BGH · II ZR 6/54
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2o) Zur Führung des dem Versicherer bei § 11 Ziff 4 AKB obliegenden Beweises, daß der Versicherungsnehmer dem geschädigten Angehörigen zur Zeit des Versicherungsfalls auf Grund einer gesetzlichen Verpflichtung Unterhalt gewährt habe, genügt nicht schon der Nachweis, daß zwischen dem Versicherungsnehmer und dem Geschädigten ein Dienstleistungsverhältnis nach § 1617 BGB Vorgelegen habe* Vielmehr muß dann auch noch der Nachweis geführt werden, daß die Unterhaltsleistungen nicht freiwillig, sondern kraft gesetzlicher Verpflichtung erfolgt sind* 3«) Sieht ein Versicherungsnehmer von der Erstattung einer Schadensanzeige ab, weil er auf Grund einer Belehrung des Versicherungsagenten, der die Anzeige aufnehmen soll, zu der Auffassung kommt, er habe keinen Anspruch auf Versicherungsschutz und brauche deshalb nicht die Anzeige zu erstatten, so kann ihm nicht der Vorwurf einer schuldhaften Verletzung der Anzeigepflicht gemacht werden« Der Kläger ist als Halter eines Kraftrades bei der Beklagten gegen Haftpflicht versicherte Am 25. Auch machte der verletzte Sohn Siegfried des Klägers gegen diesen und seinen Bruder Reinhard Ansprüche Der Kläger verlangt nunmehr mit der vorliegenden Kl; ge die Feststellung der Verpflichtung der Beklagten* ihm -aus dem Haftpflichtversicherungsverhältnis für den Unfall vom 25o November 1950 Deckung zu gewähren. zu geben, zunächst damit, daß die Haftpflichtansprüche de; Verletzten Sohnes Siegfried nach § 11 Ziff 4 u* 5 AKB von der Versicherung ausgeschlossen seien, weil der Verletzte, ein Angehöriger des Klägers sei, dem dieser zur Zeit des währt habe* Weiter meint die Beklagte, daß sie nach § 7 AKB deshalb von der Verpflichtung zur Leistung frei sei, weil der Kläger und sein Sohn Reinhard die ihnen nach dieser Bestimmung obliegenden Verpflichtungen, ihr den Unfall, das gegen den Sohn Reinhard eingeleitete Strafverfahren und die Erhebung von Schadensersatzansprüchen durch den Geschädigten unverzüglich, spätestens innerhalb einer Woche, schriftlich anzuzeigen, vorsätzlich verletzt hätten* Schliej lieh beruft sich die Beklagte auch darauf, daß der Kläger gegen die ihm nach § 62 WO und § 7 Ziff 2 AKB obliegende SchadenverhUtungspflicht verstoßen habe, indem er seinen Sohn Siegfried veranlaßt habe, Schadensersatzansprüche geltend zu machen« Der Kläger bestreitet, seinem verletzten Sohn Siegfried auf Grund gesetzlicher Verpflichtung .Unterhalt gewährt zu haben. In der Sache selbst hat das Landgericht die Einwendungen der Beklagten gegen den mit der Klage geltend gemachten Versicherungsanspruch mit Recht für unbegründet erklärt. 5 AKB würde voraussetzen, daß der Kläger seinem verletzten Sohn Siegfried zur Zeit des Unfalls auf Grund einer gesetzlichen Verpflichtung Unterhalt gewährt Die Revision übersieht hierbei aber folgendes: § 11 Ziff 4 AKB setzt nicht nur voraus, daß der Versicherungsnehmer dem geschädigten Angehörigen zur Zeit des Unfalls Unterhalt gewährt hat, sondern verlangt auch, daß dies auf Grund einer gesetzlichen Verpflichtung geschehen ist. Nach § 1602 BGB ist aber der Vater seinen Kindern gegenüber nur dann unterhaltspflieh tig, wenn diese außerstande sind, sich selbst zu unterhalten; Diese Voraussetzung war hier bei dem bereits zur Zeit des Unfalls volljährigen, verletzten Sohn Siegfried nach dem unstreitigen Sachverhalt ganz zweifelsfrei nicht erfüllt*. Dieser hatte sich bereits vor seinem Eintritt in das väterliche Geschäft selbst unterhalten und war auch zur Zeit des Unfalls bei der heutigen Lage des Arbeitsmarktes ohne weiteres in der Lage, seinen Broterwerb auch außerhalb des väterlichen Geschäfts zu finden und sich selbst zu unterhalten* Da hiernach der.Kläger ihm gegenüber zu einer Unterhaltsgewährung gesetzlich nicht verpflichtet war, entfällt schon aus diesem Grunde ohne weiteres die Möglichkeit einer An-wendung des § 11 Ziff 4 u« 5 AKB* Demgegenüber ist der von der Revision angeführte Umstand, daß zwischen dem Kläger uni seinem Sohn Siegfried nach der Auskunft der AOK kein Morden* teretellt, daß es sich hierbei um ein familienrechtliches Dienstleistungsverhältnis im Sinne von § 1617 BGB gehandelt habe, so ergäbe sich hieraus noch nicht, daß die vom Kläger seinem Sohn Siegfried gewährten Unterhaltsleistungen Kraft gesetzlicher Verpflichtung erfolgt seien; denn § 1617 BGB setzt dies nicht voraus, sondern ist auch anwendbar, wenn die ünterhaltsleistungen freiwillig erbracht werden (RArbG JW 1954, 1062; Staudinger 9- Aufl § 1617 Anm 2 b ß $ Brman BGB § 1617 Anm 1; Spohr in Reichsarbeitsblatt II 1933, 479 &&). Im übrigen lassen aber auch nach den in der Rechtsprechung insbesondere des RArbG entwickelten Grundsätzen Uber die Abgrenzung zwischen einem familienrechtlichen Dienstleistungsverhältnis und einem echten Arbeitsverhältnis im vorliegenden Rail die unstreitigen Tatsachen, daß der Sohn Siegfried früher bereits eine bezahlte Tätigkeit ausgeübt hatte und daß er in dem auf die Beschäftigung bezahlter Arbeitskräfte zugeschnittenen Betrieb des Klägers eine bezahlte Arbeitskraft ersetzte, das Verhältnis als ein echtes Arbeitsverhältnis erscheinen (RArbG JW 1934, 1935, 2650; Ralandt 12« Aufl § 1617 Anm 4)* Hieran ändert auch der Umstand nichts, daß der zuständige Sozialversicherungsträger das Verhältnis nachden für die Sozialversicherung geltenden Richtlinien nicht als ein die Verpflichtung zur ■Zahlung von SozialVersicherungsbeiträgen begründendes "ordentliches Arbeitsverhälthis" angesehen hat« In keinem Rail kann aber davon die Rede sein, daß der Kläger die seinem Sohn Siegfried gewährten Leistungen auf Grund einer gesetzlichen Unterhaltsverpflichtung erbracht habe« 2«) Daß der Kläger die in § 7 AKB vorgeschriebenen schriftlichen Anzeigen über den Versicherungsfall, die Einleitung des Strafverfahrens gegen seinen Sohn Reinhard und über die Erhebung von Regreßansprüchen durch die Berufsgenossenschaft der Beklagten nicht rechtzeitig erstattet hat, ist unstreitig« Nach § 7 Ziff V AKB wird die Beklagte aber trotz solcher Obliegenheitsverletzungen dann nicht von ihrer Leistungspflicht frei, wenn der Kläger den Nachweis führt, daß die Verletzungen weder auf Vorsatz noch auf grober Fahrlässigkeit beruhen« Diesen Beweis sieht das Landgericht als erbracht an« Es stellt hierzu fest, daß der Kläger den Unfall dem Inspektor der Beklagten, der damals auf der in dem Versicherungsschein angegebenen Verwaltungsstelle der Beklagten in Bielefeld tätig war, rechtzeitig mündlich angezeigt hat und daß dieser ihm von der Erstatt tung einer schriftlichen Anzeige abgeraten hat, weil eine . Das Landgericht meint, daß dem Kläger weder Vorsatz noch grobe Fahrlässigkeit zur Last gelegt werden könne, wenn er unter diesen Umständen von der Erstattung einer schriftlichen Anzeige abgesehen habe. Prölss WG 8« Aufl § 33 Anm 8)o Dieser Pall ist hier gegeben* Kachdem der Inspektor Wolf der Beklagten dem Kläger bei Erstattung der mUndlichen Schadensanzeige erklärt hatte, daß eine schriftliche Anzeige sinnlos sei, weil kein Versicherungsschütz durch die Beklagte in Betracht komme, konnte der Kläger, ohne sich dem Vorwurf der Pahrlässigkeit auszusetzen, der Auffassung sein, daß er dann im vorliegenden Pall keine schriftliche Anzeige zu erstatten brauche (vgl Prölss aaO § 6 Anm 13)« Infolgedessen kann auch in dem Unterlassen einer Anzeige weder eine vorsätzliche noch eine fahrlässige Obliegenheitsverletzung gesehen werden» Dasselbe gilt für das Unterlassen der rechtzeitigen schriftlichen Anzeige Über die Einleitung des Strafverfahrens und Uber die Erhebung von Regreßansprüchen ’ } durch die Berufsgenossenechaft; denn auch damals bestand beim Kläger unstreitig noch die von dem Inspektor der Beklagten hervorgerufene irrige Vorstellung, daß der Unfall nicht als ein Anzeigepflichten auslösehder Versichp-rungsfall angesehen werden könne« Auch insoweit kann'also von einer schuldhaften Verletzung der Anzeigepflicht nicht gesprochen werden und deshalb kann auch hieraus keine Bei-stungsfreiheit der Beklagten hergeleitet werden» Im übrigen würde die Deistungspflicht der Beklagten nach § 7 Ziff V AKB im vorliegenden Fall selbst bei einer grob fahlässi-gen Verletzung der Anzeigepflicht nicht berührt werden, weil die Verletzung hier nach dem von der Beklagten nicht be-, strittenen Vorbringen des Klägers weder Einfluß auf die Pest- : Stellung des Versicherungsfalles noch auf die Peststellung oder den Umfang dier der Beklagten obliegenden Leistung ge- ? 3o) Den Einwand der Beklagten, daß der Kläger seinen verletzten Sohn Siegfried erst zur Geltendmachung der Ersatz p ansprüche ermuntert habe und daß er dadurch die ihm nach § 62 VVG, § 7 Ziff 1, 2 AKB obliegende Verpflichtung zur Anwendung und Minderung des Schadens verletzt habe, hat das Landgericht mit Recht auch dann als unbegründet angesehen, wenn die Beklagte den Nachweis führen würde, daß tatsächlich der Gedanke einer Erhebung von Ersatzansprüchen durch den Verletzten vom Kläger ausgegangen sei* Soweit es sich um begründete Haftpflichtforderungen handelt, besteht der vom Haftpflichtversicherer zu ersetzende Schaden darin, daß das Vermögen des Versicherten durch den Versicherungsfall mit einer Haftpflicht schuld belastet wird (BGHZ 13, 154 Infolgedessen bezieht sich insoweit auch die dem Versichert obliegende Schadenabwendung8- und Kinderungspflicht nur auf diese Haftpflichtschuld selbst. Infolgedessen kann dann auch kein Verstoß gegen die Schadenabwendungs- und Minderungspflicht mehr vorliegen, wenn der Versicherte nur auf die Gi tendmachung der begründeten Haftpflichtforderung durch den Geschädigten Einfluß nimmt? Ihr gegen den Kläger in dieser Hinsicht erhobene Vorwurf hat sich vielmehr, wie das angefochtene Urteil ergibt, darauf beschränkt, daß der Kläger seinen verletzten Sohn Siegfried überhaupt auf die Möglichkeit der Erhebung von Ersatzansprüchen aufmerksam gemacht hat* Die nunmehr von der Revision neu aufgestellte Behauptung, daß der Kläger den Verletzten veranlaßt habe, auch Schadensersatzansprüche geltend zu machen, die diesem rechtlich gar nicht zustehen, kann in der Revisionsinstanz nicht mehr beachtet werden- Wenn aber der Kläger nichts weiter getan hat, als in seinem verletzten Sohn Siegfried den Entschluß zu wecken oder zu fördern, die ihm zustehenden Haftpflichtansprüche zu erheben, so kann ihm hieraus nach den zutreffenden Ausführungen des Landgerichts im vorliegenden Ball um so weniger ein Vorwurf gemacht werden, als er hierbei dann nur im Rahmen seines natürlichen Pflichtenkreises als Hausvater gehandelt hat.