BGH · IV ZA 36/51
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
her Antragstellerin .wird das Armenrecht verweigerte Gr 1i n d et Zwischen den Parteien war ein Rechtsstreit beim Landgericht Berlin und dem Kammergericht anhängige In der 'Be-rufung sins tanz ist die Antragstellerin, die in d.em Verfahren Klägerin- v/ar, 1;teilweise unterlegene Gegen das am 60 Juli 1944 verkündete Urteil,-des 23o Zivilsenats-, des Kammergerichts vom 6.« Juli 194425 U 2682/41 • fiat die Antragsteilerin Ende .Oktober 1944 bei dem Reichsgericht Revision eingelegt« Die Revisicnsbegründur.gsfrist wiederholt verlängert worden« Nach einer Mitteilung ihres Prozeßbevollmächtigten vom ioD Januar '1945 hat-; der VI0 Zivilsenat des Reichsgerichts durch Beschluss vom 9oJanuar 1945 die Aussetzung des Revisionsverfahrens angeordnet0 Zu einer Fortsetzung des Verfahrens : ist es in -der Folge nicht mehr gekommene. Die Antragstellerin möchte dem Verfahren vor dem Bundesgerichtshof Fortgang geben und hat zu diesem Zwecke um Bewilligung des Arraenrechts und Beiordnung eines Rechtsanwalts gebetene Dem Antrag kann nicht stattgegeben ‘werden, da die Fortsetzung eines bei dem Reichsgericht anhängig gev/ese-• nen Revisionsverfahrens bei dem Bundesgerichtshof nicht möglich ist« Der Bundesgerichtshof ist durch das Bundes-gesetz zur Wiederherstellung der Rechtseinheit auf dem Gebiet der Gerichtsverfassung, der bürgerlichen Rechtspflege, des Strafverfahrens und des Kostenrechts vom 12* September 195° (Bundesgesetzbl 1 S 455) errichtet worden, das am 1o Oktober "195o- in Kraft getreten -ist! Nach.§ 133 GVG ist er in bürgerlichen'.Rechts Streitigkeiten/, zuständig zur ■ Entscheidung über Revisionen gegen Endurteile der Oberlandesgerichte und in den Fällen des § 566 a ZPO auch der Landgerichte sowie von Beschwerden gegen Entscheidungen der Oberlandesgerichte in den Fällen des § 519 a Abs 2 ZF0o Die Fortsetzung der beim Reichsgericht anhängig gewesenen und nicht zu Ende geführten Verfahren, ist in den Über- • gangsvorschriften des Art 8 III des Yereinheitlichungs-gesetzes vom 12„ September 1950 nicht geregelt!-Art 8 III Ziffer 88 des Gesetzes bestimmt zwar, dass der Bundesgerichtshof an die Stelle des Reichsgerichts und des Obersten Gerichtshofs für die Britische Zone tritt, soweit diesen Gerichten in gesetzlichen 'Vorschriften Aufgaben zugewiesen sindc Aus:dieser Vorschrift Kann ater für die hier zu entscheidende frage nichts entnommen werden» Sie paßt lediglich den Inhalt gesetzlicher Vorschriften an die durch den Wegfall „des Seichs gerichts und des Obersten Gerichtshofs für die Britische Zone und die Errichtung 'des. schaffene Lage auf dem Gebiets der Gerichtsverfassung anpSie befasst sich nicht mit der Überleitung von Verfahren auf den neu geschaffenen Bundesgerichtshof<, Las Vereinheitlichungsgesetz enthält besondere Vorschriften über die Fortsetzung anhängiger Verfahren nur für solches die beim Inkrafttreten des Gesetzes entweder beim Obersten Gerichtshof für die Britische Zone? oder beim Bayerischen Obersten Ländesgericht anhängig waren» Lie Überleitung -von Verfahren auf den Bundesgerichtshof wird dabei nur insoweit vorgesehen, als sie bei dem mit Wir-.:, kung vom 1» Oktober 1950 aufgehobenen Obersten Gerichtshof für die Britische Zone anhängig waren» Sie gehen mit dem Inkrafttreten des Gesetzes in der. Bundesgerichtshof über (Art'8 III Ziff 110)» Lagegen.bleiben die; bei dem.Bayerischen Obersten Landesgericht, anhängigen Verfahren bei .diesem Gericht anhängig und sind nach-den bisherigen Vorschriften fortzusetz.en .Andere Überieiturigsyorschrif-ten für bürgerliche kechtsstreitigkeiten bestehen nicht;« Auch für Berlin gilt nichts Abweichendes» Hier ist die Zuständigkeit des Bundesgerichtshofs durch das Berliner Gesetz zur Wiederherstellung der Bechtseinh.eit uswgycm 9« Januar 1951 begründet» hach Art .7 IV hr 42 des. vorbezeichfteten Gebiet ;ZustMMi gk e i t eh übertragen "sindo .Es ist jedoch, die iVäge zu prüfen', ob durch diese Vorschriften die Zuständigkeit des'-Bundesgerichtshofs abschliessend geregelt ist,'oder ob nicht auf Grund allgemeiner prozeßrechtlicher Grundsätze ein Verfahren, das vor dem-Reichsgericht infolge des Zusammenbruchs im Jahre 1945 und des Wegfalls dieses Gerichts'nicht'mehr erledigt‘werden konnte, vor dem Bundesgerichtshof aufgenommen werden kann» Biese Frage ist jedoch zu verneinen« Fies ergibt sich aus der Entwicklung, die die Gesetzgebung auf 'dem Gebiet der Gerichtsverfassung und des Zivil-Prozesses in Deutschland in der Zeit nach der Kapituia. Kontrollgebiet des Obersten Befehlshabers, wurde die vorübergehende Schliessung von ordentlichen- und Verw.al--tungsgerichtln angeordnet und ausdrücklich bestimmt, dass das Reichsgericht und da's Reichsverwaltungsgericht im besetzten Gebiet bis auf weiteres keine Amtsgewalt noch sonst eine Befugnis haben» Während '/Art III der Kontrollratspro--klamaticn Er 3 vom 20o0ktober 1945 den Volksgerichtshof, die Gerichte der NSDAP und die Sondergerichte aufhob und ihre Wiederherstellung verbot, bestimmte Art V, dass ordentliche ' deutsche' Gerichte nach Maßgabe ihrer Rangordnung die Rechtspflege ausüben« Die Grundsätze für die endgültige Ordnung der deutschen Gerichtsverfassung wurden in dem Aufgaben des Reichsgerichts sind nicht auf ein anderes Gericht übertragen worden. die Britische Zone Gegenstand der Erörterung und sehr umstrittene Gegen die Annahme, dass das Reichsgericht als Gerichtsanstalt weggefallen sei, hat sich vor allem Schmidt-Ernstnausen in DRZ 1948, 223 und NJW 1949, 42 gewandt, während den gegenteiligen Stand punkt Luders in DRZ. Urteile der Oberlandesgeriehte ein Rechtsmittel nicht ' mehr', statthaft war, ein Zustand, - der für die' oritische Zone allerdings durch die Errichtung des Obersten Ge-i’iöhtshofes-lür die Britische Zone geändert wurdeD Damit war dem Reichsgericht auch-die rechtliche- Grundlage e'nt-zogen0 Daher haben auch die nach dem Zusammenbruch in den westlichen. Besatzungszonen ergangenen Gesetze und Verordnungen, die sich mit der Regelung des Rechtsmittelzuges befassen, Bestimmungen über die bei dem Reichsgericht anhängig gewordenen und nicht durch Endurteil-beendigten Re--visionsverfahren getroffene Die' Rechtsmittelgesetze, die in den ländern der amerikanischen Besatzungszone (mit Ausnahme Von Bremen) im September 1946 übereinstimmend erlassen wurden, bestimmen, dass die Urteile der Oberlandesgerichte mit der Verkündung rechtskräftig geworden sind, wenn binnen 3 Monate nach Terkünduhg des Gesetzes keine Entscheidung des Reichsgerichts feststellbar ist» Die Zuständigkeit zu Entscheidungen von'.Revisionen gegen Landgeriontsurt eile' wurde der. Verordnung der Oberlandesge'h'ichtspräsid'ehten-'erfolgt: (vgl Luders aaO S 274 Ämn 3)o Hiernach war eine Revision oder eine-Beschwerde nach ,§' 519 b Abs 2, die beim Reichsgericht beim Inkrafttreten der Verordnungen eingelegt war, auf Antrag einer der Parteien durch Beschluss für erledigt zu erklären und über die Kosten des Rechtsmittels zu entscheiden* Diese Erledigungserkläruhg hat nur feststellende Bedeu- Abweichend ist die Behandlung der'beim Reichsgericht anhängig gewordenen Revisionen in der französischen Besatzungszone geregelt wordene 'Hier sind die am 3oo Oktober 1945 hoch nicht erledigt gewesenen Revisionen in Zivilund Strafsachen auf die Oberlendesgericht-te übergegahgeho Das Verfahren war nach den Vorschriften über die Revision durch einen’ dafür gebildeten grossen Senat durchzuführen (vgl toE» § 29 der im Lande Rheinland-Pfalz erlassenen LandesverOrdnung über Gerichtsverfassung und Verfahren vom 110 April 1947 in der Fassung der, Verordnung vom 1 0 Dezember 1949 ,/GVOBl f RhlPf 1 949? Hieraus lässt sich ersehen« dass für das gesamte Gebiet der Bundesrepublik ^Deutschland gesetzliche1 'Vorschriften, über die Behandlung der vor dem Zusammenbruch bei dem Reichsgericht angebrachten Revisionen ergangen WarenoSie sind? Anordnungen oder Verfügungen über die Behandlung von Rechtsstreitigkeiteh, in denen gegen ein Urteil.des Kämmergerichts vor dem 8« Mai 1945 Revision beim Reichsgericht eingelegt worden war, -über die vom Reichsge-- ■ rieht jedoch nicht mehr entschieden wurde, nicht ergangene .Entscheidungen des Kammergerichts, die sich'mit dieser Frage befasst haben, sind nach dieser Auskunft ebenfalls nicht erlassen wordene Bas zeigt, dass man in Berlin der.Ansicht war, dass sich diese Revisionen durch die Aufhebung des Reichsgerichts erledigt haben und die angefochtenen Urteile des Kammergerichts rechtskräftig