BGH · IV ZB 224/64 vom 10.07.1964
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der Verzicht eines rechtsunkundigen, nicht durch einen Rechtskundigen vertretenen Verfolgten auf Ausübung des Rentenwahlrechts bei Schaden im beruflichen Fortkommen kann rechtswirksara schon in einem Zeitpunkt des Snt-schädigungsverfahreno erklärt werden, in dem der Verfolgte noch nicht übei'blicken kann, ob und in welcher Höhe ihm Kapitalentschädigung oder Rente zustehen. hat der IV« Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die sofortige Beschwerde der Klägerin gegen die Nichtzulassung der Revision im Urteil des 11* Zivilsenats des Cberlandesgorichts in Düsseldorf vom 8» Januar 1964 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Ascher und der Bundearichter Wüstenberg, Wilden, Dr* Loewenheim und Dr* Graf in der Sitzung vom Io« Juli 1964 beschlossen: folgende Erklärung abgegeben: "Außerdem bitte ich Sie, zur Kenntnis zu nehmen, daß ich für die mir zustehenden Gelder meiner Wiedergutmachungc-ansprüche dio Kapitalentschädigung wähle,,” Die Entschädi-gungobehördo hat ihr durch Teilbescheid vom 4» November 1958 wogen Verdrängung aus selbständiger Erworbstätigkeit eine Kapitalentschädigung von 360608 DM suerkannt, Mit Bescheid vom 3o März 1961 hat die Entschädigungsbehörde den Antrag der Klägerin auf eine weitere Kapitalentschädigung zurück-gewiosen. Mit Schriftsatz vom 29» Juli 1961 hat die Klägerin die Rente gewählt und ihre Erklärung vom 6» Mai 1958 vorsorglich angefochtenj sie habe sich damals über den Inhalt der Erklärung geirrt und hätte sie nicht abgegeben., gegen die Nichtzulassung der Revision im Berufungsurteil gerichtete sofortige Beschwerde der Klägerin ist mangolo der Voraussetzungen des § 219 Abs» 2 BEG unbegründet. 1. Das Berufungsgericht hat die Frage, ob die Klägerin wegen des ihr durch Verdrängung aus selbständiger Er-werbotätigkeit entstandenen Borufsschadens anstelle der Kapitalentschädigung die Rente wählen könne, verneint. Die sofortige Beschwerde sieht eine der Entscheidung des Bundesgerichtshofs bedürfende Rechtsfrage von grund-säztlicher Bedeutung darin, ob der Verzicht einer rechts-unkundigen, nicht durch einen Rechtskundigen vertretenen Verfolgten auf Ausübung des Rentenwahlrechts bei Schaden im beruflichen Fortkommen rcchtswirksam schon in einem Zeitpunkt des EntschädigungsVerfahrens erklärt werden kann, in dem die Verfolgte noch nicht überblicken kann, ob und in welcher Höhe ihr Kapitalentschädigung oder Rente zustehen. Allerdings hat der Senat für den Fall, daß ein Verfolgter vor der Frage steht, ob er die Kapitalontschüdi-gung oder die Rente verlangen soll, ausgesprochen, nur dann, wenn der Verfolgte Überblicken könne, in welcher Hoho ihm Kapitalentschüdigung oder Rente zustündon, könne er sich über dio von ihm zu treffende Wahl schlüssig werden (Urteil des Senats vom 11.