheidung eines anderen Oberlandesgerichts abweichen will, die weitere Beschwerde dem Bundesgerichtshof vorzulegen» Hier ist die Entscheidung des Oberlandesgerichts Karlsruhe allerdings nicht auf eine weitere Beschwerde hin; er-gangen, sondern gemäß §§ 23 ff EGGVG auf Grund eines Antrags auf gerichtliche EntScheidung„ Dies steht jedoch einer Vorlage nicht entgegen» Der Senat hat bereits ln der in BGHZ 3, | 123 abgedruckten, in einer Wertpapierbereinigungssache ergangenen Entscheidung ausgesprochen, daß es für die Anwendbarkeit des § 28 Abs» 2 EGG darauf ankommt, ob eine sofortige Beschwerde als Rechtsbeschwerde ausgestattet ist» Die Vorlage ist sonach zulässig, wenn über eine erste Rechtsbeschwerde zu entscheiden ist oder entschieden worden ist (ebenso Keidel, 8, Aufl», Annu 10 zu § 28 EGG)» Einem solchen Rechtsmittel ist auch ein Antrag auf gerichtliche Entscheidung gemäß §§ 23 ff EGGVG gleichzustellen« Denn hier handelt es sich um die rechtliche Überprüfung einer in einem vorgeschalteten Verfahrenegetroffenen Maßnahme, über die das Oberlandesgericht gemäß § 29 Abs» 1 Satz 1 EGGVG endgültig zu entscheiden hat, sofern es nicht nach Satz 2 dieser Vorschrift die Sache dem Bundesgerichtshof vorlegön muß» Dabei ist auch zu beachten, daß gemäß § 24 Abs» 2 EGGVG der Antrag nur zulässig ist, wenn ein sonst vorgesehener förmlicher Rechtsweg erschöpft ist» Die Vorlage ist sonach, zulässig, wenn ein Oberlandesgericht von einer von einem anderen Oberlandesgericht in einem Verfahren gemäß §§ 23 ff EGGVG ergangenen Entscheidung abweichen will, vorausgesetzt, daß letztere Entscheidung eine Angelegenheit der freiwilligen Gerichtsbarkeit betrifft» Diese Voraussetzung ist hier erfüllt« Denn die Entscheidung Der Anwendbarkeit des § 28 Abs» 2 EGG steht nicht entgegen, daß gemäß Art. 13 EGBGB, auf aus disches Recht zurückgegriffen werden muß» Schließlich beruht auch die 'Entscheidung des Oberlandesgerichts Karlsruhe auf der vom vorlegenden Oberlandesgericht nicht gebilligten Rechtsauffassung. Somit hindert auch die Befreiun&fc:-von der Beibringung des ausländischen Ehefähigkeitszeug®^-nisses den Standesbeamten nicht an der Prüfung, ob ein|R: Ehehindernis vorliegt (OLG München in StAZ 1950, 130; BGB-RGRK, An. 53 zu § 10 EheG, dmv.L ; vgl. 01) der Standesbeamte auch dann noch eine solche Prüfung vornehmen kann, wenn über die Befreiung eine gerichtliche Entscheidung in dem in den Bestimmungen der §§ 23 ff EGGVG vorgesehenen Verfahren ergangen ist kann offen bleiben, da diese Voraussetzung hier nicht gegeben ist. Fach allem "bindet die vom Oberlandesgerichts-präsidenten gemäß § 10 Abs» 2 EheG, erteilte Befreiung von der Beibringung eines Ehefähigkeitszeugnisses den Standesbeamten nicht» Er kann gleichwohl die Mitwirkung bei der Eheschließung ablehnen, wenn er der Überzeugung ist, daß die Eheschließung verboten ist» b) Der S,enat hat in der Entscheidung vom 12» Februar 1964 - IV AR (VZ) 39/63 (BGHZ 41, 137) - ausgesprochen, daß einem Spanier katholischen Glaubens, der in Deutschland eine Deutsche heiraten will, deren erste Ehe mit einem Deutschen durch ein deutsches Scheidungsurteil geschieden worden ist, sofern diese erste Ehe nach kanonischem und damit auch nach spanischem. Recht wirksam zustande gekommen war, Befreiung von der Beibringung des Ehefähigkeitszeugnisses bei Lebzeiten des ersten Ehemannes nicht erteilt werden kann» Diese Entscheidung ist damit begründet, daß nach dem gemäß Art» 13 EGBGB maßgeblichen spanischen Recht die beabsichtigte Eheschließung wegen Doppelehe nichtig wäre, und daß die Anwendung spanischen Rechts, für das die Bestimmungen des kahonischen Rechts über die Unauflöslichkeit der Ehe maßgebend sind, nicht nach Art» 30 EGBGB ausgeschlossen ist» In einer nicht veröffentlichten Entscheidung vom gleichen Tage - IV AR (VZ) 40/63 - hat der Senat dieselbe Auffassung auch für den Fall vertreten, daß eine katholische Spanierin einen geschiedenen Deutschen heiraten will» Auf die Begründung der ersterwähnten Entscheidung des Senats, die auch der Entscheidung IV AR (VZ) 40/63 zugrunde liegt, wird Bezug genommen» Der Senat hat in dieser letzteren Entscheidung die Erage, ob einer katholischen Spanierin die Befreiung unter der Auflage, daß § 6 RuStaG abgibt, erteilt werden kann, und ob bei Abgabe einer solchen Erklärung™» das nach spanischem Recht bestehende Verbot der Doppel- § ehe der beabsichtigten Eheschließung nicht mehr entgegensteht, der Standesbeamte folglich die Eheschließung vornehmen kann, nicht erörterte Die Präge ist jedoch aus den beiden Entscheidungen zugrunde liegenden Grüncäjj zu verneinen,, Nach § 6 RuStaG in der Passung des Dritten Gesetzeil; zur Regelung von Prägen der Staatsangehörigkeit vom 19» August 1957 (BGBl I 1251) hat eine Ausländerin, die mit einem Deutschen die Ehe schließt, Anspruch auf EiaH bürgerung (Abs» 1) „ Y/ird die Ehe vor einem deutschen Standesbeamten geschlossen, so kann die Ausländerin die deutsche Staatsangehörigkeit auch dadurch erwerbe^ daß sie bei der Eheschließung zu Protokoll des Stande beamten erklärt, deutsche Staatsangehörige werden zu wollen (Abs, 2), Entgegen der vom Oberlandesgericht Karlsruhe vertretenen Auffassung kann jedoch die Verpflichtung wie die Bereitschaft zur Abgabe einer sol~f chen Erklärung eine andere Beurteilung der Präge der Ehefähigkeit der Ausländerin nicht rechtfertigen. einer Spanierin auch dann, Iwenn die Verlobte eine Erklärung nach § 6 RuStaG hei der Eheschließung abzugeben bereit ist, das spanische Recht maßgebend, nicht aber deutsches Rechte Die Auffassung des Oberlandesgerichts Karlsruhe bedeutet im Ergebnis eine Änderung des Arte 13 EGBGB dahingehend, daß für eine ausländische Verlobte, die eine Erklärung nach § 6 RuStaG abzugeben bereit ist, auf Grund dieser Bereitschaft nicht ihr Heimatrecht, sondern deutsches Recht für diei Eingehung der Ehe maßgebend ist» Dies widerspricht aber dem eindeutigen Wortlaut des Art» 13 Abs» 1 EGBGB, nach dem das Heimatrecht der Verlobten maßgebend ist«. Außerdem trifft die Erwägung des Oberiandesgerichts Karlsruhe deshalb nicht zu, weil die Ausländerin, falls sie, sei es allein, sei es mit dem deutschen Ehegatten, in ihr Heimatland übersiedelt, damit rechnen muß, daß ihre Ehe nach den Gesetzen ihres HeimatStaates nicht anerkannt würde und ihr wegen ihrer Eheschließung Schwierigkeiten bereitet werden würden.