BGH · II ZR 86/60
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
1st einer Bank bekannt, daß sich unter den Schecks, die von einer in gefährdeter Lage befindlichen Schuldnerin zur Gutschrift auf ihrem erheblich überzogenen Konto eingereicht werden, solche befinden, die auf von ihr selbst gewünschte Prolongationen von Wechseln zurückgehen und vom Aussteller zur Einlösung der Erstwechsel bestimmt sind, so verstößt sie gegen die im redlichen Geschäftsverkehr maßgebenden Auffassungen über das mit dem allgemeinen Anstandsgefühl Verträgliche, wenn sie die eingereichten Schecks unterschiedslos der Schuldnerin, der sie keinen Kredit mehr gewährt, auf ihrem laufenden Konto gutbringt» Sie haftet dem Aussteller nach § 826 BGB, wenn sie dessen Schädigung durch Nichteinlösung der Erstwechsel bewußt in Kauf nimmt» Die Klägerin hat per Firma G«0BB* Möbelfabrik Gerhard KojKpPMF in Ware gegen Breimonatsakzept gelieferte Die von ihr ausgestellten und von der Firma Gsgfgu angenommenen Y/eehsel waren bei der Beklagten, der Hauebank der Firma Gffe», zahlbar „ Am 22, 10, 1958 war ein Wechsel über IOoOOO DM, am 24« Oktober 1958 ein solcher über 5,000 DM und am 28« Oktober 1958 ein weiterer über IOoOOO DM fällig, Die Firma GUP stand im Oktober 1958 mit etwa 2,6 Milli onen DM bei der Beklagten im Debet, Die Beklagte löste die bei ihr zahlbaren fälligen Wechsel der Firma 0—> nur noch ein, wenn an dem betreffenden Tage entsprechende Anschaffungen der Firma Gfll Vorlagen« Diese reichte der Beklagten jeweils zu dem 1« oder 15- eines jeden Monats Akzeptlisten ein, aus denen die fälligen Wechsel ersichtlich waren« Die Liste für die Zeit vom h bis-15. 24 o und 28« Oktober 1958 fälligen Wechsel, Die Firma GdjgH reichte am 23° Oktober 1953 den Scheck mit vier weiteren anderer Firmen bei der Bank ein, ohne einen besonderen Verwendungszweck anzügeben«, Die Scheckbeträge von zusammen 40o8.65740 DM wurden der Firma G#B§ am 23« Oktober 1958 auf ihrem laufenden Konto gutgeschrieben» Am selben Tage wurden Verfügungen über das Konto vorgenommeru Der Debetsaldo voÄ 22o Oktober 1958 von 2o714<>467348 DM verminderte sich am Jlj 25. Am 24-c Oktober 1958 beschloß der Sparkassenrat der Beklag-jj ten, keine Schecks und Wechsel der Firma G^p mit Ausnahme der Lohnschecks mehr einzulösen« Der am 22« Oktober 1958 fällig gewesene Wechsel der Klägerin, der am 24* Oktober 1958 hätte bezahlt werden sollen, wurde ebenso wie die beiden weiteren nicht mehr vonjder Beklagten eingelöst, As 25« Oktober 1958 beantragte die Beklagte das Konkursverfahren über das Vermögen der Firma G§^, das am gleichen läget eröffnet wurde« Die drei von der Klägerin ausgestellten Wechsel gingen zu Protest und wurden von ihr im Rücklauf eingelöst« Die Klägerin hat von der Beklagten Zahlung des Betrages von 20=000 DM nebst Zinsen als Ersatz des Schadens ver- 4 langt, der ihr dadurch entstanden sei, daß der Scheck nicht zur Einlösung der von ihr ausgestellten Wechsel verwendet worden sei« Sie hat behauptet, zwischen der Firma Gmu und der Beklagten sei vereinbart worden, daß diese mit den Schecks, die von den Ausstellern fälliger Wechsel stamm-ten, jeweils deren Wechsel losen solle, die durch Prolongationswechsel ersetzt worden».waren« prolongiert werden sollen« Auch wenn die Firma leine ausdrückliche Anweisung erteilt habe, den Scheck nur zur Einlösung der Wechsel der Klägerin zu verwenden, sei dies für die Beklagte nach den Umständen selbstverständlich gewesen« Diese habe gewußt, daß sie, die Klägerin, eine Liefe-] Die Beklagte nahe sittenwidrig gehandelt, wenn sie Schecks, hei de-nen ohne weiteres der Verwendungszwecks erkennbar gewesen sei, dem überzogenen Konto der Birma gutgebracht und die entsprechenden Wechsel,nicht eingelöst habe« Sie hat eine Anweisung der Firma GÜÜ) über die Verwendung des Schecks bestritten« Die Schecks hätten zunächst ausgereicht, um alle fälligen Wechsel einzulösen, und dies sei in Übereinstimmung mit der Firma GdjBB unabhängig davon geschehen, ob für die Einlösung gerade ein Scheck des Wechselausstellers eingegangen sei« Iv Das Berufungsgericht führt aus, die Klägerin habe mit der Beklagten keine Absprache Uber die Verwendung des Schecks über 20 000 DM getroffen« Auch die Firma GÜü habe der Beklagten keine Anweisung gegeben, diesen Scheck nur zur Einlösung der demnächst fälligen Wechsel der Klägerin zu verwenden« Die Firma G|jpi habe allgemein die an einem bestimmten Tage eingereichten Schecks zur Einlösung der an diesem Tage zu bezahlenden Wechsel bestimmt, und die, Beklagte sei entsprechend verfahren« Am 23, Oktober 1953, dem Tage der Einreichung des Schecks der Klägerin, seien die von dieser ausgestellten Wechsel noch nicht in die Liste der einzulösenden Papiere aufgenommen gewesen, und Sie habe mit dem Scheck das getan, was sie habe tun sollen, nämlich ihn dem Konto der Firma G^jjÜ gutge-brachte Sie habe insbesondere nicht sittenwidrig gehandelt und die später fälligen Wechsel der Klägerin unbezahlt lassen können, weil die Firma GÜÜj keine Deckung mehr angeschafft habe» Die Revision wendet sich gegen-die rechtliche Beurteilung des Berufungsgerichts» Die Rüge ist begründet» des eingereichten Schecks nicht genügend Rechnung» Die vom Berufungsgericht für festgestellt erachtete Anweisung der Firma Gfüfe zur unterschiedslosen Verwendung des Schecks stand im Widerspruch zu der ihr von der Klägerin erteilten Verfügungsmacht» Der Scheck ist auf Grund einer Pro-longaticnsabrede der Firma gegen Hingabe von Ver~. längerungswechseln übersandt worden» Daraus ergab sich, daß er ausschließlich zur Aufbringung derjenigen Mittel dienen sollte, die nötig waren, um die entsprechenden Erstwechsel einzulösen» Die Firma GHHt traf daher zur Vermeidung einer Schädigung der Klägerin die Pflicht, den Scheck nur in der Art zu verwenden, daß die Einlösung der Erstwechsel sichergestellt wurde» Geschah dies nicht, so verlor die den Kredit verlängernde Klägerin den Scheckbetrag, da sie den Erstwechsel im Rücklauf ein-lösen mußte (vgl» für den Erlös von Verlängerungswechseln BGKZ 8, 276)o Der Sittenverstoß der Beklagten könnte darin liegen, daß sie den Mißbrauch der Firma Güü erkannt oder jedenfalls für möglich gehalten, aber gleichwohl beliebige Wechsel mit dem Scheckbetrag eingelöst hat, obschon sie nach der damaligen Lage der Firma Gggü eine Schädigung der Klägerin vorausgesehen oder, auch nur für möglich gehal-j ten, aber in Kauf genommen hat» Das ergebe sich schon daraus* daß die Klägerin eine der Beklagten bekannte Lieferantin der Firma GH® gewesen sei* die in erheblichem Umfange Lieferungen gegen Akzepte vorgenominen habe, Die Bezahlung einer Verbindlichkeit durch einen Scheck an die Firma sei daher* wie die Beklagte gewußt habe* Die Beklagte hatte schon vor dem 23« Oktober 1958 die Firma Gf® in häufigen Telefongesprächen drängen müssen* Anschaffungen zur Einlösung fälliger Wechsel zu machen (Tatbestand des Urteils des Landgerichts S. lösung prolongierter Erstwechsel bestimmt , als sittenwici- ff rig angesehen werden* Das Landgericht hatte ausgeführt, die Beklagte habe jedenfalls gewußt, daß es sieh bei man- I chem der ihr .eingereichten Schecks um Prolongationsschecks J gehandelt habe, weil sie selbst der Firma Gdf&i geraten hate, f so weit wie möglich durch Wechsel und Schecks Prolongatio- j nen zu versuchen« Eine Bank, die weiß, daß sich unter den | Schecks, die von einer in gefährdeter Lage befindlichen Schuldnerin zur Gutschrift aus ihrem erheblich überzogenen f Konto eingereicht werden, solche befinden, die auf von ihr { selbst gewünschte Prolongationen zurückgehen und vom Aus- f steiler zur Einlösung der Erstwechsel bestimmt sind, ver- J stößt also gegen die im redlichen Geschäftsverkehr maßge- | benden Auffassungen über das mit dem allgemeinen Anstands- j gefühl Verträgliche, wenn sie die eingereichten Schecks | unterschiedslos der Schuldnerin, der sie keinen Kredit mehr® gewährt, gutbringt und beliebige Verfügungen über den gut-;® geschriebenen Betrag zuläßt, ohne sich darum zu kümmern, L* bei welchen Schecks eine Pflicht des Einreichers vorliegt, w den Scheckbetrag nur zur Einlösung bestimmter Wechsel zu m verwenden« Die Sittenwidrigkeit liegt dann darin, daß die Bank, die auf der einen Seite Prolongationen anderer Glau- f biger zur Stützung ihrer Schuldnerin veranlaßt hat, auf der | anderen Seite bei gefährdeter Lage der Schuldnerin keine 1 Vorsorge trifft, daß Schädigungen der Prolongationsgläubi- I ger vermieden werden, solche vielmehr bewußt in Kauf niiMtJ| daß -zwei von der Klägerin ausgestellte Wechsel über je 10 000 DM in den nächsten Tagen bei ihr zur Zahlung fällig waren« Angesichts der sich zuspitzenden Lage der Firma GÜH war es Sache der leitenden Angestellten der Beklagten? den Scheck nur zur Einlösung der demnächst fälligen Wechsel der Klägerin zu verwenden und nicht ihrem laufenden Konto? daß sie der Firma Gakm zu einer von dieser begangenen Untreue wissentlich Hilfe geleistet hat {.§ 823 Abs, 2 BGB; §§ 266, 49 StGB)* Der bedingte Vorsatz würde g nügen, Die Beklagte nahm nach den Behauptungen der Kläger! die am 23* Oktober 1958 eingereichten Schecks mindestens mit dem Bewußtsein entgegen, daß sich unter ihnen Prolongs tionsschecks befanden, die der Firma Gl||| zur Einlösung vo Erstwechseln anvertraut waren und von dieser im Bewußtsein des Verfügungsmißbrauchs und der Benachteiligung der Ausstellerin weitergegeben waren (vgl, BGHZ 8, 281), Nahm sie dies in Kauf' und schrieb sie in diesem Bewußtsein die Sets* dem laufenden Konto der Firma GAP gut, so kann darin eine Billigung der Vermögensgefährdung der Klägerin liegen. rufungsgeriehts ohnedies aufgehoben werden muß«: Hie Notwendigkeit, den Zeugen Schw^HBHMfe erneut zu vernehmen, kann sich schon daraus ergeben, daß seine Aussage nach dem Ergebnis des Revisionsverfahrens auch für das Vorbringen der Klägerin bedeutsam ist, die Beklagte habe trots kritisch werdender Lage der Firma GfÜ keine Vorkehrungen getroffen, um zweckbestimmte Prolongationsschecks durch Prüfung der Akseptliste aussusondern und eine mißbräuchliche Verwendung sur Gutschrift auf dem Konto zu verhindern„ IV, Bas Vorbringen der Beklagten, der Klägerin sei kein Schaden entstanden, weil den von der Firma G4P akzeptierten Wechseln infolge Mangelhaftigkeit der Ware keine Forderungen zugrundegelegen hätten, ist unerheblich„ Bie Klägerin hat aus ihrem Vermögen den Scheckbetrag vergeblich aufgebracht, um die von ihr im Rahmen der Prolongation übernommene Einlösung der Erstwechsel vorzunehmen* 'Wäre die Beklagte mit dem [Scheck bestimmungsgemäß verfahren, so wäre es nicht zu einer anderweiten Einlösung und damit zu dem Verlust des Scheckbetrages, der von der Firma G|m nicht zurückzuerlangen ist, gekommene Ob der Klägerin vorder Firma G^gp gegenüber der Haftung aus Prolongationswechseln entgegengehalten werden konnte, es bestehe keine Forderung auf Bezahlung von Lieferungen, ist für die Entstehung eines Schadens durch die fehigeschlagene Einlösung der Erstwechsel ohne Bedeutung« Ylo Die Sache war hiernach unter Aufhebung des angefochtenen Urteils an das Berufungsgericht zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung zurückzuverweisen * Dis Entscheidung über die Kosten der Revision war dem Berufungsgericht zu überlassen5 da sie vom Ausgang der Sache abhängt»