BGH · IV ZB 105/53 vom 30.11.1953
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Oktober 1952 ist auf die Klage des Ehemanns die Ehe der Parteien gemäss § 48 EheG geschieden worden« Das Urteil ist durch öffentliche Bekanntmachung der Beklagten am 11, November 1952 zugestellt worden. Juni 1953 Berufung eingelegt und gleichzeitig beantragt, ihr die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gegen die Versäumung der Berufungsfrist zu gewähren, weil sie erst am 15« Juni 1953 Kenntnis von dem ergangenen Urteil erhalten habe und dann am 21. Es kann dahinstehen, ob die Beklagte ohne ihr Verschulden keine Kenntnis von der Öffentlichen Zustellung des Landgerichtsurteils erlangt hat, da es sich bei diesem Urteil nicht um ein Versäumnisurteil und bei dem von der Beklagten eingelegten Rechtsmittel nicht um einen Einspruch handelt, und daher die Bestimmung des § 233 Abs 2 ZPO nicht zur Anwendung kommen kann. die Berufungsfrist einzuhalten-Bies muß aus den bereits vom Berufungsgericht angeführten Gründen verneint werden- Ber Beklagten ist nach Anberaumung eines Termins zur mündlichen Verhandlung des Rechtsstreits auf den 3» Januar 1952 eine Abschrift der Klageschrift nebst Ladung zu diesem Termin durch Einschreibebrief übermittelt worden. Wenn die Beklagte, nachdem durch ihr Verhalten die Klageschrift und die Ladung nicht ausgehändigt worden waren, nichts unternahm, insbesondere sich nicht mit dem Landgericht in Verbindung setzte, auch keine Schritte wegen der Bewilligung des Armenrechts und Beiordnung eines Rechtsanwalts unternahm, so verletzte sie die ihr zuzu demutende Sorgfaltspflicht. Bie Beklagte musste sich bewusst sein, daß von ihrem Hann ein Scheidungsverfahren anhängig gemacht worden war und dass daher auch ein Scheidungsurteil gegen sie ergehen konnte« Sie ist, wie vor allem ihr Schreiben vom 10. Mai 1953 zeigt, mit dem sie sich zu dem ersten Mal an das Landgericht gewandt hat, und in dem sie von erhaltenen Scheidungspapieren im September 1951 und dem Scheidungsverlangen ihres Ehemannes spricht, genügend geschäftsgewandt, um die Bedeutung des ihr im September 1951 vorgelegten Briefes des Gerichts zu erfassen.