BGH · II ZR 4/67
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Unter Zurückweisung der weitergehenden Revision des Klägers wird das Urteil des 20 Zivilsenats des Kammergerichts in Berlin vom 27«, Oktober 1966 teilweise aufgehobeno Unter teilweiser Abänderung des am 23« Mai 1966 verkündeten Teilurteils der Kammer für Handelssachen 95 des Landgerichts Berlin wird der Beklagte verurteilt, an den Kläger DM 20o 000 nebst 5 $> Zinsen seit dem 1 * Januar 1966 zu zahlen* Der Kläger verlangt vom Beklagten Zahlung eines Betrages von 86*818,69 DM* Davon sind nur 40*000 DM in die Revisionsinstanz gediehen. Unter dem 31, Dezember 1965 bat der Beklagte an seine Kunden zwei Rundschreiben gerichtet, die sich nicht des Wortlauts der Nr« 10 der Vereinbarung vom 16o November 1965 bedienen„ Aus diesem Grunde und weil er den Text nicht dem Kläger zur Genehmigung vorgelegt hat, sieht dieser die Vertragsstrafe durch jedes der beiden Rundschreiben, also zweimal als verwirkt an, In dem einen Rundschreiben lautet die vom Kläger beanstandete Stelle: mit seinem Unternehmen wieder von der Birmen-gruppe RpHliBi gelöst hatte, besteht seit dem 31o Dezember 1965 eine Kommanditgesellschaft unter der gleichen Firmenbezeichnung RICHARD UflHio. o Der Beklagte hatte sich nach Abschluß des Vertrages vom 16« November 1965 entschlössen, seih BflHPbr Unternehmen zu verkaufen« Er wollte deshalb'die Mitteilung des Firmenübergangs auf den Erwerber gleich mit der Mitteilung verbinden, daß sich die Parteien wieder getrennt hatten« Aus diesem Grunde suchte er eine Änderung der in Nr« 10 des Vertrages vom 16« November 1965 vorgesehenen Verlautbarung zu erreichen« Dabei kam zur Sprache, daß der für diese Verlautbarung vorgesehene Text nicht ganz korrekt sei« Der Kläger schloß diese Verhandlungen mit Schreiben vom 21« Dezember 1965 ab« Darin heißt es: Ich kann mir nicht vorstellen, inwieweit die Veröffentlichung der im Vertrag vom .16*11 *1965 festgelegten Erklärung in der berichtigten Form, oder einer Erklärung über den Übergang der Firma Richard J®B^ju^den neuen Erwerber für die Firmengruppe schädlich sein könnte«" I« Das Berufungsgericht geht davon aus, daß der Beklagte die in Nr« 10 des Vertrages vom 16« November 1965 getroffene Vereinbarung nicht eingehalten habe, als er die beiden Rundschreiben versandte, ohne sie vorher dem Kläger vorzulegen und mit ihm abzustimmen« Es meint jedoch, nach dem Schreiben vom 21« Dezember 1965 habe der Beklagte davon ausgehen können, daß der Kläger auf die Vorlage eines Rundschreibens dann keinen Wert lege. Die darin liegende Auslegung des Schreibens ist möglich und läßt sich aus Rechtsgründen nicht beanstanden o Das Schreiben bot, wie das Berufungsgericht zutref-' fend hervorhebt, keinen Anhalt dafür, daß der Kläger die Vorlage solcher Rundschreiben erv/artete, “die den Wortlaut hatten, dessen Veröffentlichung der Kläger dem Beklagten freigestellt hatte"o 2o Das Berufungsgericht meint, der Beklagte sei von dem ihm freigestellten Text nur geringfügig abgewichen, und die Abweichungen seien zudem nicht geeignet gewesen, die Interessen des Klägers zu beeinträchtigen,. Die zuvor wiedergegebenen Ausführungen des Berufungsgerichts sind dahin zu verstehen, daß der Beklagte von dem Wortlaut der am 16 0 November 1965 vereinbarten Verlautbarung'nicht hätte abweichen dürfeno Das ergab sich auch eindeutig aus dem Schreiben des Klägers vom 21o Dezember 1965, wonach der Text vertraglich "festge-legt” und “lediglich” in einem Punkte zu berichtigen war<> Der Kläger beanstandet mit Recht die Mitteilung des Beklagten, er habe sich ’'mit seinem Unternehmen wieder von der Firmengruppe gelöst", und den Hinweis auf die "vorteilhafte Nutzung der wiedergewonnenen Beweglichkeit"o Vereinbart v/ar, der Kundschaft mitzuteilen, der Kläger sei "auf Grund gegenseitigen Einvernehmens" ausgeschieden, womit "die Birma Richard JflHI °«• nicht mehr zur Eirraengruppe Boeder stein" gehöre« Die Abv/e ich ungen des Beklagten von diesem (Text waren nicht geringfügig und nicht etwa nur stilistischer Natur, sondern wesentlich» Sie waren geeignet, den Kläger bei der gemeinsamen Kundschaft zu diskriminieren; denn es kann für die Beurteilung eines Geschäftsmanns durch Außenstehende von Bedeutung sein, ob er und sein bisheriger Partner sich "auf Grund gegenseitigen Einvernehmens" trennen oder ob sich dieser von ihm "löst" und damit "seine Beweglichkeit wiedergewinnt Bas Berufungsgericht hält dem Beklagten zugute, die Formulierung, er habe sich "mit seinem Unternehmen wieder von der Firmengruppe RÜHHHHl gelöst", sei dadurch bedingt gewesen, daß der Beklagte in den Rundschreiben nicht von dem ausgeschiedenen Kläger, sondern vom Beklagten und seinem Unternehmen gesprochen habe« Der Umstand, daß der Kläger dem Beklagten gestattet hatte, seiner Kundschaft auch den Übergang des BMflBkr Unternehmens auf einen neuen Erwerber mitzuteilen, enthob den Beklagten indes nicht der Pflicht, sich hinsichtlich der Trennung der Parteien an den am 160 November 1965 vereinbarten, die Interessen beider Parteien berücksichtigenden Text zu halteno Dem Berufungsgericht kann auch nicht darin gefolgt werden, daß die Bemerkung über die "vorteilhafte Nutzung der wiedergewonnenen Beweglichkeit" deshalb unschädlich sei, weil sie nicht auf "rechtliche Veränderungen" in Bezug auf den Kläger hlnweise» Denn dem Beklagten war die Aufnahme eines nicht abgesprochenen tatsächlichen Hinweises in die vertraglich festgelegtö Verlautbarung nicht gestatteto sich die Parteien nach diesem Zeitpunkt darüber einig geworden, daß die Richard Go., entgegen dem für das Kommunique festgelegten Text nicht aufgelöst sei> sondern ihre Geschäfte bis auf weiteres weiterführen solle» Damit war insoweit der Vertrag vom 160 November 1965 überholt und konnte keine Grundlage für das Verlangen auf Zahlung einer Vertragsstrafe abgeben, die durch eine vom festgelegten Text abweichende Mitteilung verwirkt worden sein soll» Denn das Vertragestrafenversprechen ist nicht dem veränderten Vertragsinhalt angepaßt worden» 3o Soweit die Rundschreiben vom 31» Dezember 1965 miteinander übereinstimmen, hat der Beklagte die Vertragsstrafe hur einmal verwirkt» Es kommt weder auf die Zahl der versandten Rundschreiben noch darauf an, daß sich die Rundschreiben in zwei Gruppen einteilen lassen, nämlich in solche mit und solche ohne Hinv/eis auf die BflHKcr Gesellschaft,, Der Kläger hat seihst die Vertragstrafe nur deshalb zweimal verlangt, weil er in der Bemerkung über das IiIHHHbr Unternehmen einen selbständigen Verstoß gegen das Vertragsstrafenversprechen erblickt*