BGH · IV ZB 138/60
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Für die Entscheidung der Frage, oh ein heim Landgericht zugelassener Rechtsanwalt den Kläger im Öerufungsrechts-zug vertreten kann, kommt es darauf an, wozu ihn die vom Kläger im ersten Rechtszug erteilte Vollmacht ermächtigte und in welcher Weise er auf Grund dieser Vollmacht nach außen aufgetreten ist. Vertreten im Sinne des § 224 3EG- hat ein Hechtsanwalt eine Partei im ersten Rechtszug dann, wenn er in diesem Rechtszug in der Weise als Vertreter der Partei bestellt worden ist, daß er den Rechtsstreit verantwortlich für die Partei führen sollte, und auch so nach außen in Erscheinung getreten ist. Es kommt ferner auch nicht darauf an, wie die Vertretung in der dem Vertreter erteilten Vollmacht bezeichnet worden ist, sondern allein darauf, welchen Inhalt seine Vollmacht gehabt und in welcher V/eise er die Vertretung ausgeübt hat. Auch wenn die Vollmacht als ’Untervollmacht” bezeichnet ist, kann dieser die Partei im Sinne des § 224 BEG vertreten haben, wenn er bevollmächtigt ist, den Hechtsstreit als solchen verantwortlich zu führen, und er dies auch nach außen getan hat. Die Bezeichnung "Untervollmacht” drückt dann allein aus, daß die Vollmacht von einem anderen als Vertreter bestellten Prozeßbevollmächtigten erteilt worden ist, nicht aber daß dem "Unterbevollmächtigten" nur eine inhaltlich beschränkte Vollmacht erteilt worden ist, Es ist auch nicht erforderlich, daß der Rechtsanwalt, um als Vertreter im Sinne des § 224 BEG zu gelten, den Kläger im ersten Rechtszug von der Klagerhebung an vertreten hato Es genügt, wenn er später zu dem Vertreter bestellt worden und als solcher nach außen aufgetreten ist, sofern er diese Stellung bis zur letzten mündlichen Verhandlung im ersten Rechtszug oder bis zur Verkündung oder Zustellung eines ohne mündliche Verhandlung ergangenen Urteils innegehabt hat. Er wäre nicht als Vertreter des Klägers im Sinne des § 224 BEG anzusehen, wenn er nur die von Rechtsanwalt Br.&flHm in Unterzeichnete Klage oder andere von diesem Unterzeichnete Schriftsätze dem Gericht zugeleitet und wenn er nur als Unterbesollmächtigter für Rechtsanwalt Dr.Michaelis die Verhandlungstermine wahrgenommen hätte. September 1959 ist er in dieser Verhandlung auch als Vertreter des Klägers und nicht nur des Rechtsanwalts Br.MlBHHP aufgetreten. berechtigt war und daß dieser vom Kläger ermächtigt war, ihn zu dem Vertreter des Klägers für den Rechtsstreit zu bestellen.