BGH · II ZR 9/59 vom 22.10.1959
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1* § 6 Abs. 1 Satz 1 des Gesetzes vom 5*8d955 ist nicht auf die Fälle anwendbar, in denen bei der Neuregelung des Versicherungswesens in der sowjetischen Besatzungszone privatrechtliche Versicherungsansprüche gegen Ver-sicherungsuntemehmen durch Sozialversicherungsverhäl tnisse ersetzt wurden* 3« Bin auf Grund eines Zwanges begründetes Versicherungsverhältnis wird jedenfalls dann nicht ohne weiteres mit dem Wegfall des Versicherungszwanges beendet, wenn bei dem Versicherer, bei dem die Versicherung besteht, nach den maßgebenden Bestimmungen auch eine freiwillige Aufrechterhaltung der Versicherung möglich ist« iTatbestands Der Ehemann der Klägerin war als Bezirksschonxsteinfegermeister in Dresden seit dem 1« Oktober 1925 Mitglied der beklagten Versorgungsanstalt, die früher die Bezeichnung Wersorgungsverein deutscher Schornsteinfegermeister” führte* Sr zahlte an die Beklagte bis 5* April 1945 Beiträgeo Am lo März 1949 starb er in Dresden« Die Klägerin flüchtete am 9" Juli 1951 in die Bundesrepublik* Sie besitzt den Flticht-lingsausweis C.Mit der Ende 1956 erhobenen Klage begehrt sie die Feststellung der Verpflichtung der Beklagten zur Zahlung einer Witwenrente nach dem Gesetz zur Regelung von Ansprüchen aus Lehens- und Rentenversicherungen vom 5* August 1955 (BGBl I, 474), hilfsweise zur Zahlung einer Rente nach dem Fremdrentengesetz vom 7* August 1955 (BGBl I, 848), Sie stützt den Anspruch auf Witwenrente auf § 2 des Gesetzes vom 5» August 1955 und meint, daß das Versicherungsverhältnis ungeachtet der Einstellung der Prämienzahlung am 20« Juni 1948 noch gelaufen sei» § 3 WO sei auf den vorliegenden Fall des § 2 Satz 1 Buchst, a des Gesetzes vom 5«3,1955 nicht anwendbar* Außerdem seien am 20*6«1948 fällige Prämien für 12 Monate noch nicht rückständig gewesen, weil die Beklagte ihren Geschäftsbetrieb erst im August 1947 wieder aufgenommen habe und deshalb die Prämien bis dahin als gestundet anzusehen seien« Es liege auch kein sonstiger Grund für das Erlöschen des Versicherungsverhältnisses bis 20«6«1948 vor« als auch wegen des Wegfalls der Geschäftsgrundlage und gemäß § 323 BGB erloschen sei* nachdem der die Versicherungspflicht bei der Beklagten begründende § 28 der Verordnung des Schornsteinfegerwesens yom 28o Juli 1937 (RGBl I* 831) (VOSch) in der SBZ schon 1946 außer Kraft getreten sei* Eine Umwandlung der Versicherung in eine prämienfreie habe nicht erfolgen können, weil eine solche bei ihr nach der Satzung und ihrem Geschäftsplan nicht möglich sei* I* Bas Berufungsgericht hat der Beurteilung des Rechtsstreits zutreffend die im Zusammenhang mit der Währungsreform für privatrechtliche Versicherungsverhältnisse getroffene gesetzliche Regelung über die Aufrechterhaltung von Ansprüchen aus privaten Ostversicherungen, insbesondere das Gesetz vom 5* August 1955 sowie § 3 WO zugrunde gelegt; denn da die Beklagte nicht zu den im Gesetz vom 5o Juli 1934 (RGBl I, 577) abschließend aufgeführten Sozialversicherungsträgern gehört, sondern als Versiehei'er auf privatrechtlichem Boden tätig i3t, sind, unabhängig von der Frage, ob die Beklagte Ersatzfunktionen der So Aal Versicherung erfüllt, auf die bei ihr begründeten Yersicherungsver-hältnisse die für Privatversicherungen geltenden Vorschriften .anwendbar (BGH VersR 1956, 89; 1957* 475)o II* Bas Berufungsgericht hat im Ergebnis auch darin recht, daß dem Klageanspruch nicht § 6 des Gesetzes vom 5«8*1955 entgegensteht* § 6 Abs- 2 scheidet von vornherein aus, weil die Beklagte selbst nicht behauptet, daß der Ehemann der Klägerin in der SBZ eine Anscblußversicherung im Sinne von Diese Bestimmung setzt voraus, daß Verbindlichkeiten aus privatrechtlichen Versicherungs-Verhältnissen auf ein Versicherungsunternehmen außerhalb des Geltungsbereichs des Gesetzes übertragen worden sind, ' Eine solche Übertragung hat z* B« im Saarland stattgefunden* Dagegen sind in der SBZ bei der Heuregelung des dortigen Versicherungswesens Verbindlichkeiten aus privatrechtlichen Lebensund Rentenversicherungen in keinem Pall auf die neuen Versicherungseinrichtungen der SBZ übertragen worden* Auch bei den Versicherungeverhältnissen der Beklagten ist dies nicht geschehen* Zwar ist deren Vermögen im Zuge der gegen die Versicherungsunternehmen durchgeführten Enteignungsmaßnahmen durch die SBZ-Verordnung vom 25»1 1951 (Gesetzbl* Sc 39) auf die Sozialversicherungsanstalt der SBZ übertragen worden* Hierbei ist aber nicht auch eine Übertragung der Verbindlichkeiten der Beklagten aus den früheren Versicherungsverhältnissen auf die Sozialversicherungsanstalt erfolgt* Vielmehr sind damals bei dieser Anstalt neue, rechtlich anders geartete Verbindlichkeiten gesetzlich begründet worden* 7/enn sich deren Inhalt auf Grund der getroffenen gesetzlichen Regelung auch teilweise nach den früheren Versicherungsverhältnissen und den von den Versicherern hieraus erbrachten Leistungen bestimmte, so ändert das doch nichts daran, daß hierdurch für die Berechtigten neue, originäre öffentlichrechtliche Sozialversicherungsansprüchc geschaffen wurden* Die privatrechtlichen Versicherungsverbindlichkeiten der Beklagten gegenüber ihren Versorgungsberechtigten wurden also nicht, wie § 6 Abs, 1 Satz 1 des Gesetzes vom 5o8*1955 dies voraussetzt, auf ein anderes Vei*-sicherungsunternehmen übertragen, sondern durch öffentlich-rechtliche Sozialversicherungsverhältnisse ersetzt, die bei einem Wegzug der Berechtigten aus der Zone erlöschen* Auf einen solchen Sachverhalt ist § 6 nach seinem klaren Wortlaut y wie auch nach seinem Sinn und Zweck weder unmittelbar noch entsprechend anwendbar, Das Berufungsgericht hält diese Voraussetzung nicht für gegeben, weil die Versicherung nach dem auch* nach Erlaß des Gesetzes vom 5,8,1955 weiter geltenden § 3 WO wegen fälliger Prämienrückstände für mehr als zwölf Monate mit Wirkung vom 20,6,1948 als gekündigt gelte. fp Darüber hinaus ist in § 2 Satz 3 des Gesetzes vom 5 8.1953 sogar ausdrücklich klargestellt, daß § 3 WO unberührt bleibto Diese Bestimmung kann schon nach ihrer genetzestoehni-schen Formulierung und Stellung innerhalb der Vorschrift des § 2 schlechterdings nicht, wie die Klägerin meintv auf die Fälle des § 2 Satz 1 Buchst, b beschränkt werden«. Diese erschöpfen sich darin, die Übernahme der Verbindlichkeiten aus Lebensund Rentenversicherungen in den Westbestand gegenüber der früheren Regelung zu er-weiternc Die hierdurch Begünstigten sollen durch das Gesetz vom 5o8o1955 aber nicht bessergestellt werden als die ohnehin zu dem Westbestand gehörenden Westversicherten, was der Fall wäre, wenn § 3 WO nicht uneingeschränkt auch auf die nunmehr in den 7/estbestand mitübernommenen Anspruchsberechtigten anwendbar wäre (vgl« auch Prölss WG 11 o Auf 1« Der Revision kann auch nicht darin gefolgt werden, daß die in § 2 des Gesetzes vom 5?8ol955 getroffene Regelung für die in Satz 1 Buchst« a und Satz 2 aufgeführten Anspruchsberechtigten bedeutungslos sei, wenn auch für sie § 3 WO weiter gelte«, Vielmehr kommen auch diese Anspruchsberechtigten ungeachtet der Vfeitergeltung des § 3 WO nicht nur dann in den Genuß des Gesetzes, wenn bei ihnen die Voraussetzungen des § 3 WO nicht vorliegen, sondern auch dann, wenn sich ihre Versicherung auf Grund von § 3 WO in eine prämienfreie umgewandelt hat; denn dann bleiben wenigstens insoweit ihre Ansprüche aufrechterhalten«, Von dieser Auffassung ist der erkennende Senat auch bereits bei seiner Entscheidung vom 16ol*1958 (VersR 1958, 89) als selbstverständlich ausgegangen'. 3«) Unrichtig ist hingegen die Auffassung des Berufungsgerichts, daß beim Vorliegen der Voraussetzungen des § 3 VVO die hiernach fingierte Kündigung das Versicherungsverhältnis schon am 20.6*1948 zu dem Erlöschen bringe, so daß damit dann ohne weiteres auch die Anwendbarkeit des § 2 des Gesetzes vom 5.8.1955 entfalle. gegeben an und meint, da es hierbei nicht auf ein Verschulden des Versicherungsnehmers ankomme,' könne es dahingestellt bleiben, ob und während welcher Dauer der Geschäftsbetrieb der Beklagten nach dem Zusammenbruch geschlossen gewesen sei» Hach allgemein, auch von den Versicherungsaufsichtsbehörden anerkannter Rechtsauffassung waren jedoch die Prämien als gestundet anzusehen, solange das Versicherungsunternehmen nach dem Zusammenbruch seine Geschäftstätigkeit im Währungsgebiet noch nicht wieder aufgenommen hatte, so daß solange die Prämien auch nicht fällig wurden (BGH VersR 1958, 89: Hartmann/Meisch aaO S. Hierdurch wurde aber nicht, wie die Beklagte meint, die Mitgliedschaft dieser Schornsteinfegermeister von selbst zu dem Erlöschen gebracht; denir die Beendigung des Mitgliedschaftszwangs gehört nicht zu den Gründen für die Beendigung der Mitgliedschaft, die in § 23 der damals noch geltenden Satzung der Beklagten vom 14. Es war also nach der Satzung der Beklagten dui’cb-aus möglich, daß die in der SBZ ansässigen Mitglieder auch nach Aufhebung des Zwangs zur Mitgliedschaft der Beklagten weiter freiwillig angehörten und damit auch ihr Versicherungsverhältnis bei ihr freiwillig weiter fortsetzten* Wie die Beklagte selbst einräumt, hat es bei ihr tatsächlich auch schon früher solche Fälle einer freiwilligen Aufrechterhaltung der Mitgliedschaft nach Wegfall des Versicherungszwanges gegeben* 3«*) Schließlich kann sich die Beklagte auch nicht darauf berufen, daß das streitige Versicherungsverhältnis deshalb nicht aufrechterhalten geblieben sei; v/eil die nach § 36 ihrer neuen Satzung von 1953 hierfür erforderlichen Vor« aussetzungen nicht erfüllt seien« Ob und unter welchen Voraussetzungen aus einem Versicherungsverhältnis, das am 20«6«1948 noch gelaufen ist, Ansprüche gegen den Versicherer geltend gemacht werden können, oder ob das VerSicherung®Verhältnis v/egen Einstellung der Prämienzahlung erloschen ist, ist in dem Gesetz vom 5«8e1955 sowie in § 3 WO geregelt« Dieser zwingenden, auch für die Beklagte geltenden Regelung kann sich diese nicht dadurch entziehen, daß sie in ihrer Satzung weitere oder strengere Voraussetzungen für die Aufrechterhaltung des Versicherungsverhältnisses-aufstellt (BGHVersK 1956» 363; 1957, 475)- des Gesetzes zur Regelung von Ansprüchen aus Bebens- und Rentenversicherungen vom 6o Juli 1959 (BGBl I, 421) ist auf das streitige VersicherungsVerhältnis nicht, anwendbar, Diese Bestimmungen gelten nur für Pensionsversicherungsverhältnisse bei betrieblichen und überbetrieblichen Pensionskassen mit Zwangsbeitritt« Diese setzen voraus, daß das Versicherungsverhältnis ein Dienst- oder Arbeitsverhältnis des Versicherungsnehmers zur Grundlage hat (Amtl» Begründung, Bundestagsdrucksache 791; Pleischmann VersR 1959 > 581^, Diese Voraussetzung ist hier nicht gegeben, weil die der Beklagten als Mitglieder angehörenden Bezirksschornsteinfegermeister nicht in einem Dienst- oder Arbeitsverhältnis stehen, sondern selbständige Gewerbetreibende sind« Da die genannten Vorschriften ganz auf die durch das Dienst- oder Arbeitsverhältnis der Versicherungsnehmer geprägten Besonderheiten jener Pensionskassen zugeschnitten sind, sind sie auch einer entsprechenden Anwendung auf das hier in Rede stehende Versicherungsverhältnis hei der Beklagten nicht zugänglich,