BGH · II ZR 8/56
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
hat der II« Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 20* Dezember 1956 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Dr» Canter und der Bundesrichter Dr« Delbrück Dr« Haidinger, Dr* Fischer und Dr« Haager für Recht erkannt* In den Monaten Januar bis April 1953 zahlte der Kläger die monatlich fälligen Prämien nicht» Die Beklagte mahnte ihn nach Eintritt der Fälligkeit unter dem 28ol», 20»2o, 17o3o und 21»4*1953 schriftlich wegen der jeweils fällig gewordenen Beiträge, setzte ihm eine Zahlungsfrist von 2 Wochen und wies dabei auf die Rechtsfolge des § 39 Abs 2 VVG hin» Am 4o Mai 1953 ließ sich die Ehefrau des Klägers, die in den Jahren 1950 bis 1952 wegen verschiedener Frauenleiden wiederholt ärztlich behandelt worden war, wegen Schmerzen in der rechten Bauchseite durch den Frauenarzt Dr» OMp ambulant untersuchen» Der Arzt stellte die Diagnose «Blinddarmentzündung«» Eine Röntgenuntersuchung vom 5o Mai bestätigte diesen Befund» Am selben Tag zahlte der Kläger die Versicherungsbeiträge für die Monate Januar bis Mai Der Kläger hat geltend gemacht, die Beklagte sei zwar hinsichtlich der Kosten für die Behandlung der Blinddarmentzündung nach § 4 Abs 10 AVB von ihrer Beistungs-pflicht frei; bei den Eierstockcysten handle es sich aber um einen selbständigen Versicherungsfall, der mit der Blinddarmentzündung nicht im ursächlichen Zusammenhang stehe und dessen bevorstehender Eintritt weder ihm noch seiner Ehefrau bei der Zahlung der rückständigen Versiehe- rungsbeiträge am 5« Mai 1953 bekannt gewesen sei« Deshalb müsse ihm die Beklagte den auf diese Krankheit entfallenden Teil der Behandlungs- und Krankenhauskosten sowie das anteilige Krankenhaustagegeld gemäß dem Versicherungstarif erstatten* Der Kläger hat beantragt, die Beklagte zur Zahlung von 1*500 DM zu verurteilen« Die Beklagte hat um Klageabweisung gebeten und den Klageanspruch nach Grund und Höhe bestritten« Sie ist der Ansicht, gemäß § 4 Abs 10 AVB erstrecke sich ihre Bei-stungsfreiheit auch auf die durch die Behandlung der Eierstockcysten entstandenen Kosten. sächlichen Zusammenhangs gar nicht an« Im übrigen - so hat die Beklagte behauptet - bestehe zwischen den beiden Krankheitsbefunden ^Blinddarmentzündung1* und "Eierstockcysten" in der Tat. ein Ursachenzusammenhang» Auch habe der Kläger bereits bei der Brämiennachzahlung am 5 c Mai 1953 gewußt, aaß der Eintritt des Veraicherungefalles nicht mehr ungewiß sei. Entscheidungsgründes lc) Die Barteien sind darüber einig, daß der Kläger für die Kosten, die ihm durch die Blinddarmerkrarikiing seiner Ehefrau entstanden sind, keinen Versicherungsschutz * verlangen kann« Insoweit ergibt sich die Leistungsfreiheit der Beklagten bereits aus § 39 Abs 2 WGr, weil dieser Versicherungsfall erst nach Ablauf der Frist des § 39 Abs 1 zu einem Zeitpunkt eingetreten ist, als der Kläger-noch in Brämienverzug war« Entgegen der Ansicht des Berufungsgerichts kann nicht zweifelhaft sein, daß an dem Tag, an dem der Kläger die rückständigen Versicherungsbeiträge beglich, d«h* am 5» Mai 1953? nicht dadurch wieder beseitigt, daß der Kläger auch mit den Beiträgen für Februar bis April 1953 in Verzug blieb und die Beklagte ihn daraufhin erneut in der Form des § 39 Abs l WG mahnte« Da ferner schon am 4« Hai 1953 die Ehefrau des Klägers ärztlich untersucht und bei dieser Gelegenheit eine Blinddarmentzündung festgestellt worden ist, konnte die erst einen Pag später erfolgte Prämiennachzahlung die Verzugsfolge des § 39 Abs 2 WG hinsichtlich dieses Krankheitsfalles nicht mehr ausräumen« Denn nach § 5 Abs 1 a Satz 1 AVB beginnt der Versicherungsfall mit dem ' .Eintritt in die Heilbehandlung« Zur Behandlung einer bestimmten Krankheit gehört aber auch schon die erste ärzt- 2«) Das Berufungsgericht hat nicht beachtet, daß dasselbe auch für die Kosten der Behandlung, der Eierstockcysten gilt, weil, die Behandlung dieser Krankheit ebenfalls bereits am 4« Mai 1953, also während des Prämienzahlungsverzuges begonnen hat. Der Anlaß dieser Untersuchung war die Tatsache, daß die Ehefrau des .Klägers Schmerzen im Unterleib hatte« Die Wahl eines Frau-enarztes weist darauf hin,.daß sie auf Grund ihrer früheren Erkrankungen auch mit der Möglichkeit rechnete, wieder ein Frauenleiden zu haben« Hach den Feststellungen des Berufungsgerichts hat der Arzt auch tatsächlich eine gynäkolo-gische Untersuchung vorgenommen, indem er die Gebärmutteranhänge auf Schmerzempfindlichkeit geprüft hat« Damit hat er auch ein möglicherweise vorhandenes Frauenleiden in den Kreis seiner Untersuchungen einhezogen, und* zwar mit der Absicht, ein solches Leiden, falls es bestand, auch zu heilen« Gegenstand der Untersuchung war mithin nicht nur die Blinddarmentzündung, sondern auch jenes tatsächlich vorliegende und nur nicht sogleich erkannte Frauenleiden, ' das später als "doppelseitige Eierstockcysten" diagnostiziert wurde« Unerheblich ist dabei, daß nach dem vom Berufungsgericht übernommenen Gutachten des Sachverständigen Dr» med« Heyn die Schmerzen, deretwegen die Ehefrau des Klägers den Arzt aufgesucht hatte, nicht auf die Cystenerkrankung, sondern allein auf die Blinddarmentzündung zu-* rückzuftxhren waren, und daß der Arzt, nachdem er nur diese Krankheit festgestellt hatte, seine weitere Tätigkeit zunächst auf sie beschränkte« Denn diese Umstände ändern nichts daran, daß sich schon die erste Untersuchung vom 4o Mai 1953 auf die von den Cysten befallenen Organe mit Da somit die Cystenerkrankung der Ehefrau des Klägers schon am 4» Hai 1953 erstmals ärztlich behandelt worden ist, kennte die erst später erfolgte Prämiennachzahlung die Verzugsfolge des § 39 Abs 2 WG- auch hinsichtlich dieses Krankheitsfalles nicht mehr ausräumen» Infolgedessen kommt es auf die von der Revision bekämpften Ausführungen des Berufungsgerichts über die Auslegung des § 5 Abs 1 a Satz 2 AVB und die Frage, ob zwischen den Eierstockcysten und der Blinddarmentzündung ein ursächlicher Zusammenhang Bestand, nicht mehr an» Auch wenn es sich um zwei selbständige Versicherungsfälle gehandelt hat, ist die Beklagte ungeachtet der Tatsache, daß die erste Diagnose nur auf eine Blinddarmentzündung lautete, bezüglich beider Krankheiten nach § 39 Abs 2 WG von ihrer leistungspflicht frei»