BGH · II ZR 7/57 vom 03.06.1957
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März 1936, RVkBl B 151, n 29 ff Die Haftung des Güterfernverkehrsunternehmers aus dem Beförderungsvertrag bestimmt sich auch dann nach § 29 ff KVO; wenn sich die Vertragsparteien der Kraftverkehrsordnung nicht unterworfen, sondern eine abweichende Vereinba rung getroffen haben» Die Rüge kann keinen Erfolg haben„ Das Berufungsgericht hat festgestellt, daß nach der zwischen der Firma und dem Beklagten getroffenen Rahmenvereinbarung der Beklagte die Beförderung nicht im Schweizer Landesinneren auszuführen hatte, sondern als Vertragsfahrer ab oder bis BMP eingesetzt war» Der Transport auf Schweizer Gebiet spielte v- daher im Verhältnis zu dem deutschen und Benelux-Verkehrsweg so gut wie keine Rolle«, Als einzigen Anknüpfungspunkt für die Anwendbarkeit schweizerischen Rechts kann die Revision daher nur den Erfüllungsort an-führen«. Dabei hat es zutreffend der dem Beklagten erteilten Güterfernverkehrsgenehmigung entscheidende Bedeutung beigelegt * In der Genehmigungsurkunde war dem Beklagten zur Auflage gemacht worden, u.a« das Güterkraftverkehrsgesetz und den Reichskraftwagentarif einschließlich der KVO zu beachten0 Der Beklagte hatte also seine Frachtverträge auf der Grundlage des deutschen Rechtes abzuschließen« Beim Abschluß der Rahmenvereinbarung hat der Beklagte die Anwendung des deutschen Rechtes nicht ausgeschlossen..Mit Recht hat das Berufungsgericht daraus geschlossen, daß sein Wille entsprechend der ihm auferlegten öffentiichrechtlichen Verpflichtung dahin ging, seinen • Vertragsfahrtezi für die Firma MflBI das deutsche Recht zugrundezulegen« Auch die Feststellung im angefochtenen Urteil, daß die Firma Mf^p der mit dem Beklagten getroffenen Rahmenvereinbarung das deutsche Recht zugrundelegen wollte, unterliegt keinem Rechtsirrtum. Die Firma M^^hat, wie das Berufungsgericht ausgeführt, als BflHfc Grenzspediteur oder Grenztransportunternehmen den Beklagten deshalb als Vertragsfahrer herangezogen, weil er als in Deutschland ansässiger Fernverkehrsunternehmer die erforderliche deutsche Fernverkehrsgenehmigung besaß unddaher die Transporte durch die Bundesrepublik für sie ausführen konnte« Wenn daraus im angefochtenen Urteil der Schluß gezogen worden ist, daß bei der Firma kein dem Willen des Beklagten entgegenstehender Wille vorlag, so ist dies aus Rechtsgründen nicht zu beanstanden« Das Berufungsgericht hat auch nicht übersehen, daß' für den hier in Rede stehenden Transport die Ausstellung eines Frachtbriefes unterblieb und eine unter dem deutschen Tarif liegende Fracht vereinbart worden sein soll« Es hat diesen Umständen jedoch ausschlaggebende Bedeutung deshalb nicht zugemessen, weil nach seiner Überzeugung eine Abänderung der bei Abschluß des Rahmenvertrages vereinbarten Anwendung deutschen Rechts für den letzten Transport nicht getroffen wurde«, Ein Rechtsfehler tritt darin nicht zu Tage o IIo Das Berufungsgericht führt sodann aus, die Parteien des Frachtvertrages hätten sich der Kraftverkehrs- ’’ ordnung, der als einer allgemeinen normativen Vertragsordnung eine allgemeinverbindliche Kraft nicht innewohne, unterworfen, so daß deren Bestimmungen unter Verdrängung der in §§ 425 ff HGB gegebenen Vorschriften angewandt werden müßten«, Dem stehe nicht entgegen, daß für den letzten Transport ein Frachtbrief nicht ausgestellt worden sei, denn dies sei durch § 15 KVO nicht zwingend vorgeschrieben«, Ebensowenig werdeT"lurch"die vom Beklagten behauptete Vereinbarung eines unter Tarif liegenden Beförderungsentgelts eine Unterwerfung unter die KVO ausgeschlossen, vielmehr trete dann nach § 22 Abs» 3 GüKGp an die Stelle des vereinbarten 1756) - nicht darauf an, oh sich die Vertragsparteien der KVO unterworfen oder eine von ihren Vorschriften-abweichende Vereinbarung getroffen haben«, Die Bestimmungen der KVO, die die Heftung des Unternehmers regeln, sind allgemeinverbindlich und unabdingbar* Zwar hatte die KVO ur- • sprünglich nicht den Charakter einer Rechtsverordnung, weil es an einer entsprechenden Ermächtigung des Reichsverkehrsministers und an ihrer, gehörigen Verkündung fehlte (BGHZ 6, 145, 146)o Auch war umstritten, ob der KVO nach § 106 Abs«. 2 GüKG allgemeinverbindliche rechtliche Geltung zukam, weil in dieser Bestimmung zwar die Tarife (Beförderungsentgelte und Beförderungsbedingungen) aufrechterhalten wurden, die auf Grund früheren Rechts erlassen waren, die KVO aber ursprünglich einer rechtlichen Grundlage ermangelte und § 106 Abs* 2 GüKG a0Ro nicht bestimmte, daß der Reichskraftwagentarif (RKT) als auf Grund des Güterkraftverkehrsgesetzes erlassen zu gelten habe (vgl? Durch die Neufassung, .die § 106 Abs«, 2 GüKG durch Art«, 1 Nr„ 5 des nach Verkündung des Berufungsurteils erlassenen Gesetzes zur Änderung des Güterkraftverkehrsgesetzes vom 3« Juni 1957 (BGBl 1957 I 593) erfahren hat, ist jedoch angeordnet worden, daß der Reichskraftwagentarif und damit die in ihm enthaltene KVO als auf Grund des § 21 AbSo 1 und des § 25 GüKG erlassener Tarif.zu gelten .hat« Mit der Neufassung wurde die Absicht verfolgt, die Bedeutung des § 106 Abs«, 2 GüKG gegenüber gelegentlich geäußerten Zweifeln an der Rechtsgültigkeit des RKT klar-zustellen (Bericht des Ausschusses für Verkehrswesen Drucks* 3057 des Bundestages - 2«, Wahlperiode)«. fassung stellt sich demnach als authentische Auslegung der früheren Passung dar mit der Folge, daß ihr bis zu dem Inkrafttreten des GüKG (19» Oktober 1952) rückwirkende Kraft zuzu demessen ist, auch wenn das Änderungsgesetz die rückwirkende Kraft dieser Bestimmung nicht ausdrücklich angeordnet hat0 Der Senat ist daher nicht gehindert, sie" im Revisionsrechtszug zu berücksichtigen (RGZ 152, 86, 89; 142, 47, 48; BGHZ 6, 47, 51; 9, 101)« Bei Anwendung.deutschen Rechts bestimmt sich sonach die Haftung des Beklagten aus dem Frachtvertrag zwingend nach der in der KVO getroffenen Regelung« Der Beklagte haftet' demnach, wie das Berufungsgericht zutreffend annimmt, nach §§ 29, 32 KVO für die Schäden und Verluste, die durch den Unfall seines Lastzuges am Frachtgut entstanden sind,,für die Bergungskosten und die Kosten der Schadensermittlung ohne Entlastungsmöglichkeit bis zu der in §§ 35, 36 KVO festgelegten Höhe«- derin und Empfängerin des Frachtguts ersatzberechtigt gewesen* Diese habe auch eigenen Namens für den von der Firma MaBBP erlittenen Schaden Ersatz verlangen dürfen, und zwar unter dem Gesichtspunkt der Schadensliquidation im Drittinteresse, wie er im deutschen Recht anerkannt sei* Denn zwischen ihr und der Firma MaBV) habe ein Rechtsverhältnis bestanden, auf Grund dessen sie der Firma MaBU habe ersatzpflichtig sein können* Trotz Fehlens unmittelbarer vertraglicher Beziehungen könne nämlich die Firma Maflpi Ersatzansprüche gegen die Firma erheben, weil der Vertrag, der die Firma Mzur Beförderung des Fracht guts an die Firma MaB^ verpflichtete, nach den insoweit eingreifenden Art* 454, 448 des Schweizer Obligationenrechts ein Vertrag zugunsten eines Dritten - der Firma MaBB - sei* Ihre Ansprüche habe die Firma an die Klägerin abgetreten* Der Revisionsangriff muß scheitern* Mit Recht hat das Berufungsgericht die Befugnis der Firma Mejor bejaht, den nicht ihr, sondern der Firma entstandenen Schaden gegen den Beklagten geltend ?u machen* Nach den von der deutschen Rechtsprechung entwickelten Grundsätzen über Schadensliquidation im Drittinteresse, die auch hier zu dem Zuge kommen, kann derjenige, der in eigenem Namen mit einem anderen einen Vertrag geschlossen hat, von seinem ihm nach dem Vertrage ersatzpflichtigen Gegner auch Ersatz des Schadens fordern, der seinem Geschäftsherrn durch das Verhalten des Vertragsgegners entstanden isto Dies gilt nicht nur dann, wenn der Vertrag für Rechnung des Dritten geschlossen ist, sondern auch, wenn die Interessen des Berechtigten mit denen des Dritten derart verknüpft sind, daß der Berechtigte die Drittinteressen gegenüber dem Verletzer wahrzunehmen hat und dieser mit einer solchen Wahrnehmung rechnen muß. Entgegen der Auffassung' des Berufungsgerichts ist danach unerheblich, ob die ursprünglich berechtigte Firma ihrerseits der Firma Maiersatzpflichtig ist und-ob sich diese Ersatzpflicht daraus herleiten einem von der Firma geschlossenen Vertrage zugunsten eines Dritten der Firma MaRechte erwachsen sind«, Der von der Revision gegen die Annahme eines solchen Vertrages gerichtete Angriff bedarf daher keiner Prüfung«, Die Interessen der Firma an der unbeschädigten Ablieferung des Frachtguts am Bestimmungsort,‘die sich aus der auch ihr obliegenden Sorgfaltspflicht ergeben, waren mit den wo das Reichsgericht bereits ausgesprochen hat, daß der Ersatzberechtigte, gegen den fehlsamen Vertragsgegner die sämtlichen vorgehenden Interessen, soweit sie nebeneinander bestehen können, geltend machen darf, wenn es sich um mehrere hintereinander stehende Beteiligte handelt)» Mithin war die Firma berechtigt, den der Firma MaflIP entstandenen Schaden gegen den Beklagten, der ihn verursacht hat und dafür der Firma aus dem Frachtvertrag haftet, geltend zu machen, wie dies das Berufungsgericht im Ergebnis zutreffend annimmt0 Die Bedenken, die die Revision gegen die Wirksamkeit der von der Firma vorgenommenen Abtretung an die Klägerin erhebt, sind gleichfalls unbegründete Die Revision vermißt die erforderliche Spezifikation der Abtretungsfor-derungo Sie setzt sich jed'oeh mit dem Vortrag des Beklagten in Widerspruch, der im Schriftsatz vom 9« Juni 1956 S» 4 die Abtretung der Schadensersatzforderung durch die Firma an.die Klägerin nicht in Zweifel gezogen, sondern die Abtretung nur als gegenstandslos bezeichnet hat, weil der Firma M|^^kein Schaden entstanden seio Da die Abtre-tung bisher unbestritten .war, kann die Revision mit ihrem neuen Sachvortrag nicht gehört’werden»