BGH · IV ZB 125/65
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Die in § 546 ZPO enthaltene Bestimmung, daß die Revision in nichtvermögensrechtlichen Streitigkeiten nur stattfindet, wenn das Oberlandesgericht sie in dem Urteil zugelassen hat, verstößt nicht gegen das Grundgesetz« Die Parteien werden durch diese Bestimmung nicht ihrem gesetzlichen Richter entzogen« Eine Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision ist nicht statthaft, da sie im Gesetz nicht vorgesehen ist« In dem angefochtenen Urteil ist Uber den Anspruch auf Herausgabe eines Kindes entschieden worden» Die Beklagten, die zur Herausgabe des Kindes verurteilt worden sind, haben gegen das Urteil, in dem die Revision nicht zugelassen worden ist, Revision eingelegt und außerdem vorsorglich Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision in dem Urteil» Die Beklagten vertreten die Ansicht, darin, daß § 546 ZPO es dem Berufungsgericht allein überlasse, über die Zulässigkeit der Revision zu entscheiden, liege ein Verstoß gegen § 41 Ziff.1 und 6 ZPO. Es trifft auch nicht zu, daß, wie die Beklagten meinen, der Richter, der .über die Zulassung der Revision entscheidet, damit in eigener Sache entscheidet, indem er über sich selbst noch einmal zu Gericht sitzt und seine Entscheidung für rechtskräftig und damit seine Meinung für richtig und bindend erklärt* Bei der Entscheidung über die Nichtzulassung der Revision überprüft der Richter nicht seine eigene Rechtsansicht, sondern die Präge, ob der Rechtsstreit eine über den einzelnen Pall hinausgehende grundsätzliche Bedeutung hat und weiter die Frage, ob seine Entscheidung von einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs abweicht„ Die im Gesetz getroffene Regelung widerspricht auch nicht dem Grundgesetz* Der Generalbundesanwalt hat in der Sache IV ZR 31/65, in der dieselbe Rechtsfrage zu entscheiden ist, in einer Stellungnahme vom Es kann auch keine Rede davon sein, daß die von § 546 ZPO geforderte Entscheidung des Berufungsgerichts der Mitwirkung dieses Gerichts bei einer Entscheidung in eigener Sache gleichkomme, deshalb nach § 41 ZPO - gemeint ist wohl § 41 Rr« 6 - unzulässig sei und gegen Art« 101 Abs« 1 Satz 2 GG verstoße« Gesetzlicher Richter für die Entscheidung über die Zulassung der Revision nach § 546 ZPO ist das Berufungsgerichto Hat es, wie im vorliegenden Fall, die Revision nicht zugelassen, so ist es auch gesetzlicher Richter für die endgültige Entscheidung über die Klagep Denn wenn das Gesetz die Zulässigkeit eines Rechtsmittels von der verbindlichen Entscheidung des Berufungsgerichts über die Zulassung abhängig macht, so ist das Revisionsgericht nur dann gesetzlicher Richter, wenn ein solcher Zulassungsausspruch des Berufungsgerichts vorliegt» Der gesetzliche Richter braucht nicht notwendig unmittelbar durch das Gesetz bestimmt zu werden; vielmehr.kann der Gesetzgeber seine Bestimmung auch in die Hand eines anderen, dafür kraft gesetzlicher Regelung zuständigen Richters legen (vgl* zu alledem BSG in AP Art* 101 GG Nr» 1)» LM § 546 ZPO Hro 38 und LM § 511 ZPO Nr» 8)o Ein Pall des § 41 Nr, 6 ZPO ist nicht gegebene Die Entscheidung des Berufungsgerichts über die Nichtzulassung der Revision verletzt auch nicht den Anspruch der Klägerin auf rechtliches Gehöre Das Grundrecht auf rechtliches Gehör fordert, daß gegen einen Prozeßbeteiligten keine Tatsachen und Beweismittel verwertet werden, zu denen er sich nicht hat äußern können (vgl„ BVerfG NJW 1957, 17; Eg geht jedoch, zu demal im Anwaltsprozeß, nicht dahin, daß das Gericht ihn auch noch auf die klare Gesetzeslage hinweisen und auf eine Stellungnahme hierzu hinwirken muß* Vielmehr ist es den Prozeßbeteiligten überlassen, in der mündlichen Verhandlung vor dem Berufungsgericht - möglicherweise nur vorsorglich, aber unaufgefordert -Ausführungen zur Frage der Zulassung der Revision su.machen«M II* Die Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision in dem Urteil des Oberlandesgerichts muß zurückgewiesen werden; denn sie ist in der Zivilprozeßordnung nicht vorgesehen* Den Parteien stehen nur die Rechtsmittel zu, die dieses Gesetz ihnen gibt* Wenn daher das Berufungsgericht die Revision nicht zugelassen hat, ist diese Entscheidung für das Revisionsgericht bindend, das Revisionsgericht kann nicht seinerseits die Revision zulassen, selbst wenn die Entscheidung des Berufungsgerichts fehlerhaft ist (BGrHZ 2, 16, IM ZPO § 546 Nr* 16 und 38)*