BGH · II ZR 83/58 vom 22.10.1959
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Von Hechts wegen Tatbestands Der Beklagte wurde durch den Regierungspräsidenten in Münster ab 1» Oktober 1955 zu dem Bezirksschornsteinfegermeister auf Probe für den Bezirk Münster-Stadt XI bestellt, Entgegen § 28 der Verordnung über das Schornsteinfegerwesen (VOSch) vom 28» Juli 1957 (BGBl I5 831) erwarb er nicht die Mitgliedschaft bei der klagenden Versorgungsanstalt, einer Körperschaft des öffentlichen Rechts« Daraufhin widerrief der Regierungspräsident seine Bestellung« Über die Rechtswirksamkeit des Widerrufs schwebt ein noch nicht; rechtskräftig entschiedenes verwaltungsgerichtliches Verfahren« «1«, Über Streitigkeiten aus dem Mitgliedschaftsverhältnis zwischen den Mitgliedern, den Ruhegeld-empfängem, deren Hinterbliebenen und der Versorgungsanstalt entscheiden die ordentlichen Gerichte«, ... Den Anspruch auf Beitragszahlung stützt die Klägerin darauf 9 daß nach § 1 der Verordnving über die soziale Versorgung im Schornsteinfegerhandwerk (SchVersVO) vom 28* April 1942 (RGBl I? 257) jeder Kehrbezirksinhaber auch dann, wenn er nicht Mitglied der Klägerin sei, zur Beitragszahlung an sie verpflichtet sei«» Der Beklagte meint, daß § 30 der Satzung der Klägerin gegenüber denjenigen, die nicht ihre Mitglieder seien, nicht die Zuständigkeit des angerufenen Gerichts begründen und den Rechtsweg eröffnen könne; ferner verstießen § 28 der VOSch von 1937 und § 1 der VO der SchVersVO von 1942 gegen das Grundgesetz* Das Berufungsgericht meint, daß § 30 der Satzung der Klägerin von 1953 nicht den Gerichtsstand des angerufenen Gerichts begründen könne,, weil der Bundesgesetzgeber den Gerichtsstand in der Bundesgesetzgebung-bereits abschließend geregelt habe und daneben kein Raum für eine andere Regelung durch eine Satzung sei* Außerdem sei § 30 der Satzung nicht durch die Ermächtigungsnorm des §* 6 der SchVersVO von 1942 gedeckt; denn § 6 ermächtige die Klägerin nur, materiellrechtliche Bestimmungen über die Rechte und Pflichten der beitragspflichtigen Michtmitglieder zu treffen, nicht aber Vorschriften über das Gerichtsverfahren zu erlassen* Eine solche Ermächtigung hätte nach Auffassung des Berufungsgerichts jedenfalls deutlicher zu dem Ausdruck gebracht werden müssen» Zudem sei zweifelhaft, ob der Reichswirtschaftsminister mit seinen Verordnungen von I*) Es ist nicht richtig* daß die Gerichtsstände in der ZPO und in den sie ergänzenden Bundesgesetzen abschlie-^ ßend geregelt seien* so daß daneben für eine andere Regelung durch eine Satzung kein Raum mehr sei« Ba das gesamte Ziyilprozeßrecht durch Gesetz abgeändert und ergänzt werden kann* so können auch Gerichtsstandsbestimmungen* die in der ZPO nicht enthalten sind* durch ein Gesetz getroffen werden» Burch.ein solches können sogar öffentlichrechtliche Rechtst Streitigkeiten dem ordentlichen Rechtsweg zugewiesen werden (RGZ 154p-207; 164*- 226* 228; Wieczorek* ZPO § 13 GVG Anm* Es» 102; Baumbach* ZPO § 13 GVG Anm» 1 B)» Weder hierfür noch für eine Gerichtsstandsbestimmung bedarf es eines Gesetzes im formellen Sinn* es genügt vielmehr ein Gesetz im materiellen Sinn. Ein solches ist neben der HechtsVerordnung auch die von einer Körperschaft des öffentlichen Rechts er- -lassene Satzung* die nicht nur verbandsinteme* auf den Mitgliederkreis beschränkte Angelegenheiten regelt» Als sekundäre Rechtsquelle bedarf sie zu ihrer Wirksamkeit allerdings einer gesetzlichen oder gesetzlich gedeckten Ermächtigung (Porsthoff, Verwaltungsrecht 7» Aufl.» können entgegen der Auffassung des Berufungsgerichts keine Bedenken gegen die fragliche Satzungsbestiininung hergeleitet werden9 weil sowohl diese Bestimmung als auch die gesetzliche Irmächtigung?, auf der sie beruht, nämlich § 6 der SchVersVO von 1942 und Arte 2 des Gesetzes vom 13«4ol935 (RGBl I, 507), einheitlich für das ganze Bundesgebiet gelten? 2,0) § 30 Abs« 3 der Satzung der Klägerin von 1953 bestimmt München als den jetzigen Bitz der Klägerin.zu dem ausschließlichen Gerichtsstand« Biese Bestimmung bezieht sich nach dem ganzen Sinnzusammenhang des § 30 auf alle Rechts-Streitigkeiten? für die gemäß § 30 Abs» 1 der Rechtsweg vor den ordentlichen Gerichten gegeben isto Der Wortlaut des § 30 Abs« 1 führt nun allerdings in der zur Zeit der Klageerhebung geltenden Fassung nur die Rechtsstreitigkeiten aus dem Mitgliedschaftsverhältnis zwischen der Klägerin und den Mitgliedern? ihre Prozesse anders zu behandeln als die der Mitglieder« Durch § 6 der SchVersVO wurde demgemäß, die schon nach der damaligen Satzung der Klägerin von 1937 geltende Regelung« .wonach für Rechtsstreitigkeiten zwischen der Klägerin und ihren Mitgliedern der ordentliche Rechtsweg gegeben und hierfür in Anlehnung an die §§ 17« 22 ZPO der damalige Sitz der Klägerin in Berlin als (ausschließlicher) Gerichtsstand bestimmt ist (§§ 1 AbSo 4? auch auf die Rechtsstreitigkeiten zwischen der Klägerin und den beitragspflichtigen Hichtmitgliedern ausgedehnte An dieser Rechtslage hat sich dann auch durch die zur Zeit der Klageerhebung geltende Satzung von 1953 nichts geändert. daß der Rechtsweg für alle Rechtsstreitigkeiten der Klägerin sowohl mit ihren Mitgliedern als auch mit ihren beitragspflichtigen Kichtmitgliedern gegeben ist und daß demgemäß auch die in der Satzung getroffene Gerichtsstandsbestimmung für alle diese Streitigkeiten gilt. die hiernach sowohl für die Zulässigkeit des Rechtsweges als auch für die Rechtswirksamkeit und den Geltungsbereich der in der Satzung getroffenen Gerichtsstandsbestimmung von grundlegender Bedeutung ist? die nicht Mitglieder der Klägerin.sind nähere Bestimmungen zu treffen, Die VOSch von 1937 .1st nach ihrem Vorspruch ihrerseits auf Grund des Art, 2 des^Gesetzes zur Xnderung der Gewerbeordnung vom 13o4*1935 (RGBl I, 508) erlassene Biese Bestimmung hat den Reichswirtschaftsminister ermächtigt, im Einvernehmen mit dem Reichsminister des Innern zur Durchführung dieses Gesetzes Rechtsverordnungen zu erlassene, Sie stellt also auch die gesetzliche Grundlage für §■ 6 der SchVersVO von 1942 dar«. Die in Art.* 2 des Gesetzes von 1935 erteilte Ermächtigung war nach*den damals geltenden Rechtsgrundsätzen rechtswirksam, weil sie einen beschränkten Inhalt hatte, auf ein bestimmtes Bebensgebiet begrenzt und in einen bestimmten gesetzlichen Rahmen eingefügt war (BVerwG 2, 137 [138]), Ihre Rechtswirksamkeit kann nach. 80 GrundG hält (BVerfG.2, 307, 327) « Da von der gesetzlichen Ermächtigung •schon vor Erlaß des' Grundgesetzes durch die Verordnungen ;von 1937-und. 1942 Gebrauch gemacht worden ist, können auch aus Art0-129 AbSo 3, GrundG keine Bedenken gegen die Rechtswirksamkeit dieser Verordnungen'hergeleitet werden (BVerwG 2, 137, 139)o 4p) Das Berufungsgericht hat allerdings Bedenken, ob der Reichswirtschaftsminister mit seinen Verordnungen von 1937; und 1942 nicht den ihm in Art, 2 des Gesetzes von 1935 gezogenen Ermächtigungsrahmen überschritten habe. Es meint, daß das Gesetz vom 13*4»1935 nur die Einrichtung von Kehrbezirken und Kehrmonopolen, die Bestellung und den Widerruf von Bezlidcs schornsteinfegermeis tern, die Aufhebung von Bchornsteinfeger-Realrechten und die Aufstellung einer Ü?axe für die Bezirkss oho ms teinfegermeister zu dem Gegenstand habe« Bas Berufungsgericht hat Zweifel, ob sich im Hinblick hierauf die Ermächtigung des Reichswirtschaftsministers zu dem Erlaß von RechtsVerordnungen auch auf die Regelung dex*