BGH · IV ZB 194/58 vom 07.11.1958
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Diese Schutzbestimmung sei auch jetzt noch anwendbar, so daß der Ehescheidungsrechtsstreit unterbrochen gewesen sei und daher die Berufungsfrist noch laufe, da ein Beschluß auf Aufnahme des Verfahrens noch nicht ergangen sei. Las Oberlandesgericht hat der Beklagten die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand versagt und demgemäß ihre Berufung als unzulässig verworfen* Lie Beklagte hat hiergegen sofortige Beschwerde eingelegt* Rechtlich nicht zutreffend ist zunächst die Ansicht der Beklagten, daß sie im Sinne des Art« 1 der SchutzVO durch die Kriegsverhältnisse betroffen und demgemäß das Ehescheidungsverfahren unterbrochen gewesen sei. Wer als Betroffener im Sinne dieser Bestimmung anzusehen ist, ist in Abs* 2 des Art* 1 unter Ziff* 1 bis 3 bestimmt* Zu dem dort bezeich-neten Personenkreis gehörte die Beklagte nicht; insbesondere war sie nicht dienstlich im Ausland oder als Gefangener oder Geisel in fremder Gewalt« Zwar war der schriftliche Verkehr mit dem Gericht für die Beklagte, während sie sich in dem unter polnischer Verwaltung stehenden deutschen Gebiet befand, er beschränkt« Immerhin hatte sie die Möglichkeit, sich schriftlich an das Gericht zu wenden, und sie hat das auch getan« fremder Gewalt gleichgestellt werden« Das Gegenteil ist auch in der von der Beklagten angeführten Entscheidung des Senats vom 18« April 1956 - M Nr. 4 SchutzVO - NJW 1956, 992 -nicht ausgesprochen« In dem dort entschiedenen Fall war eine Unterbrechung des Verfahrens, wie in der Entscheidung ausgeführt . Dagegen erscheint es an sich möglich, daß die Beklagte, solange sie sich noch in Schlesien auf hielt, durch Kriegsgeschehen in dem weiteren Sinn dieses Begriffes, wie ihn der Senat in ständiger Rechtsprechung seinen Entscheidungen zugrunde gelegt hat (vgl« Dil Nr« 12 zu § 234 ZPO sowie Urteil vom 1« Oktober 1958 - IV ZK 61/58 -), an der Innehaltung der Berufungsfrist gehindert war, so daß ihr sofern und solange dieses Hindernis ohne ihr Verschulden fortbestand und noch zwei Wochen über den Zeitpunkt seiner Behebung hinaus gemäß Art« 3 Abs« 2 der SchutzVO in Verbindung mit § 234 ZPO eine Wiedereinsetzung in den vorigen Stand hätte bewilligt werden können« Zutreffend hat jedoch das Berufungsgericht die Frage, ob die Voraussetzungen hierfür auch noch gegeben waren, als die Beklagte am 25« Juli 1956 die Wiedereinsetzung beantragte, verneint« Juli 1956 zugegangen ist und somit das Hindernis für die Einhaltung der Berufungsfrist - Nichtkenntnis des Scheidungsurteils bezw» seines Inhalts - erst in diesem Zeitpunkt weggefallen wäre, so hätte die Beklagte damit nicht auch schon glaubhaft gemacht, daß das bezeichnete Hindernis bis zu diesem Zeitpunkt ohne ihr Verschulden weiter bestanden habe» Die zweiwöchige Prist des § 234 ZPO beginnt aber, wie der Senat bereits in seinem Urteil vom 31» Januar 1952*- BGHZ 4* 389, 396 - ausgesprochen hat, nicht nur dann zu laufen, wenn das der Wahrung der versäumten Prist entgegenstehende Hindernis tatsächlich aufhört zu bestehen, sondern auch dann, wenn sein Weiterbestehen nicht mehr als unverschuldet angesehen werden kann» In dieser Hinsicht lassen die Darlegungen der Beklagten es schon kaum als hinreichend glaubhaft erscheinen, daß sie, nachdem sie beim Landgericht um Übersendung einer Urteilsabschrift gebeten hatte, alle ihr billigerweise zu demutbare Sorgfalt aufgewendet hat, um möglichst bald in den Besitz der ürteilsausfertigung zu gelangen» Diese ist, wie das Berufungsgericht feststellt, aller Wahrscheinlichkeit nach bereits am 16. Juni 1956 in dem Flüchtlingslager Hanau eingegangen, wo die Beklagte sich damals befand» Wenn sie um diese Zeit außerhalb des Lagers an einem Ausbildungslehrgang teilnahm und nur jeweils abends in das Lager zurückkehrte . fait aussetzen wollte, die mit der Verteilung der Post im Lager beauftragte Person oder Stelle davon in Kenntnis setzen; daß sie ein Schreiben vom Gericht erwarte, und Vorsorge treffen, daß ihr dieses alsbald nach seinem Eingang im Lager ausgehändigt wurdeo Es ist anzunehmen, daß die Urteilsausferti-gung ihr, wenn sie das getan hätte, erheblich früher als am 12« Juli 1956 zugegangen wäre« Darüber hinaus aber hätte die Beklagte sich auch bereits früher um die Erlangung einer Urteilsausfertigung bemühen müssen, als sie es getan hat« Wie sie nicht bestreitet, war ihr das Schreiben, das der Kläger am 12. Es ist anzunehmen, daß das Rote Kreuz, wenn es dieses Schreiben der Beklagten auszugsweise mitgeteilt hat, Jedenfalls auch diese Angaben des Klägers, die für die Beklagte außerordentlich bedeutungsvoll waren, in sein Schreiben an diese mit auf genommen hat. Die Beklagte mußte aber auch, selbst wenn ihr dies vom Roten Kreuz nicht ausdrücklich mitgeteilt war, mit der Möglichkeit rechnen, daß sie in dem Scheidungsurteil entsprechend dem ihr bekannten Antrag des Klägers für schuldig erklärt war« Unter diesen Umständen mußte sie sich, wenn es ihr mit ihrem Bestreben, unter allen Umständen eine Scheidung aus ihrem alleinigen Verschulden zu verhindern* ernst war* spätestens einige Wochen nach ihrer Ankunft im Flüchtlingslager um die Erlangung einer Urteilsabschrift bemühen« Aus der ihr in Schlesien zugestellten Klage und Terminsladung wußte sie, daß das Scheidungsverfahren vor dem Landgericht in Frankfurt am Main geschwebt hatteo Aber auch wenn sie dieses inzwischen vergessen haben sollte, hätte sie leicht durch eine Anfrage beim Amtsgericht in Hanau oder in Frankfurt am Main erfahren können* daß als Ge rieht des Scheidungsprozesses nur das Landgericht in Frankfurt am Main in Betracht kommen konnte, wo der Kläger, dessen Anschrift ihr bekannt und in ihrem vorerwähnten Antrag an das Arbeitsamt angegeben war, seit der Einleitung des Scheidungsverfahrens seinen Wohnsitz gehabt hatte« Die Beklagte hätte ferner, wenn sie sich dieserhalb nicht selbst an ihren Mann wenden wollte, eine entsprechende Anfrage bei diesem durch das Arbeitsamt veranlassen können« Tatsächlich hat sie Anfang Mai 1956 Schritte in dieser Richtung unternommen, die dann auch dazti führten, daß sie eine Urteilsausfertigung erhielt. Es ist aber kein Grund ersichtlich, weshalb die Beklagte sich nicht schon mindestens zwei Monate früher in der Weise hätte bemühen können, wie sie es dann später mit Erfolg getan hat« Hätte sie das getan, so wäre sie aller Voraussicht nach bereits spätestens Ende Mai im Besitz einer UrteilsapLsfertigung gewesen. Von diesem Zeitpunkt an kann also das Fortbestehen des Hindernisses, das für sie der Wahrung der Berufungsfrist entgegenstand, nicht mehr als unverschuldet angesehen werden« Die im § 234 ZPO vorgesehene zweiwöchige Frist für den Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand war danach am 25« Juli 1956 auch dann bereits verstrichen, wenn sie das Urteil tatsächlich nicht vor dem *