BGH · II ZR 99/64
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
ber 1947 auch der Beklagte aus russischer Kriegsgefangenschaft o Es gelang ihm eint:Lkw-Bahrgesteilt zu erstehen* das -er behelfsmäßig in einen Omnibus umbauto0 Er fuhr mit diesem Bus ab Oktober 1948 und erwarb in den nächsten Jahren eine Anzahl weiterer Omnibusse* die er im Linienverkehr und zu Ausflugsfahrten oinsetztCo Die Klägerin behauptet* sie habe sich in außergewöhnlicher Weise für den Aufbau des Betriebs eingesetzt* Io Es hat festgesteilt: Zwar habe die Klägerin während der ersten Aufbaujahre in den EauptVerkehrszeiten oder dann, wenn andere Schaffner ausgefallen seien, Schaffner-dienste geleistet * Ihre tägliche reine Schaffnertätigkoit ohne Vorbereitungs- und Abschlußarbeiten und ohne Fahrtpausen habe in den Monaten Februar, März und Juni 1951 mehr als sechs Stunden betragen und im übrigen zwischen 0,61 Stunden (Dezember 1949) und 3,43 Stunden (August 1950) geschwankt o Diese Mitarbeit finde ihre Erklärung darin, daß der Beklagte als Flüchtling in Aachen von vorn habe anfangen und die Klägerin ihm dabei habe helfen müssen & - Hach dem Aufbau des Betriebes habe die Klägerin von November 1951 bis Oktober 1952 jedoch nur noch insgesamt 34 Stunden als Schaffnerin gearbeitet und nachher überhaupt nicht mehr« Daneben habe die Klägerin bis zur Trennung der Parteien zwar gelegentlich auf telefonisches Verlangen anderer Verkehrsbetriebe Fahrzeuge zur Verfügung gestellt oder für den eigenen Betrieb Fahrzeuge gemietet und Aushilfskräfte gerufen, Aufträge für Vereinsfahrten entgegengenommen, Fahrtenschreiber konkrolliert und mit den Fahrern verhandelt» Sie habe jedoch alles das unter der Oberleitung des Beklagten und nur dann getan, wenn der Beklagte selbst und der für den Bürodion et Angestellte Buchhalter abwesend gewesen seien» Wesentliche Entscheidungen habe sie nie allein getroffen» Damit hat sich jedoch das Berufungsgericht entgegen der Ansicht der /Revision das Ergebnis der Zeugenaussagen nicht zu eigen gemacht, sondern es nur mitgeteilt» Es hat also nicht sagen wollen«, die Klägerin habe - entgegen den obigen Feststellungen - tatsächlich noch im Jahre 1953 als Schaffnerin gearbeitete Mach der Wiedergabe der Zeugenaussagen hat sich das Berufungsgericht nämlich mit einer von dem Beklagten eingereichten Aufstellung über die einzelnen SchaffnerZeiten befaßt und hat seinen Feststellungen nur diese Aufstellung zugrunde gelegt» Ebensowenig kann die Revision bei den hier gegebenen Verhältnissen etwas daraus herleiten, daß es zwischen Eheleuten nicht üblich sei, Uber die Tätigkeit “Buch zu führen”; denn eine genaue Abrechnung über die Fahrten und die Aufbewahrung dieser Abrechnungen war schon aus steuerlichen Gründen notwendig, und die Klägerin behauptet selbst nicht, jemals über ihre Fahrten als Schaffnerin nur lückenhaft abgerechnet zu haben.» Dieser auf Grund schriftlicher Unterlagen gefertigten Aufstellung konnte das Berufungsgericht den Vorzug vor den Zeugenaussagen über den Umfang der Schaffnertätigkeit geben, zu demal kein Zeuge einen Umstand .^angegeben hat, ans dem hätte entnommen werden müssen, die Klägerin habe entgegen der Aufstellung tatsächlich auch im Jahre 1953 noch Schaffnerdienstegeleisteto b) Das Berufungsgericht war nicht genötigt, auf Grund der Aussage der Zeugin über den Bürodienst der Klägerin weitergehende FestStellungen zu treffen, als es dies getan hat o Die Zeugin hatte nämlich die Klägerin nur am Telefon bei der gelegentlichen gegenseitigen Aushilfo mit Fahrzeugen erlebt und konnte sich deshalb darüber, wie die Aufgaben im Betrieb des Beklagten tatsächlich auf diesen, die Klägerin und den Buchhalter Y/4BBI verteilt gewesen sind* kein abschließendes Bild machen* 20 Das Berufungsgericht ist dem Landgericht darin gefolgt, daß die Klägerin ’‘mehr in dem Betrieb des Beklagten gearbeitet hat, als ihr nach § 1356 Abs* 2 aF BGB auferlegt war”* V Das ist hier der Fall gewesene Dabei ist vor allem von Bedeutung, daß sich der im September 1947 krank aus russischer Kriegsgefangenschaft entlassone Beklagte nach der Währungsumstellung aus bescheidensten Mitteln eine neue Existenz aufbauen mußte, um seinen und den Lebensunterhalt der Klägerin wieder zu sichernc Daß die Klägerin ihm dabei in den ersten Jahren, nämlich im wesentlichen bis Oktober 1951, als Schaffnerin half, war mit Rücksicht auf die Kinderlosigkeit der Parteien nur selbstverständlich, zu demal die Klägerin schon vor dem Kriege in dem Betrieb des Beklagten tätig gewesen war und ab 1950 eine Haushaltshilfe hatte« Die Klägerin hat damit lediglich getan, was der Beklagte nach § 1356 Abs* 2 BGB unter den obv/a 11 end en Umständen während der Aufbau zeit von ihr erwarten durfte0 Das gilt um so mehr, als dio Klägerin auch in dieser Zeit nur eingesprungen ist, wenn stundenweise März und Juni 1951 ist dabei keine Ausnahme zu machen; denn auch diese Monate fallen nach der Feststellung des Berufungsgerichts noch in die Aufbauzeit und in ein Jahr, in dem die Klägerin von Haushaltsarbeit durch eine Gehilfin weitgehend entlastet war. 3o Eine Mitarbeit, die sieh im Rahmen dessen hält» wozu ein Ehegatte nach § 1356 Abs» 2 BGB verpflichtet ist., kann die Annahme einer Innengesellschaft aber nicht recht-fertigen; denn sie wird auf Grund dieser gesetzlichen Bestimmung geleistet, so daß nur eine darüber hinausgeherde Mitarbeit den Schluß zuläßt, die Ehegatten hätten mehr als die Verwirklichung der eigentlichen ehelichen Lebensgemeinschaft , nämlich ein Gesellschaftsverhältnis, gewollt oder doch herbeigeführt (vgl» das Urteil des Senats vom 6» Juni 1963 - II ZR 32/61 - )« a) Die vor und während des Krieges in Öberschlesien von der Klägerin entwickelte Tätigkeit scheidet hier aus mehreren Gründen aus» Die Klägerin hatte, als sie im Mai 1938 zu dem Beklagten zog, lediglich eine Ausbildung als Lebensmittelverkäuferin und war bis dahin nach ihrem Arbeitsbuch nur als solche tätig gewesene Sie hatte das vom Beklagten seit 1934 allein aufgebaute Kraftverkehrsunternehmen während des Krieges nur als Taxiunternehmen mit einem oder zwei pkwo fortgeführt, auch wenn 3ie sich in ihrem Arbeitsbuch im Jahre 1941 als Betriebsführerin bezeichnen ließ» Unter diesen Umständen ist es nicht möglich, für die Zeit bis 1945 ein Gesellschaftsverhältnis zwischen den Parteien anzunehmen» Davon abgesehen mußten die Parteien in Aachen neu beginnen* ohne dabei auf Vermögenswerte aus dom früheren Betrieb zurückgreifen zu können» Förderlich war dem Beklagten nur, daß er bereits in Oberschlesien ein Omnibusunternehmen gehabt hatte0 Dieser Umstand aber war lediglich in seiner Person begründet* nicht in der der Klägerin* auch wenn die Klägerin es war* die die Konzossionsunterlagen aus Schlesien gerettet hatte« b) Auch der Antrag der Klägerin vom 24 o August 1947» die Erlaubnis zu dem Betrieb eines Kraftdroschkenunternehmens zu verlängern* ergibt nicht* daß die Parteien später das Omnisbusunternehmen* also ein anderes Geschäft* im Innen« Verhältnis gemeinsam betrieben hätten; denn dieser Antrag ist nicht dafür ursächlich gewesen* daß dem Beklagten im Frühjahr 1948 ein Lkw-Fahrgesteili, zugewiesen wurde« daß der Beklagte dieses in einen Behelfsomnibus umgestaltete und daß er damit nach und nach sein heutiges Unternehmen aufbautGo c) Endlich kann die Klägerin nichts daraus herloiton* daß sie den kranken .arbeitsunfähigen Beklagten nach dessen Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft im September 1947 bei sich aufgenommen* ihn gesundgepflogt und ihn angeblich unterhalten hat* bis er selbst wieder Einnahmen hatte„ Alles das tat sie im Rahmen der ehelichen Lebensgemeinschaft und nicht auf Grund eines besonderen gesollsehafts-rechtlichen Verhältnisse3o Dazu gehörte auch* daß sie dem Beklagten Gelegenheit gab* im Anfang die Büroarbeiten in der Wohnung zu verrichten*