BGH · IV ZB 191/56 vom 15.12.1956
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£$set22 ZPO § 234 Rechtssata: Per lauf der Frist für den Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand wird nicht dadurch berührt, daß die arme Partei gegen den ihr das Armenrecht versagenden Beschluß Vorstellungen erhebt und darauf verweist, Tatsachen und Beweisangebote, die in einem erst nach Ablauf der Berufungsfrist eingegangenen Schriftsatz mitgeteilt waren* seien offensichtlich nicht beachtet worden« \ Geschieht das nicht, dann muß die Wiedereinsetzung in den vörigen Stand, selbst wenn sie fristgerecht beantragt ist, versagt werden (Beschluß vom 23» Juni 1956, IV ZA 46/56, Leitsatz, veröffentlicht LM Nr 65 zu § 233 ZPO)» Per Beklagte .hat rechtzeitig vor Ablauf der Berufungsfrist um die Bewilligung des Armenrechts nachgesucht» Pas Armenrecht ist ihm aber durch den ihm am 18» Juli 1956 zugestellten Beschluß des Berufungsgerichts versagt worden» Spätestens 2 bis 3 Tage nach der Zustellung diesesBeschlusses galt das durch die Armut des Beklagten bedingte Hindernis für die Einlegung der Berufung als behoben, so daß jetzt die Frist des § 234 ZPO zu laufen begann», Pem Beklagten hätte die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand nur erteilt .werden können, wenn Das hat er nicht getane Sein Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand ist erst am 8. Das Berufungsgericht hat diesem Antrag mit Recht nicht statt gegeben« Rach der ständigen Rechtsprechung des Senats, von der abzuweichen kein Anlaß besteht, kann die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand nicht,gewährt werden, wenn nach der Verweigerung des Armenrechts auch ein zweites Armenrechtsgesuch oder OegenvorStellungen erfolglos bleiben und inzwischen die Frist des § 234 ZPO •verstrichen ist ,(LM Hr 6 zu § 234 ZPO und Beschluß vom 18o, September 1956, IV ZB 114/56). ob die Partei der Meinung war, ihre Vorstellungen gegen den das Armenrecht versagenden Beschluß wurden Erfolg haben« Wenn überhaupt, so könnte hiervon eine Ausnahme allenfalls in den Fällen gemacht werden, in denen der erste das Armenrecht versagende Beschluß offensichtlich darauf beruht, daß das Gericht eine ihm rechtzeitig vor Ablauf der Berufungsfrist mitgeteilte Tatsache überhaupt nicht berücksichtigt oder offensichtlich eine nicht vorgetragene Tatsache als gegeben angenommen hat« Dieser ^usnahmetat-bestand ist hier nicht gegeben. Dieser Umstand beruht aber nicht auf einem Versehen des Berufungs gerichts, sondern darauf, daß der Beklagte den Schriftsatz erst nach Ablauf der Berufungsfrist eingereicht hat. Beweismittel vorgetragen waren, hat der Beklagte nicht, wie es seine Pflicht gewesen wäre, bis zu dem Ablauf der Berufungsfrist alle für die Bewilligung des Armenrechts'maßgebenden Tatsachen dem Gericht unterbreitet« Er konnte daher nicht erwarten, daß seine Gegenvorstellungen Erfolg haben würden. Hur wenn er rechtzeitig um die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand nachgesucht hätte, hätte ihm überhaupt, falls auch die sonstigen Erfordernisse dafür gegeben waren, auf Grund seiner Gegenvorstellungen das Armenrecht bewilligt werden können. Ba sonach der angefochtene Beschluß zu Hecht ergangen ist, mußte die sofortige Beschwerde des Beklagten mit der Kostenfolge aus § 97 ZPO zurückgewiesen v/erden.