BGH · II ZR 1/57 vom 08.05.1958
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gatbestands Der Kläger hat bei der Beklagten eine landwirtschaftliche Haftpflichtversicherung nach den Allgemeinen Versicherungsbedingungen für die Haftpflichtversicherung (AHB) abgeschlossen 5 die auch die persönliche Haftpflicht der im Betrieb angestellten Personen aus ihren dienstlichen Verrichtungen umfaßt« Am 11» Oktober 1954 gegen 18«50 Uhr hatte der Sohn des Klägers einen Verkehrsunfall9 als er mit einem zweispännigen Ackerwagen mit Anhänger vom Felde zu dem elterlichen Hof fuhr« Sin Motorradfahrer stieß in der Dämmerung mit dem unbeleuchteten Gespann zusammen und trug dabei schwere Verletzungen davon« Der Sohn des Klägers setzte daraufhin seine Fahrt ohne Aufenthalt fort« Sr wurde wegen fahrlässiger Körperverletzung und Verkehrsunfallflucht bestraft« Auf die Klage des* Verletzten wurde er verurteilt, an diesen 3«350 DM Schadenersatz zu leisten« Ferner v.urde festgestellt, daß er dem Verletzten für allen weiteren Schaden hafte« Die Beklagte hat die Deckung dieses Schadens aus der mit dem Kläger abgeschlossenen Haftpflicht verrieb erung abgelehnt« Der Kläger hat daraufhin Klage gegen sie erhoben mit dem Antrag, festzustellen, daß die Beklagte nach dem Versicherungsvertrag den Schadenersatz zu leisten habe, zu dem der Sohn des Klägers gegenüber dem Geschädigten aus dem Verkehrsunfall vom 11« Oktober 1954 verpflichtet ist« Der Kläger hat erwidert, er selbst habe der Beklagten gegenüber keine fflichtv/idrigkeit begangen» Sein Sohn habe jedenfalls nicht vorsätzlich gegen eine Obliegenheit verstoßen, da er die Versicherungsbedingungen nicht gekannt habe» V/enn er aber nur grob fahrlässig gehandelt habe, so sei die Beklagte nach § 6 AHB zur Leistung verpflichtet geblieben? 1») Die Revision wirft dem Berufungsgericht in erster Linie vor, es habe übersehen, daß der Haftpflichtversicherungsvertrag der Parteien vom 1» Januar 1936 datiere und die dem Versicherungsschein angehefteten damali-gexi Versicherungsbedingungen keine dem heutigen § 5 2iff»l AHB entsprechende Bestimmung enthielten, wonach als Versicherungsfall in der allgemeinen Haftpflichtversicherung bereits das Schadenereignis und nicht erst, wie nach der früheren Rechtsprechung des Reichsgerichts (RGZ 171, 368; 114, 117 u»a»m»)Jdie Anspruchserhebung durch den Geschädigten anzusehen ist; deshalb komme hier allenfalls die Verletzung einer vor dem Eintritt des Versicherungsfalles zu 1 AHB Versicherungsfall im Sinne des vorliegenden Vertrages das Schadenereignis selbst sei» Badurch hat er in Übereinstimmung mit der Beklagten eindeutig zu dem Ausdruck gebracht, daß für die Rechtsbeziehungen aus dem Versicherungsverhältnis die Klauseln der AHB in der heute geltenden Passung, von der die Beklagte auch einen Abdruck zu den Gerichtsakten gegeben hat, maßgebend sind» Infolgedessen konnte der Tatricht er ohne weiteres davon ausgehen, daß bei der Erneuerung des zunächst auf 10 Jahre befristeten alten Versicherungsvertrages von 1936 entsprechend einer allgemein geübten Praxis diese geänderte Passung zugrunde gelegt worden ist«. AI-DB gesehen, für den die Rechtsfolgen des § 6 AHB sinngemäß gelten« 3in Haftpflichtversicherter; der nach einem Verkehrsunfall flüchtet, verstößt in der Regel nicht nur gegen das gesetzliche Verbot des § 142 StGB, sondern verletzt zugleich auch seine vertragliche Obliegenheit gegenüber dem Versicherer, nach Kräften zur Aufklärung des Haftpflichttatbestandes beizutragen, und zwar schon deswegen, weil er sich dadurch meist die Möglichkeit nimmt, alsbald an Ort und Stelle alle notwendigen Feststellungen über den Unfallverlauf, die Verantwortlichkeit der Beteiligten und den Umfang des Schadens zu treffen und geeignete Beweise zu sichern (OLG 3raunschweig VersR 1956, 172 m«Anm* von Fleck in VersR 1956, 316; OLG Hamm jSDR 1957? Zu Unrecht meint die Revision, eine Fahrerflucht könne für sich allein deswegen keine Obliegenheitsverletzung darstellen, weil das Recht eines Beschuldigten, Einlassungen vor der Polizei oder der Staatsanwaltschaft zu verweigern, durch den Versicherungsvertrag nicht entzogen oder verkürzt v/erden dürften« Es handelt sich hier gar nicht um die Frage, ob ein Versicherter nach den Versiehe-rungsbedingungen gehalten sein kann, als Beschuldigter vor den staatlichen Srmittlungsbehörden überhaupt Angaben zu machen, obwohl er nach dem Gesetz hierzu nicht verpflichtet ist« Vielmehr geht es in diesem Zusammenhang.allein um den Tatbestand der Unfallflucht« Insoweit deckt sich aber die vertragliche Aufklärungspflicht des Versicherten praktisch weitgehend mit dem aus § 142 StGB zu entnehmenden Gebot, an der Unfallstelle zu bleiben, bis die notwendigen Tatfeststellungen an Ort und Stelle getroffen sind« Inwiefern darin, daß eine Verletzung dieses Verbots zugleich den Verlust des Versicherungsanspruchs bewirken kann, eine Beschneidung gesetzlicher Rechte des Versicherten liegen soll, ist nicht* ersichtlich« b) Las Berufungsgericht hat gleichwohl angenommen, die Leistungsfreiheit der Beklagten lasse sich mit der vom Sohn des Klägers begangenen Unfallflucht nicht begründen« Fs hat eine vorsätzliche Zuwiderhandlung des Sohnes gegen § 5 Ziff« 3 AHB, für die, wie es meint, die Beklagte beweispflichtig wäre, mit der Begründung verneint, der Sohn des Klägers habe die Versicherungsbedingungen und damit das Verbotswidrige seines Tuns nicht gekannt; die Kcmitnis vom bestehenden Vertrag und damit auch die Kenntnis seiner JitverSicherung schlössen noch nicht die Kenntnis der in den Bedingungen enthaltenen Obliegenheiten in sich* Din nur grob fahrlässiges Verhalten des Sohnes berühre aber seinen Anspruch auf Versicherungsschutz deswegen nicht, weil der Schaden auch bei gehöriger Erfüllung der Obliegenheit nicht geringer gewesen wäre (§ 6 Satz 2 AHB)« Diese Ausführungen sind rechtlich nicht haltbar« Rechtsirrig ist schon der Ausgangspunkt des Berufungsgerichts, die Beklagte müsse beweisen, daß der Sohn des Klägers vorsätzlich gehandelt habe« Wenn, wie hier, eine Obliegenheitsverletzung objektiv feststeht, so muß nunmehr nach der Fassung der §§ 6 Satz 1 AHB, 6 Abs» 3 Satz 1 VVG der Versicherungsnehmer seinerseits beweisen, daß die Verletzung nicht auf Vorsatz beruht (BGHZ 24, 373.; 14; Bruck-Lüiler WG 8» Aufl« § 6 Anm« 52 m« \v« Hachv/«)« Dieser Jntlastungsbev/eis ist aber entgegen der Ansicht des Berufungsgerichts nicht schon mit der Feststellung geführt, daß dem Versicherten die einzelnen Versicherungsbe-diugungen unbekannt waren« Richtig ist zwar, daß der Vorsatz des Versicherten bei der Fahrerflucht nicht nur den Verstoß gegen das gesetzliche Verbot des § 142 StGB, sondern auch die Verletzung der versicheinrngsvertraglichen Verhalt ensnorm umfassen muß, wenn er im Sinne des § 6 AHB beachtlich sein soll (BGH VersR 1955? und nahm sie in seinen Willen auf, indem er durch seine Flucht von der Unfallstelle eine sofortige Tatbestandsaufnahme bewußt verhinderte und damit die erschöpfende Aufklärung des Sachverhalts gefährdeter Irgendwelche Gründe, die ihn zu der Annahme hätten verleiten können, er brauche als Versicherter -bei der Feststellung des Schadenfalles nach dem Vertrag nicht mitsuwirken und könne sich ihr durch die Entfernung vom Tatort sogar entziehen, sind nicht dargetan. Ob die Unfallflucht eine richtige Seliadenfeststellung endgültig vereitelt oder den CJmfang der Ver3icherun£sleistung beeinflußt hat, ist unerheblich, weil es nach den insoweit zutreffenden Ausführungen des Berufungsgerichts bei vorsätzlichen Cbliegenheitsverlet-zungen gemäß §§ 6 AKB, 6 Abs.3 VVG auf deren Folgen nicht ankommt (3GH IOT 1956, 1317 « VersR 1956, 485; VersR 1952, 423).