BGH · IV ZB 114/58
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
hat der IV« Zivilsenat auf die sofortige Beschwerde des beklagten Landes gegen die Nichtzulassung der Revision in dem ' Urteil des EntschädigungsSenats des Oberlandesgerichts Karlsruhe vom So Januar 1958 Auf die von der sofortigen Beschwerde aufgeworfene Frage, ob derjenige den Schutz des Deutschen Reiches verloren habe, dessen Einweisung in ein Heim gerade durch deutsche Dienststellen veranlaßt worden sei, wie es hier nach den getroffenen Feststellungen geschehen sei, komm't ‘ es nicht an, denn das Berufungsgericht hat außerdem festgestellt, daß.die gegen den Erblasser der Klägerin von der französischen Regierung angeordneten< Maßnahmen durch die nationalspzialistische deutsche'Regierung veranlaßt *’ worden seien (§ 43 Abs» 1 Satz 2 Nr» 2.BEO)» Das Berufungsgericht hat den Aufenthalt des Erblassers der Klägerin in dem Hospiz in der Zeit bis zu dem Einmarsch der alliierten Truppen deshalb als ein Beben unter haftähnlichen Bedingungen angesehen, weil die jüdischen Insassen im Gegensatz zu den dort lebenden Franzosen der Kommandantur des Konzentrationslagers Noe und der Aufsicht der Polizei unterstanden, das Hospiz nicht verlassen durften und in der stän-digen Gefahr schwebten, wieder in das Konzentrationslager oder ein Vernichtungslager gebracht zu werden, während die französischen Insassen mit der Lagerkommandantur und der Polizei nichts zu tun hatten, in ihrer Freizügigkeit nicht beschränkt waren und keine Deportierung zu befürchten brauch-ten* Die in dem Berufungsurteil mitgeteilte Auskunft des Generalkonsulats der Bundesrepublik in Marseille, deren tatsächliche Angaben sich das Berufungsgericht zu eigen gemacht hat, ergibt insbesondere, daß in den Hospizen der hier in Frage stehenden Art ein Ausgehverbot bestände Ohne daß in diesem Zusammenhang der ständigen Furcht vor der Deportierung, in der die jüdischen Insassen des Heimes lebten, besonderes Gewicht beigemessen zu werden braucht, konnte das Berufungsgericht allein schon wegen der kontrollierten starken Beschränkung der äußeren Bewegungsfreiheit, die erheblich über die mit der Zuweisung einer Ortschaft als Zwangsaufenthalt verbundene hinausging, ein Leben unter haftähnlichen Bedingungen annehmen. An dieser Beurteilung brauchte es nichts zu ändern, daß durch die Überführung des Verfolgten in das Heim die in dem Konzentrationslager durchgeführte Freiheitsentziehung abgeschwächt wurde, daß von Seiten des Hospizes selbst in der Behandlung seiner Insassen kein Unterschied gemacht würde und sich in den äußeren Verhältnissen des, , Erblassers der'Klägerin nach der Befreiung durch die Alliierten nichts änderte. ■ Da auch im übrigen die nach § 219 Abs« 2 BEG erfbi-derlichen Voraussetzungen für die Zulassung der Revision nicht vorliegen, muß die sofortige Beschwerde des beklagten Landes zurüclcgewiesen werden«,