BGH · II ZR 1/50
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Die Parteien errichteten am 27» März 1944 eine offene Handelsgesellschaft z\m Betrieb einer Pappenfabrik mit dem Sitclin unter der Firme. Bei den Verhandlungen, die sum Abschluß des UesellschaftsVertrages führten, wies der $) Beklagte darauf hin, daß es für die Rentabilität des unter- . Gleichwohl wurde diese Ansicht nicht endgültig aufgegebenx insbesondere kan der Beklagte in seinen Schriftwechsel nit den Kläger auf dieses Projekt auch noch im laufe des Sommers 1944 zurück. ( 4 ) Für jeden Fall der Zuwiderhandlung im Sinne des Absatz 1 und Absatz 2 dieser Bestimmungen.soll der vertragswidrige Gesellschafter verpflichtet sein, eine Vertragsstrafe von 10*000 RH 2u zahlen«, Die Zahlung dieser Vertragsstrafe befreit den vertragswidrigen Beil nicht von der Erfüllung seiner Verpflichtungen „ geschäft oetirLeben habe» Er habe daher die Vertragsstrafe verwirkt und müsse in dieser Höhe eine Belastung seines Kapitalkontos zulassen» Anderfalls' müsse er die Vertragsstrafe in einem EmstellungsVerhältnis von 1 ; 1 in Deut-scher Hark zahlen» Ferner habe er sich schadensersatzpflichtig gemacht und müsse unter diesem Gesichtspunkt nicht nur den Gewinn, den er selbst ?ls Gesellschafter bei der ^irma. an die Klägerin als Schadensersatz herausgeben, sondern da rüber hinaus auchin Höhe des übrigen Gewinnes der Firma GrErsatz leisten, weil bei einem Vertragstreuen “/erhalten des Beklagten die Gesellschaft 3s wird festgestellt, daß der Beklagte verpf lieh tet ist, den seiner Höhe nach noch festzustellen den Gewinn aus seinem bisherigen Geschäftsanteil der Firma & OMBBI an die Klägerin herauszngeben* der Beklagte wird verurteilt, an die Klägerin eine Vertragsstrafe von 10» 000 DM nebst 5 f> Hs wird festgestellt, daß der Beklagte verpflicli tet ist, die gesamten, ihrer Böh^iac^ioch fest sust eil enden Gewinne der Firma GflHHH abzüglich der durch den'Antrag zu Ziffer 1 festzustellenden Gewinne an die Klägerin auszuzahlen hilfsweise? Mit der Revision verfolgt die Klägerin^ ihre -Anträge zu 2 und 3 weiter, soweit ihnen vom öberlandesgericht nicht stattgegebeh Ist. Der Beklagte bittet um Zurückweisung der Bevislön* 1 0gegen das Wettbewerbs verbot des § 6 Abs 2 des Gesellschaftsvertrages verstoßen habe» Zwar sei der Geschäftsbetrieb der beiden Gesellschaften insofern ein verschiedener, al.s die Firma;, lljmm & ^|BB mit der Pappenherstellung und die Firma O^P^slch mit der Pappenverarbeitung befasst haben® Gleichwohl müsse im Sinne des Wettbewerbsverbotes hier deshalb zu dem Peil von einem gleichartigen Geschäftsbetrieb gesprochen werden, weil sich die Parteien bei der Errichtung der Gesellschaft & Ojm|darÜber einig gewesen seien, den Geschäftsbetrieb der Gesellschaft auch auf die Pappenverarbeitung auszudehnen, und weil der Gesellschaft durch die Brrichtung der neuen Ge- sellschaft die Möglichkeit der vorgesehenen Pappenverarbeitung und damit die Existenzgrundlage genommen sei« unter diesen umständen könne für die Frage des V/ettbe-werbs die Patsache, daß die beeinträchtigte Gesellschaft Geschäftsbetriebes dadurch vereitelt habe, daß er die neue Gesellschaft errichtet und damit gerade die Maßnahme, die später für die getroffen werden sollte, für die neue Gesellschaft vorienommen habe« Bas Berufungsgericht kommt sodann in seinen weiteren Ausführungen, nachdem es hoclr die Frage nach einem Verschulden des Beklagten an den Tiettbewerbsverbot geprüft und bejaht hat, zu dem Ergebnis, daß der Beklagte die Vertragsstrafe zugunsten der u-e sell sc na zt &■ Oj verwirkt habe., Biesen Ausführungen des Berufungsgerichts ist beizutreten« Dabei kann es allerdings dahingestellt Ueiben, ob mit einer vielfach vertretenen Ansicht im Schrifttum ( Palandt 3GB, 80 Aufl § 339 Ann 3; Bnneocerus-Lehmann* Recht der Schuldverhältnisse , l%Aufl ;j3 152) vin diesem Pall ein Verschulden für die Verwirkung üe:i Vertragsstrafe erforderlich ist, ichung des Reichsgerichts ( BGS ; Scuff Arch 87, 184) die Ver-issungsgcbot auch ohne ein Ver- Das Berufungs treffend an, daß die Klär gerin ist Rechtsnachfolge &■ om geworden, nachde teil des Landgerichts Bra das unter der Firma diese gericht nimmt des weiteren su-erin diesen Anspruch auf die verwirkte Vertragsstrafe selbst geltend machen kann* Die Klä- 1948 r Gesellschaft betriebene Geschäft ohne Liquidation mit Aktiven gerin"übertragen worden ist« der Rechtskraft dieses Urteil und Pa s s iven auf .di e Kla-Las hat zur Böige? daß mit die Gesellschaft & erlöschen und die Klägerin als Rechtsnachfolgerin Gläubigerin der bisherigen GeseilSchaftBeorderungen geworden ist. Sie kann demgemäß.nunmehr den ursprünglich^ der Gesellschaft zustehenden Anspruch auf die Vertragsstrafe im eigenen Barnen geltend machen.» 1o Zu dem Anspruch der Klägerin auf Zahlung der verwirkten Vertragsstrafe führt das; Berufungsgericht aus, daß dieser Anspruch; nicht * seit dem":Zeitpunkt der-Verletzung der Wettbewerbs-Klaus oL zur Aufrechnung gegen das Kapitalkonto, oder gegen das Auseinandersetzungskonto des Beklagten stehe. nur eine Rechnungsziffer dar, die den Y/ert der jeweiligen w-irtschaftlichen Beteiligung des Gesellschafters am Gesell s oha ft sv exogen zun Ausdruck bringe * Las Kapitalkonto sei nicht dazu bestimmt, daß auf ihn die echten Forderungen und Schulden eines Gesellschafters gebucht werden, so daß das Kapitalkonto des Beklagten auch nicht um den vollen Betrag der verwirkten Vertx'agsstrafe vermindert worden sei,, Vielmehr stelle der Anspruch der Gesellschaft auf die Vertragsstrafe einen Passivposten auf dem Privatkonto des Beklagten dar und habe sich somit als echter Bestandteil des Ge seil sehafts Vermögens '• im Zuge der Währungsreform im Verhältnis 10 § 1 verminderte Auch eine Aufrechnung gegen das Auseinandersetsungskonto des Beklagten sei nicht möglich, weil die Abfindungsforderung des Beklagten vor Lurchführung der Auseinandersetzung noch nicht fällig und bis zu diesem Zeitpunkt eine Aufrechnung noch nicht zulässig sei» Soweit dis Revision gegenüber diesen Ausführungen rügt, das Berufungsgericht habe zu Unrecht die Möglichkeit einer Aufrechnung gegenüber dem- Abfindungsanspruch', ver^ • neint, kann ihr nicht gefolgt werden« Der Auseinander-setzungs- bsWo Abfindlingsanspruch einesciSeselisöhafters entsteht zwar bei*eit3 mit der Errichtung der Gesellschaft, er ist jedoch bis zur Feststellung der Auseinandersetzungs-bswo Aoschichtungsbilanz seiner Höhe nach unbestimmt und nicht fällig« Er unterliegt bis zu diesem Zeitpunkt entsprechend der Geschäftslage der Gesellschaft und den Ansprüchen der übrigen Gesellschafter ständigen Schwankungen, ohne daß vor Feststellung der Bilanz mit Sicherheit gesagt werden kann, welche Höhe er bei Fälligkeit haben v/erdco Fs kann demgemäß eine Abfindungsforderung vox* Feststellung der Abschichtungsbilanz auch noch nicht seitens der Gesellschaft erfüllt werden* Damit entfällt auch•die * ege der Aufrechnung mit einer fälligen Forderung dort Abfindungsanspruch ganz oder teilweise zu dem Erlös ehern zu bringen» zs fehlt in einem solchen Falle an der in § p8'7 BG3 vorgeschriebenen Voraussetzung, daß die Forderung, gegen die aufgerechnet wird, bereits erfüllbar istc Demgemäß besteht auch für die' Klägerin nicht die Möglichkeit, bereits jetzt ihre Forderung auf Zahlung der Vertragsstrafe zu? Dagegen kann der weiteren Rüge der Revision der Erfolg nicht versagt werden« Diese geht dahin, daß das Berufungsgericht zu unrecht unterstellt habe, daß bei der Gesellschaft ein Kapital-Konto und ein Frivat-Konto für jeden Gesellschafter geführt würde. raschtd Biese hätte bei einer richterlichen Fragerechts ( §-terBeweis gestellt, daß für die Gesellechafter nur ein Konto, nämlich das Kapital-Konto geführt worden sei, über das alle Gelder und Geschäftsvorgänge zu verbuchen gewesen seien«, 3s muß anerkannt werden* daß angesichts des Fehlens ausdrücklicher 'Vereinbarungen über das Kapital -•Konto ( Kapital-Anteil ) und über das Privat-Xonto in dem Gesellschaftsvertrag die Möglichkeit nicht"von der Hand gewiesen werden konnte, daß die Parteien im Bahmen ä.er Gesellschaft über die Führung der Konten für die Gesellschafter ( stillschweigend ) besondere Vereinbarungen getroffen hatten«, Biese Möglichkeit lag um so näher, als erfahrungsgemäß die Ausgestaltung bei der Führung der Ge- nur ein Konto, das Kapital-Konto, für jeden Gesellschafter geführt wurde, und daß vereinbarungsgemäß auf diesem Konto auch die echten Forderungen und Schulden eines jeden Verringerung de3 Kapital-Anteils eintreten sollte, dann würde sich das Peststellungsbegehren der Klägerin als begründet erweisen® In diesem Palle hätte die Klägerin-als Becutsnachfoigerin der Gesellschaft einen Anspruch darauf, daß mit dem Zeitpunkt, • in' dem die Vertragssträ’fe verwirkt wurde, oder mindestens mit dem Zeitpunkt, in dem der Anspruch geltend gemacht wurde, also in jedem Palle noch vor der Y/ährungs-. reforn, das Kapital-Konto des Beklagten in Hohe der verwirkten Vertragsstrafe zu belasten war* Die Verletzung des § 139 ZPO nötigt daher insoweit zu einer Aufhebung desUrteils und zur ZurUckverwe isung an das Berufungsgericht 0 die daher auch unabhängig von der Klägerin selbständig gegen ht v/erden kann» In diesem Palla wird das Berufungsgericht die Präge der Umstellung dieses Anspruchs einer erneuten Prüfung zu unterziehen haben und dabei folgende reciitliche Gesichtspunkte mit berücksichtig Hua liegeia die tatsächlichen Verhältnisse im vorliegenden Falle freilich andei’s, weil sich der Beklagte schon vor der Währungsr eform vertragswidrig verhalten und bereits damit die Vertragsstrafe verwirkt hatte. daß der Beklagte sich auch noch nach der Währungsreform, also zu einer Seit, als die Vertragsstrafe in voller UM angcdioht war, vertragswidrig verhalten hat. Die Annähme einer, fortgesetzten Handlung bedeutet nicht, dal das weitere vertragswidrige Verhalten überhaupt keiner rechtlichen Berücksichtigung zugänglich ist, sondern nur, daß ein solches fortgesetztes Verhalten lediglich die Verwirkung einer Vertragsstrafe auslösen kann. Es kann der vertragswidrig Handelnde nicht dadurch begünstigt werden, daß er durch einen einmaligen Verstoß nicht allein nach der 'Währungsreform seine Yertragspflichten verletzt hat, sondern daß sein Verstoß auch in die Seit vor der Währungs reform surückreichtc Bas würde eine Besserstellung des daß dex* Beklagte die Vertrags strafe in voller* JM verwirkt hat, so daß dem Zahlungsbegehren der Klägerin'-auf die noch nicht zugesprochenen JM 3 000< Bas Berufungsgericht ten Schadensersataanspruch der Klägerin insoweit, als diese von dem Beklagten auch eine Auszahlung des Gewinnes ver- Im übrigen sei die schuldhafte Vertragsver-let sung des Beklagten, die als Rechtsgrundlage für* diesen Schadensersatzanspruch in Betracht komme, nicht in der Gründung äe:c Gesellschaft sondern nicht der Klägerin, sondern der Gesellschaft NfHHB & erwachsen ist, so hindert' dieser Umstand nicht, daß die Klägerin den Schadensersatzanspruch jetzt im eigenen Namen geltend macht0 Auch insoweit ist sie als Eechtsnacafolgerin der aufgeiou-sben Gesellschaft llfllHl & Oj^^nunmehr selbst Gläubigerin geworden, sofern der Gesellschaft ein dahingehender Ersatzanspruch gegen den geklagten zugestanden hat. eines solchen Schadensersatzan-nur der Nachweis, daß die Firma bei Anglioderung eines eigenen Pappenver-arbeitungsbetriebes und ohne Errichtung der Gesellschaft & Ofli^Mdic von dieser Gesellschaft erzielten ben würde, sondern des weiteren auch die Feststellung, daß das vertragswidrige Verhalten des Beklagten darin bestanden hat, daß er der Firma NI .&.<0pp keinen eigenen pappejwerarbeitungsbetrieb angegliedert und statt dessen die Gesellschaft Gpjppp & Oppp errichtet hat0 Nur wenn diese Voraussetzungen gegeben sind, kann die für den Schadensersatsanspruch der Klägerin notwendige Kausalität zwischen dera-Verhalten des Beklagten und dem etwa entstandenen Schaden der Gesell- Hieraus satzanspruch der Klägerin nicht allein damit begründet werden kann, daß der Beklagte vertrag swi drig die Ges eilschaft hat. & Ojp^ erri cht e t Beklagten hat den geltend gemachten Schaden allein gewiß nicht ausgelöst, -weil ohne Errichtung der Gesellscha: GfllPPl^^ OpHpdic Firma NppP & cpiphaoch kei-nsn Gewinn aus einer Pappenverarbeitung gezogen hätte Es muss vielmehr zur Begründung des Schadensersatzanspruches der umstand hinzutrexen, daß der Beklagte zurzeit der Errichtung der* Gesellschaft GjpPIHR & O0p| verpflichtet war, der Firma 2«PPP & O^PP einen eigene anzugliedern. Verpflichtung kann jedoc trag der Klägerin nicht gespr 1944 zwischen den Parteien le später einmal bei gegebener auch auf die Pappenverarbeitung aussudehnen. Aus dieser Absprache hat das Berufungsgericht ohne ersichtlichen Eech/tsirrtum zwar die Verpflichtung des Beklagten entnommen, nichts zu veranlassen, was die Verwirklichung dieses Planes später"unmöglich machen könnte. kein eigener Verarbeitungsbetrieb ungegliedert worden, so daß sie in diesem Pall auch nicht die Gev/inne der (Je-Seilschaft erzielt haben würde» Bas vertragswidrige VexVialten des Beklagten ist demgemäß in .jedem Palle nicht kausal dafür’ .gewesen, daß der Firma -tBHBB & ^BHB der Verdienst aus einer eigenen Pappenverarbeitung entgangen ist® 2s muß daher als reclitsun-erheblich angesehen werden, ob die Firma •tatsächlich die von ihr' bezeichnet en Gewinne erzielt haben würde, so daß aus diesem Grunde die erhobene Revisions'1 rügenicht! Somit erweisen sich die Anträge der Klägerin • auf Zahlung von Schadensersatz als unbegründet , sä daß insoweit ihre Revision zurückzuweisen ist*