BGH · II ZR 1/73 vom 11.07.1974
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ZPO § 878; ZVG § 115; HGB § 776 a.F. a) Dan Schiffshypotheken gläubiger wird durch einen rechtskräftigen, auf Duldung der Zwangsvollstreckung in das Schiff lautenden Vollstreckungsbefehl, den ein anderer Gläubiger wegen einefs behaupteten Schiffs gläubiger rechts gegen den Reeder erwirkt hatte, nicht das Recht abgeschnitten, das Vorrecht dieses anderen Gläubigers im Widerspruchsprozeß mit der Behauptung zu bestreiten, das Schiffsgläubigerrecht sei vor Einleitung des Mahnverfahrens bereits erloschen gewesen« Der II* Zivilsenat des Blind es gerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 6* Juni 1974 durch den Vorsitzenden Richter Stimpel und die Richter Dr* Schulze, Fleck, Dr* Kellermann und Dr* Tidow für Recht erkannt: Auf die Revision der Klägerinnen wird das Urteil des 6* Zivilsenats des Hanseatischen Oberlandesgerichts zu Hamburg vom 16* November 1972 aufgehoben* ln dem nach der Zwangsversteigerung des MS S^B^U auf gestellten Teilungsplan ist die Beklagte unter Nr* 30 als Schiffs gläubiger in mit einer Forderung von insgesamt 7.907,17 DM mit dem Rang vor den in Nr. 33 bis 38 eingetragenen, unter sich gleichrangigen Schiffshypotheken der Klägerinnen berücksichtigt* Dem lag der von der Beklagten gegen Verfrachter und Reederei erwirkte Vollstreckungsbefehl vom 30. Die Klägerinnen haben beantragt, ihren Wider^-spruch gegen die Zuteilung von 7.907,17 DM an die Beklagte für begründet zu erklären, und die Beklagte zu verurteilen, an sie auf den Widerspruchsbetrag 7 1/2 % Zinsen seit dem 8. Wie aber bereits das Reichsgericht entschieden hat, kann ein rechtskräftiger Vollstreckungstitel für den siegreichen Gläubiger gegenüber Dritten keine geringere Wirkung haben als ein rechtsgeschäftliches Anerkenntnis, das der Schuldner abgegeben und mit dem er dem Gläubiger eine entsprechende Rechtsposition eingeräumt haben würde (RGZ 153» 200 , 204; Huber, JuS 1972, 621 ff). Die Klägerinnen können daher mit ihren Einwänden, die Schadens ersatz for de rung der Beklagten sei bereits bei Einleitung des Mahnverfahrens verjährt gewesen oder habe wegen Ablaufs der Frist des § 612 HG© überhaupt nicht mehr bestanden, weder den Bestand des Vollstreckungstitels als solchen noch seine Berücksichtigung im Vert ei lungs verfahren in Frage stellen: Die Reederei hätte auf die Einrede der Verjährung, falls diese begründet gewesen sein sollte, verzichten, die Schadens ersatz for derung des Beklagten trotz Fristablaufs anerkennen, für die Das Berufungsgericht meint, wegen des rechtskräftigen Vollstreckungsbefehls stehe gegenüber den Klägerinnen auch verbindlich fest, daß die Beklagte bei der Zwangsvollstreckung in das Schiff ihnen als Schiffshypotheken-gläubigern bevorrechtigt sei. Unabhängig davon ist aber die Frage, ob einem Vollstreckungstitel eine bevorrechtigte oder nicht bevorrechtigte Forderung zugrunde liegt, eine ganz andere als die, ob die im Titel festgestellte Verpflichtung des Schuldners zur Duldung der Zwang svo list re ckung in das Schiff von den übrigen Gläubigem hinzunehmen ist. Bei jener geht es nur um die rechtliche Qualifikation des geltend gemachten Anspruchs und um ein bloßes Element des Titels, das selbst dem Schuldner gegenüber an der Rechtskraft nichtteilninmt und über das daher im Widerspruchsverfahren grundsätzlich anders als im Vorprozeß entschieden werden kann (vgl. Einwendungen, die sich gegen den Rang des vom Widerspruchsbeklagten verfolgten Rechts richten, können dem Widerspruchskläger auch schon deshalb durch den vom Widerspruchs beklagten gegen den Schuldner erwirkten Titel nicht abgeschnitten worden sein, weil sie ausschließlich das Verhältnis der von den beiden Gläubigem verfolgten Pfandrechte zueinander betreffen und diese Rangfrage gar nicht Gegenstand des Rechtsstreits zwischen Wider spruchs gegner und Schuldner gewesen sein kann (so für das Konkursverfahren Jäger/Weber, KO 8. Deshalb läßt sich aus dem Rechtssatz, ein Vollstreckungstitel habe Drittwirkung gegenüber den übrigen Gläubigem, soweit der Schuldner durch Rechtsgeschäft eine analoge Wirkung hätte herbeiführen können, in diesem Falle gerade keine Rechtfertigung für eine Drittwirkung des Vollstreckungsbefehls zu Lasten der Klägerinnen herleit en. gehen lassen, hat insoweit keine präjudizielle Wirkung, Die Klägerinnen können infolgedessen noch geltend machen, der Schadensersatzanspruch der Beklagten und ein darauf beruhendes, ihren Schiffshypotheken vorrangiges Schiffsgläubigerrecht habe, was sie in tatsächlicher Hinsicht noch näher dargelegt haben, gemäß § 612 HGB schon vor Einleitung des Mahnverfahrens nicht mehr bestanden, so daß die Beklagte im Verteilungsverfahren nicht bevorrechtigt sei. Dagegen können sie ein etwaiges Vorrecht der Beklagten nicht mit der Verjährungseinrede (§ 901 ff HGB) bekämpfen, weil der Ablauf der Verjährungsfrist allein den Bestand eines Schiffs gläubigerrechts nicht berühren würde und die Einrede nur von der Reederei als der Schuldnerin des Anspruchs (vor Abschluß des Mahnverfahrens) hätte geltend gemacht werden können. Da das Berufungsgericht die Behauptungen der Klägerinnen, aus denen sie gemäß § 612 HGB den Wegfall des Schif fs&Läubigerrechts der Beklagten hörzuleiten versuchen, nicht geprüft hat, kann das angefochtene Urteil keinen Bestand haben« Die Sache ist deshalb zur erneuten Verhandlung und Entscheidung an das Oberlandesgericht zurückzuverweisen.