BGH · II ZR 87/57
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Auch wenn der Halter eines Kraftfahrzeugs, der die Kfz-Haftpflichtversicherung genommen hat, nicht zugleich Eigentümer des Fahrzeugs ist, erlischt, die Versicherung bei einem Hälterwechsel nicht, wenn, nicht das Fahrzeug dauernd außer Gebrauch gesetzt wird; vielmehr genießen dann- der mitversicherte jeweilige Halter und Fahrer weiter Versicherungsschutz» Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 22» September 1953 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Br. Rastelski und der Bundesrichter Br» Haidinger, Br» Kuhn, Br. Haager und Br. Reinicke für Recht erkannt* Der schriftliche Kaufvertrag wurde erst am 8« November 1954 abgeschlossen, nachdem ein Ersatz für die von zurückgehaltene schriftliche Betriebserlaubnis (§ 67 a Abs« 6 StVZO) beschafft worden in Betrieb genommen« Am 30« September 1954 benutzte es sein damals 16 Jahre alter Sohn und verletzte auf dieser Fahrt den Polizeimeister i« R« B0 schwer, daß dieser an den Folgen des Unfalls starb« Auf die Klage der Witwe des Verunglückten wurden der Kläger als Halter und sein Sohn als Gesamtschuldner zur .Zählung von 1«353,56 DM verurteilt, außerdem sind sie aus diesem Rechtsstreit noch mit einer ICostenverbindlichkeit von 290,70.DM sicherungsvertrag nach § 68 Abs« 2 WO erloschen seio Außei dem bestreitet sie, daß der Kläger schon zur Zeit des Unfalls Halter des Mopeds gewesen sei« Bas Landgericht hat der Klage stattgegeben? Bas Berufungsgericht versagt dem Kläger den Versicherungsschutz mit der Begründung, daß dieser nicht nach § 158 h WO Rechtsnachfolger des als Versic^erunßsne^i'fiers geworden sei und daß er auch nicht als mitversicherter Halter des Mopeds Versicherungsschutz genieße; denn der Versicherung! vertrag und damit auch die Mitversicherung des Klägers seien schon vor dem Unfall nach § 68 Abs, 2 WO, § 6 Ziff«. Io) Soweit der.Kläger von der Beklagten Befreiung von den ihm im vorangegangenen Haftpflichtprozeß in seiner Eigenschaft als Halter des Mopeds rechtskräftig auferlegten Verbindlichkeiten begehrt, ist die in diesem Vorprozeß getroffene Feststellung, daß er zur Zeit des Unfalls, Halter des Mopeds gewesen sei,, auch für den jetzigen Deckungspro-zeß bindend (RßZ 167» 243 [246]; Prölss WC- 10. 20'^sts Berufungsgericht hat hierbei auf Grund der vom Landgericht' durchgeführten Beweisaufnahme rechtlich bedenkenfrei festgestellt, daß dem Xläger schon vor dem Unfall von der Firma die Verfügungsgewalt über das Moped eingeräumt worden ist -und daß er es daraufhin dann auch für eigene Rechnung in Gebrauch genommen hat. . 30 War aber der Kläger damals Halter, so genießt er nach § 10, AKB als Mitversicherter Versicherungsschutz für alle Haftpflichtansprüche, die aus dem Gebrauch des Fahrzeugs auf Grund der gesetzlichen Haftpflichtbestimmungeh privatrechtlichen Inhalts gegen ihn erhoben werden, also nicht nur für Haftpflichtansprüche aus § 7 StVG, sondern auch für solche aüs §§ 823 ff.und damit auch für Ansprüche aus § 832 BGB (BGH VersB 37, 385; Thies-Hagemann aaO So 229; Stiefel-tyussow AKB 3» Aufl. sicherten Interesses das Versicherungsverhältnis gemäß § 6S AhSc 2 WG, § 6 Ziff.3 AKB und damit auch die Versicherung des Klägers als Halters erloschen seien, Kann nicht gefolgt werden* Schon dies ist nicht richtig- Bei der Haftpflichtversicherung bildet den Gegenstand der Versicherung das Interesse, das der Versicherungsnehmer oder Versicherte daran hat, daß sein Vermögen nicht mit Haftpflichtverbindlichkeiten belastet wird (BGHZ 15, 154 [158]; jprölss, VVG § 149 Anm, 6)o Jfun hat zwar der Eigentümer eines Fahrzeugs, auch wenn er nicht zugleich Halter ist, ein mit der Haftpflichtversicherung versicherbares Interesse, weil er schon auf Grund seines Eigentums an dem Fahrzeug Haft-pflichtansprächen, die durch dessen Gebrauch erwachsen können, ausgesetzt sein kann (PrÖlss, JZ 53, 658 [659])» Dem Abzahlungskäufer drohen hingegen auf Grund seines bloßen Anwartschaftsrechts auf den Erwerb des Eigentums an dem Fahrzeug solche Ansprüche noch nicht. c) Auch wenn man davon ausgeht, daß schon vor dem Unfall die Haltereigenschaft des und ^amit auch sein eigenes mit dem Abschluß des Versicherungsvertrages versichertes Interesse für dauernd weggefallen seien, so folgt daraus entgegen.der Auffassung des Berufungsgerichts noch nicht, daß dadurch das ganze Versicherungsverhältnis und damit auch die Mitversicherung' des jeweiligen Halters und Fahrers erloschen seien.» Bas Berufungsgericht hat hierbei nicht beachtet, daß die Kfz-Haftpflichtversicherung - unabhängig von dem individuellen Y/illen des Versicherungsnehmers - immer sowohl eine Eigen- als auch eine fremdver-Sicherung enthält, indem hei ihr nie lediglich das Interesse des Versicherungsnehmers seihst, sondern nach § 10 AKB immer zugleich auch das Interesse des jeweiligen Halters und Fahrers mitversichert ist• Dies ist auch dann der Fall, wenn die Versicherung nicht, wie in dem Normalfäll, vpn dem § 10 AKB ausgeht, von dem Eigentümer des Fahrzeugs, sondern, wie hier, von dem von ihm verschiedenen Halter genommen wird. Bie Beendigung einer Versicherung bei dauerndem Wegfall des versicherten Interesses beruht nur darauf, daß sich dann das versicherte Wagnis nicht mehr realisieren kann und deshalb damit die Orund- Bestehen aber bei einer V< Sicherung» bei der neben dem eigenen Interesse des Versieb rungsnehmers selbst zugleich auch Interessen Dritter mifcve sichert sind» auch nach dem Wegfall des eigenen Interesses des Versicherungsnehmers selbst die mitversicher ten Interessen derDritten weiter fort, so bleibt der Versicherer weiter mit diesen Wagnissen belastet und deshalb fehlt es dann auch an einem Grund für die Beendigung des Versiche-rungsverhältnissea. Dieser Pall liegt bei der Kfz-Haftpflichtversicherung dann vor, wenn zwar der Halter, der die Versicherung genommen hat, seine Haltereigenschaft aufgibt, das Fahrzeug aber weiter in Gebrauch bleibt und deshalb der mitversicherte jeweilige Halter und Fahrer weiter den Haftpflichtgefahren ausgesetzt sind. daß in einem solchen Fall die Versicherung wegen des Wegfalls des eigenen Interesses des Versicherungsnehmers erlösche, ist nicht halt bar, weil hierbei nicht berücksichtigt wird, daß bei der Kfz-Haftpflichtversicherung zugleich auch Fremdinteressen» nämlich die des jeweiligen Halters und Fahrers mitversichert sind und deren Bestand von dem Wegfall des eigenen Interesses des Versicherungsnehmers nicht berührt zu werden brauch Diese Auffassung ist insbesondere auch nicht mit dem Sinn und Zweck des Pflichtversicherungsgesetzes vereinbar, das sich nicht nur auf die in § 158 c WG getroffene Regelung zu dem Schutze der Verkehrs Opfer'beschränkt, sondern auch einen kontinuierlichen Fortbestand der- gesetzlich vorgeschriebenen Versicherung, unabhängig von dem Wechsel in der Person des Versicherungspflichtigen, erstrebt, wie sich aus Art« 1 § 1 des Pflichtversicherungsgesetzes vom 7«- November 1939? so kann doch nicht zweifelhaft sein, daß' diese Berechtigung jedenfalls dann als gegeben anzusehen ist, wenn der Halter die Berechtigung von demjenigen erhalten hat? einem anderen die zu dem Gebrauch des Fahrzeugs für eigene Rechnung erforderliche Verfügungsgewalt einzuräumen (vgl* BGHZ 13, 351 [354])o Das war im vorliegenden Fall fraglos die Firma ObW0-Ha sie dem Kläger das Fahrzeug überlassen hat, kann dieser keinesfalls als unberechtigter Halter angesehen werden» Ist die Versicherung? von einem anderen als dem Verfügungsberechtigten genommen, so bedarf es entgegen der Auffassung des Berufungsgerichts - ebensowenig wie beim Fahrer - auch noch einer Erlaubnis des Versicherungsnehmers c Eine Beschränkung des Versicherungsschutzes auf den berechtigten Halter ließe sich?