BGH · II ZR 7/59 vom 24.09.1959
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
-Prozeßbevollmächtigters Rechtsanwalt Br. hat der Ile Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 24o September 1959 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Br. Hasteiski und der Bundesrichter Br. Haidinger, Br. Fischer, Br. Kuhn und Br. Haager für Recht erkanntt Auf die Revision der Klägerin wird das Urteil der 7. Tatbestands Der am flHHW *908 geborene Ehemann der Klägerin, der als Angestellter bis zu dem Inkrafttreten des Gesetzes zur Neuregelung des Rechts der Rentenversicherung der Angestellten (AnVNG) vom 23« Februar 1957 (BGBl I, 88) wegen Überschreitung der Jahresarbeitsverdienstgrenze von 9 <»000 UM nicht versicherungspflichtig war, auf Grund dieses Gesetzes aber versicherungspflichtig wurde, nahm am 25* Juli 1957 bei der Beklagten mit Wirkung ab l. 11Versicherung zur Befreiung von der Angestelltenversicherungs-pflieht11 o Auf Grund dieser Versicherung wurde der Ehemann der Klägerin auf seinen Antrag durch Beschluß der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte vom 16«, August 1957 gemäß Art* 2 § 1 AnVNG von der Angestelltenversicherungspflicht befreit* Kit Schreiben vom 11* Oktober 1957 erklärte er gegenüber der Beklagten, daß für den Todesfall seine Ehefrau, die Jetzige Klägerin, allein unwiderruflich begünstigt .sein sollte* Die Beklagte bestätigte ihm mit Schreiben vom 19* Oktober 1957 diese Bezugsrechtsänderung, maoh-te ihn aber darauf aufmerksam, daß die Versicherung nach der Änderung des Bezugsrechts nicht mehr den gesetzlichen Bestimmungen für Befreiungsversicherungen entspreche» Am 12* Juli 1958 starb der Ehemann der Klägerin, die Beklagte zahlte dieser nur l/3 der Versicherungssumme aus. stigung erlangt habe und auch nach dem mit dem AnVHG verfolgten Zweck der Sicherung des Alters und der Hinterbliebenen des Versicherungsnehmers nachträglich nicht mehr habe abgeändert werden können* Die Klägerin hält hingegen die Bezugsrechtsänderung vom 11c Oktober 1957 für rechtswirksam und verlangt mit der Klage die Zahlung eines weiteren Teilbetrages von 6 „200 DM an sich- Es meint, daß sich hier eine solche abweichende Regelung aus dem mit dem Abschluß des Versicherungsvertrages verfolgten Zweck ergebe, durch den Vertrag eine Befreiung von der Angestelltenversicherungspflicht zu erreichen. Damit sei die gesetzliche Voraussetzung für die Befreiung von der Angestelltenversicherungspflicht, nämlich die Sicherstellung auch der Ehefrau und der nach Art. 1 § 44 AnVNG waisenrentenberechtigten Kinder Vertragsgrundlage und die ihnen zunächst eingeräumte Bezugsberechtigung Vertragsinhalt geworden und habe nachträglich nicht mehr einseitig abgeändert werden können. Die Revision weist mit Recht darauf hin, daß hier dem Ehemann der Klägerin von der Beklagten durch § 15 Ziff» 1 der dem Versicherungsvertrag zugrunde liegenden ALB auch vertraglich das Hecht eingeräumt war, die Begünstigung einseitig zu ändern* Angesichts dieser klaren vertraglichen Regelung bleibt hier also für MZweifeln im Sinne von § 166 Wß kein Raum* Der diesbezügliche Inhalt des Versicherungsvertrages kann auch nicht im Hinblick auf den mit seinem Abschluß verfolgten, in dem Policenvermerk zu dem Ausdruck gekommenen Zweck anders gedeutet werden; denn zur Erreichung dieses Zwecks, der allein darin bestand, daß der Ehemann der Klägerin auf ßrund des abgeschlossenen Versicherungsvertrages durch die BundesverSicherungsanstalt für Angestellte* von der Angestelltenversicherungspflicht befreit wurde, war es gar nicht erforderlich, daß die Vertragsparteien die Begünstigungsbestimmung vertraglich als unwiderrufliche gestalteten* Die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte machte nämlich auf ßrund von Besprechungen mit dem Bundesärbeitsmini-sterium die Erteilung der Befreiung - offensichtlich aus wohlerwogenen Gründen - gar nicht davon abhängig, daß die Begünstigung der Hinterbliebenen in dem Versicherungsvertrag unwiderruflich erfolgte, sondern begnügte sich mit der auch hier verwendeten Begünstigungsklausel, ohne Anstoß daran zu nehmen, daß eine solche Begünstigung nach § 15 Ziff * 1 ALB vom Versicherungsnehmer jederzeit einseitig wieder abgeändert werden konnte* Deshalb kann auch der Befreiungsbeschluß der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte der Begünstigung nicht die Wirkung einer unwiderruflichen gegeben haben. Es bedarf im vorliegenden Rechtsstreit keiner Entscheidung, ob der Gesetzgeber mit der in Rede stehenden Gbergangs-vorschrift des Art. 2 § 1 AnVHG nur die Voraussetzungen normieren wollte, unter denen eine Befreiung von der Angestelltenversicherungspflicht erfolgen konnte, und ob er die weitere Gestaltung der Befreiungsversicherung nach erfolgter Befreiung dem eigenen Verantwortungsbewußtsein des Versicherungsnehmers überlassen wollte, oder ob die Befreiungsversicherung nach dem Sinn und Zweck des Gesetzes als eine der Angestelltenversicherung gleichwertige Sicherung für Alter und Hinterbliebene auch, unverändert aufrechterhalten bleiben, sollte; denn selbst wenn man dieser zuletzt genannten Auffassung folgen wollte, so könnte das in Ermangelung einer anderen gesetzlichen Regelung doch nur dazu führen, daß die von der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte ausgesprochene Befreiung von der Angestelltenversicherungspflicht wieder fortfällt, wenn die Befreiungsversicherung nachträglich so abgeändert wird, daß sie den Mindestanforderungen einer Befreiungsversicherung nicht mehr genügt (Landessozialgericht Essen VersR 1959? b) Aus dem sonstigen Sozialversicherungsrecht kämen für eine (entsprechende) Anwendung höchstens die Bestimmungen über die Altersversorgung für das deutsche Handwerk in Betracht,* Es bedarf hier keiner Entscheidung, ob diese Vorschriften einer sinngemäßen Anwendung auf die Befrei-ungsverSicherungen des Art, 2 § 1 AnVHG zugänglich sind, wie dies Jantz-Zweng (aaO S, 433) hinsichtlich einzelner-Bestimmungen für möglich halten: denn auch nach diesen Vorschriften (§§ 12 und 22 der 1, BVO zu dem Handwerkerversorgungsgesetz vom 13o7«1939 - RGBl I, 1255) ist eine nachträgliche Abänderung der Bezugsberechtigung für den Todesfall, wie sie hier vom Ehemann der Klägerin vorgenommen worden ist, nicht nichtig, sondern hat nur zur Polge, daß dann die Verpflichtung zur Teilnahme an der Angestelltenversicherungspflicht wieder wirksam wird (BGHZ 13, 226