BGH · IV ZB 182/56
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
das Band Niedersachsen, vertreten durch den Niedersächsischen Minister des Innern in Hannover, Beklagten und Beschwerdegegner, hat der IV0 Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die sofortige Beschwerde des Klägers gegen das Urteil des 4* Zivilsenats (Entschädigungssenats) des Oberlandesgerichts in Oldenburg fOldb) vom 180 September 1956 Das Oberlandesgericht hat die Berufung des Klägers mit der Begründung zurückgewiesen, es sei erwiesen, daß der Kläger mindestens grobfahrlässig unrichtige Angaben an den Kreissonderhilfsausschuß gemacht habe und daß der Bescheid vom 15./2Q. ’ Gegeii ßAe Nichtzulassung der Revision Jhat der Kläger formund fristgerecht sofortige -Beschwerde nach §• 220 Abs 1 BEG- eingelegt,, Biese ist jedoch unbegründet, da keiner der Gründe des § 219 Abs 2 aaO vorliegt, aus denen die + • # * wird, ’der Berufungsrichter habe die Nichtzulassung unzureichend begründet, da die Begründung sich auf die bloße Wiedergabe des’Gesetzeswortlautes beschränke, so ist schon mehrmals fraglich, ob ein solcher Mangel des Berufungsurteils* wie er hier gerügt wird, die sofortige Be-schwerde rechtfertigen könnte, da insoweit keiner der in § 220 Abs 2 BEG erschöpfend aufgezähjten Zulassungsgründe verwirklicht wird und die Beschwerde nur darauf ♦ Wie sich schon aus dem Wortlaut dieser Bestimmung ergibt,-ist Voraussetzung für die Zulassung der Revision nicht; etwa, daß eine Rechtsvorschrift von grundsätzlicher und deshalb über den Einzelfall- hinausgehender Bedeutung angewendet werden muß, um die Entscheidung zu begründen* Kotwendig ist vielmehr, daß .eine .-grundsätzliche Rechtsfrage zu entscheiden “ist, Es muß bei der Anwendung des Rechts also ein gewisser Zweifel oder eine Unsicherheit darüber bestehen,^welchen Inhalt der anztiwendende Rechtssatz hat, ob er auf die festgestellten Tatsachen anzuwenden oder, .pb .ein derartiger Recht ssätz,. Sind solche Bedenken nicht vorhanden, ist der Rechtss^tz ohne weiteres aus dem Gesetz oder anerkannten Grundsätzen zu ent-'nehmen und besteht weder über seinen Bestand noch über seinen Inhalt oder über seine Tragweite irgendwelche Unsicherheit, dann ist für die Zulassung der Revision nach § 219 BEG kein Platz» So liegt es aber im vorliegenden Fall, Februar 1935 länger als 13 Jahre danach durch den Beschluß vom 22, September 1948 aufgehoben wurde» nichts dafür, daß er auf VerfolgungsgrUnden beruhte, insbesondere ergibt sich dies nicht auf Grund des übrigen festgestellten Sachverhalts« Eine irgendwie zweifelhafte Rechtsfrage, die insoweit der Entscheidung bedürfte» liegt insoweit nicht . Wenn der Widerruf sich nur auf die auf ihn folgende Zeit erstrecken würde, dann wäre für die Vorschrift des § 7 Abs 2 BEG kein Platz, wonach bereits bewirkte Leistungen zurückgefordert werden können« Paß sich diese Zurückforderung auf alle vor dem Widerruf bewirkten Leistungen erstrrecken kann, liegt auf der Hand« Es ergibt sich auch aus dem Vergleich mit der Vorschrift des § 6 Abs 3 aaO, der die Möglichkeit der Rückforderung bewirkter Leistungen im Falle der Verwirkung eines Entschädigungsanspruchs ausdrücklich zeitlich begrenzt. 5o Der Beschwerdeführer meint schließlich, es erhebe sich weiter die Frage» ob die Beweiswürdigung durch das Berufungsgericht nicht unter* Verletzung''von Rechtsvorschriften erfolgt sei« Das Berufungsgericht habe auf Grund von erkennbar unvollständigen Akten-’ Feststellungen über* Vorgänge, die über 20 Jahre zurücklägen, getroffen« Wenn das Berufungsgericht es ‘trotz der von ihm festgestellten IJnvollständigkeit der Akte als unwahrschein lieh bezeichne, daß Erklärungen der Staatspolizei zu den Akten gelangt seien, so habe es damit ‘den Rechtsgrundsatz des § 1?6 Abs 2 BEG, der nur Zugunsten der Verfolgten gelte, zugunsten des entschädigurigspflichtigen Landes angewandt« Das sei unzulässig, aüchThierin liege eine grundsätzliche Rechtsfrage« Auchr-ctiese Ausführungen der Beschwerde gehen fehl« Die Voraussetzungen für die Anwendung des § 176 Abs 2 BEG liegen überhaupt nicht vor. Der Be#üfungsrichter stützt seine-’Feststellung» daß der Kläger nicht aus politischen Gründen unfruchtbar gemacht worden sei, sondern auf Grund der vorgeleg-ten ärztlichen Zeugnisse und ärztliche Untei'suchungen» auf das vorhandene Aktenmaterial, bei. Umstand; daß es denkbar sei» daß einige-Aktenbestandteile fehlten, deswegen keine Bedeutung bei, weil es unwahrscheinlich sei, daß Vernehmungen der (Geheimen) Staatspolizei, die das Gewerbe des Klägers 'beträfen, jemals zur Erbgesundheitsakte gelangt sei, Im Hinblick auf die eingehenden Feststellungen, von denen der Berufungsrichter bei der Würdigung der Beweise ausgeht, kann die von dem Beschwerdeführer aufgeworfene Frage überhaupt nicht Platz greifen« Es ist anerkannten Rechts, daß auch die Beweiswürdigung in Entschädigungssachen durch den latsachenrichter grundsätzlich im Revisions-reebtszug nicht nachgeprüft werden kann» Das gilt auch Die Beschwerde war daher, wie geschehen, mit der sich aus § 225 Abs 1 BEG ergebenden Kostenfolge zurückzuweisen, Da das beklagte Land in dem Beschwerdeverfahren nicht aufgetreten ist, erübrigt sich eine Entscheidung über die ihm erwachsenen Kosten nach § 97 ZPO,