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Gesetz? ZPO §§ 232s
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Ein. die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand ausschließendes Verschulden des Anwalts braucht nicht vor
zuliegen« wenn der Anwalt die Berufungsbegründungs
schrift nicht unterzeichnet, sondern zur Vornahme von
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Verbesserungen in die Kanzlei zurüclcgegeben hat und die Frist dadurch versäumt ist, daß die Kanzlei die Begrün
dungsschrift ohne Unterschrift des Anwalts bei dem Ge rieht eingereicht hat«
* •
Aktenzeichen? IV ZB 142/57
Beschluß des BGH vom 20*September 1957
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Krefeld
*
[Düsseldorf
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*
In dem Rechtsstreit
des Hilfsschlossers Alwin Eduard Josef
Klägers.: Berufungsklägers und
- ProzeßbeVollmachtigteri Rechtsanwalt
die Ehefrau Maria Mathilde Rebecka
geh
in
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Beklagte, Berufungsbeklagte und Beschwerdegegnerin,
hat der ly,Zivilsenat des Bundesgerichtshofs in der
♦
♦
Sitzung vom 20«September 1957 unter Mitwirkung des
♦
Senatspräsidenten Schmidt, der Bundesrichter Ascher,
+
Johannsen- Wüstenberg und Wilden
beschlossen ®
+ +
Der Beschluß des 103Zivilsenats des Ober
+
+
landesgerichts in Düsseldorf vom 12«Juli 1957
wird aufgehoben«
Dem
*
er wird die Wiedereinsetzung in
den vorigen Stand
die Versäumung der Be
rufungsbegründungsfrist erteilt*
♦
* ♦
Der Rechtsstreit wird zur weiteren Verhand
♦
♦
*
lung und Entscheidung, auch über die Kosten des
♦ ♦
♦
Beschwerdeverfahrens, an das Berufungsgericht
zurückverwiesenc
*
♦
*
♦
Gründe
Der
Kläger hat rechtseitig am 13-»April 1957 gegen
das Urteil des Landgerichts, durch das seine auf Schei
dung gerichtete Klage abgewiesen worden war. Berufung
+ ♦
+
eingelegt. Rechtsanwalt Hüske; der den Prozeßbevollmäch
*
* ■ -Klägers in der Zeit vom 13*April bis 13,Mai
tigten des
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1957
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vertrat, hat rechtseitig am 9«Mai 1957 die Beru
xungsbegründung einer Büroangesteilten diktiert> Er hat
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Berufungsbegründung™ als sie ihm zur Unterschrift
gelegt wurd
nicht
gleich unterzeichnet
sondern
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1957
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stellte daran
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die Berufungsbegründung bereit
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iderte, daß sie
habe
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noch nicht vorn Anwalt ünterzeieb
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Rechtsanwalt Hüske erinnerte
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Gericht eingereicht
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Berufungsbegründung noch nicht unterschrieben hatt
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Das Berufungsgericht hat die
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Abs.2 ZPO
cht durch Beschluß..son
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Der Kläger
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insoweit nicht beschwert
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519 b Abs .-2 ZPO
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diese Entscheidung Beschluß und üj
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(RGZ 109,
einander gleichstellt
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Der Kläger kann gegen den
diese Weise er
gangenen Beschluß sowohl die sofortige Beschwerde als auch das Rechtsmittel der Revision einlegen. Der Kläger hat so fortige Beschwerde und Revision eingelegt. Ir hat diesen
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er sich nicht darüber klar war, welches
Rechtsmittel der erkennende Senat als. zulässig ansehen
würde* Er hat daher vorsorglich beide Rechtsmitte]
legt
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.einge
• •
so zu verstehen,daß jedes Rechtsmittel unter
der Bedingung eingelegt ist,
daß
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er Bundesgerichtshof nicht
über das andere Rechtsmittel entscheidet* Baß der Kläger
sein Rechtsmitte
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diese Weise bedingt eingelegt hat.
ist bei der besonderen Lage.des Palles zulässig, Ber Be
Schluß selbst ist unbedingt angefochten., und der Antrag ist
unbedingt, Bie Bedingung bezieht sich allein auf die Art
des Rechtsmittels
überläßt es dem C4ericht9 von beiden
an sich zulässigen Rechtsmitteln dasjenige auszuwählen
9
das
das Gericht für das gebotenere und zweckmäßigere hält.
4
Der Senat hat es für zweckmäßig gehalten,über die so
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fortige Beschwerde zu
entscheiden, Biese ist begründet
Bas Berufungsgericht hat
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ager
die Wiedereihset
zung in den vorigen Stand versagt
weil nach seiner An
sicht der Prozeßbevollmächt
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mung der Berufungsbegründungsiris
Bas Verschulden des Prozeßoevolimachtigxen
des Klägers die Versau
verschuldet, habe*
das
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Berufungsgericht darin.;
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nachdem er den ihm zur
Unterschrift vorgelegten- Berufungsbegründungsschriftsats nicht unterzeichnet hatte, die Sache nicht im Auge behielt
und daß er sich am
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Mai 195
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als seine Angestellte ihm
auf seinen Hinweis mitteilte, sie hätte den Schriftsatz
bereits bei Gericht eingereicht, nicht daran erinnerte
9
daß er diesen Schriftsatz noch nicht unterzeichnet habe *
Schließlich hat das Berufungsgericht dem Kläger vorge
wor.fen,daß er trotz eines entsprechenden Hinweises des
Gerich
cht vorgetragen habe, welche geeigneten Maß
nahmen sein Prozeßbevollmächtigter getroffen habe, um zu
• • •
verhindern,däß. bestimmende Schriftsätze beim Gericht ohne
• • •
Unterschrift eingereicht würden
0 •
• •
Bie Gründe des angefochtenen Beschlusses treffen
• •
nicht zu
• •
Schon der Vorwurf,, daß de
\
äger den Sachverhalt
nicht genügend aufgeklärt habe.
ist
unbegründet
Der
hat vorgetragen und
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gemacht, daß sein
Prozeßbevollmäebtigter in seiner Kahzlei eine gut ausge
bildete, genügend unterwiesene
und
beaufsichtigte An
gestellte beauftragt habe, die Nahrung der Fristen zu überwachen. Hiermit hat der Kläger genügend vorget ragen.
und giaubha
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♦ • gemacht. Bine in dieser Weise ausgebilde
te und unterwiesene Angestellte muß wissen und.weiß
9
• •
daß Fristen nur dadurch gewahrt werden, daß fristge
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• •
• •
recht entsprechende, vom Anwalt Unterzeichnete Schrift
• * •
sätze beim Gericht eingereicht werden. Wenn es. ihre Auf
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sabe ist
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die
Fristen zu überwachen, muß sie selbstvei
stündlich nicht nur darauf achten, daß ein entsprechen
• •
• •
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der Schriftsatz in der betreff-enden Sache rechtzeitig
• •
bei Gericht eingereicht wird,sondern auch, daß dieser
• •
Schriftsatz von einem bei dem Gericht zugelassenen An
wait' unterzeichnet ist
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Sie darf die Frist erst löschen,
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wenn ein solcher Schriftsatz mit der Unterschrift des An.
waits hei Gericht eingereicht worden ist -
Das Berufungsgericht nimmt ferner zu Unrecht an*
daß
der Prozeßbevollmächtigte des Klägers Schuld daran träger daß die Berufungsbegründung versäumt ist. Die Überwachung
zu den Aufgaben, die der Anwalt nicht
♦ »
der Fristen gehört
selbst vorzunehmen braucht» sondern die er einer genügend
unterwiesenen, über das Wesen der Fristenkontrolle be sonders belehrten und hinreichend, vor allem auch in Hinsicht auf die Fristenkontrolle, beaufsichtigten Ange
stellten überlassen
darf. Wird die Frist
versäumt »weil
diese Angestellte die ihr übertragenen Aufgaben unzurei chend erfüllt hat, dann trifft den Anwalt, sofern er die
Angestellte genügend überwacht hat, in der Hegel selbst
kein Verschulden
So
lag es in dem zu entscheidenden
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Die Angestellte hatte, bevor sie die Berufungs
begründungsschrift bei Gericht einreichte und den Frist
vermerk im Kalender löschte, zu prüfen, ob die Beru
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begründungsschrift vom Anwalt unterzeichnet war,
Die Frist ist versäumt worden, weil die Angestellte die
se. Prüfung nicht vorgenommen hat
Hätte sie ihre Pflicht
erfüllt., dann wäre die Berufungsbegründungsschrift mit der Unter achrift des Prozeßbevollmächtigten des Klägers
rechtzeitig zu dem Gericht gelangte
Das Berufungsgericht überspannt die an einen Rechtsan
wait zu stellenden Anforderungen mit dem Verlangen,dieser
habe, wenn er eine ihm zur Unterschrift vorgelegte Beru fungsbegründung ohne Unterschrift wieder in seine Kanzlei
gibt
die Angelegenheit selbst im Auge zu behalten
Der
Rechtsanwalt muß sich.,um seiner eigentlichen Aufgabe als Organ der Rechtspflege gerecht zu werden, von .den rein büromäßigen Angelegenheiten freihalten. Er kann sich
*
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darauf verlassen; daß die Angestellte? die die Wahrung
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Fristen zu überwachen hat, auch dafür Sorge trägt,
daß der zur Fristwahrung bestimmte Schriftsatz nicht
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ohne seine Unterschrift ans Gericht gelangt.- Er braucht
daher die Angelegenheit in der Regel nicht selbst beson
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O. V»
s im Auge zu behalten, wenn er mehrere Tage vor Ab
lauf der Frist eine Berufungsbegründungsscbrif't aus be sonderen Gründen ohne Unterschrift in die Kanzlei zu-
rückgibt, wobei es hier selbstverständlich war..
daß
sie ihn nach Vornahme der Verbesserung zur Unterzeich
nung wieder vorzulegen war. Der Rechtsanwalt muß und
kann sich in solchen Fällen darauf verlassen, daß ihm
die Berufungsschrift vor Ablauf der Frist noch einmal
• •
zu
Unterschrift vorgelegt wird. Da er die Angelegenheit
nicht im Auge zu behalten brauchte, kann dem Frozeßbe
• •
Vollmachtigten des Klägers auch nicht v.orgeworfen wer
• •
* •
den, daß er sich, als er mit der Angestellten über die
Fristwahrung sprach, nicht
daraii er
innerte, die. Beru
* •
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fungsbegründungsschrift noch nicht unterschrieben zu
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haben, Diese Erinnerungslücke war hier auch begreiflich
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da das Gespräch mit der Angestellten erst stattfand
nachdem zwei Tage vergangen und der Anwalt inzwischen
verreist war*
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sonach allein die Angestellte des x'rozeßbevoil
igten des Klägers Schuld
daran trägt,’ daß die Bern
f ung s b e grUnd ungs fri s t
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mt worden
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mußte der an
gefoclitene Beschluß aufgehoben und dem Kläger die Wie dereinsetzung in den vorigen Stand erteilt werden.
Schmidt
Ascher
Johannsen
Vüstenberg
Wilden