BGH · II ZR 69/57
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
nicht genügend Platz war, stellte er den Anhänger regelmäßig auf dem Grundstück einer Tankstelle ab* das auch von anderen Kraftfahrzeugen zu dem Parken benutzt wurde» Die Tankstelle war seit Januar 1955 nachts zeitweise nicht besetzt? indem er den Anhänger ohne jede Sicherung auf dem unbewachten Platz äbgesteilt habe«, Hierin liege zugleich eine nicht angezeigte Gefahrerhöhung? Da sich die Beklagte schon aus diesen Gründen nicht auf eine Befreiung von ihrer Leistungspflicht wegen Gefahrerhöhung berufen kann, braucht auf die weiteren, auf § 25 Abs, 2 VVG gestützte Hilfsbegründungen des Berufungsgerichts hi au nicht eingegangen zu werden. 2,) Das Berufungsgericht hält auch den Einwand der Beklagten für unbegründet,, daß sie nach § 61 WG von ihrer Leistungspflicht frei sei, weil der Kläger die Entwendung des Anhängers durch grobe Fahrlässigkeit herbeigeführt habe. Diese Voraussetzungen sieht es aber im vorliegenden Fall aus folgenden Gründen nicht als erfüllt ans Der Kläger habe zwar schon vor dem Diebstahl gewußt, daß die Tankstelle seit Anfang 1955 nicht mehr täglich durchgehend auch während der Nachtstunden besetzt war. Klägers, sei auch dadurch erschwert worden, daß der 12-1 o -Ki pp anhäng e r nur mit Hilfe einer Zugmaschine oder eines entsprechend starken* Lkw fortgeschafft werden konnte, das Ankuppein und Rangieren auch eine gewisse Zeit erforderte und Diebe unter diesen Umstän- Hit dem Auftreten einer solchen Bande von Schwerverbrechern* die sich auf Lkw-Anhänger spezialisierte, habe der Kläger nicht zu rechnen brauchen«, Die Behauptung des Klägers* er habe ein Bad des Anhängers mit einer Eisenkett© blockiert* sei zwar nicht erwiesen* aber unerheblich* weil auch eine solche Sicherung den Diebstahl durch die entsprechend ausgerüstete Diebesbande nicht verbind er t/hätteo .. ' Die Revision, .wehdet hiergegen ein*, daß das Abstellen eines ungesicherten Anhängers aUf * einem unbewachten Abstellplatz ohne jede Sicherung in jedem Pall als, grobe Fahrlässigkeit zu werten sei. Die Revision rügt allerdings weiter, das Berufnngs- ■ gericht habe hei seiner Feststellung, daß der Kläger mit dem Auftreten einer solchen Bande von spezialisierten Schwer Verbrechern, wie derjenigen, die den Anhänger gestohlen habe, nicht habe zu rechnen brauchen, die ihm nach § 139 ZPO obliegende Aufklärungspflicht verletzt, weil es diese die Beklagte überraschende Auffassung nicht vorher mit den Parteien erörtert habe«, Henri es dies getan hätte, so hätte die Beklagte nach dem Vorbringen der Revision unter Beweis gestellt, daß gerade in einem Zeitraum von etwa einem Jahr vor dem Diebstahl in dem fraglichen Raum das Diebesbanden-unwesen, namentlich gegenüber Kraftwagen und Anhängern, besonders arg gewesen sei, und daß die Öffentlichkeit hierüber laufend durch Presse und Rundfunk unterrichtet worden seio Auch diese Rüge ist aber nicht genechtfertigt«» Daß für die Frage, ob den Kläger der Vorwurf grober Fahrlässigkeit trifft, die Größe der z» Zt« des Versicherungsfalles bestehenden Gefahr von Anhängerdiebstählen von Bedeutung war, lag auf der Hand und wurde auch.von der Beklagten erkannt und von beiden, Parteien in den Tatsacheninstanzen eingehend erörtert« Auch das Landgericht war hierauf sowohl in dem Armenrechtsbeschluß als auch in seinem Urteil eingegangen« Schon aus diesem.Grunde brauchte das Berufungsgericht hierauf nicht noch besonders hinzudeuten« Die Beklagte begnügte sich aber bei diesen Erörterungen mit dem allgemeinen und nicht substantiierten Hinweis auf die nach dem Krieg erhöhte Diebstahlsgefahr und. bande ermöglicht worden«, Bin Diebstahl durch eine solche Bande*sei aber so selten, daß er nicht damit habe su rechnen brauchen (So 4, 5 der Berufungsschrift)«, Diesen Einwand versuchte die Beklage mit dem allgemeinen Hinweis zu entkräften, daß das Auftreten von Diebesbanden, kein Hovum darstell£<> Da derartige Vorfälle immer in aller Breite in der Tagespreise und im.Hundfunk behandelt würden* seien sie zweifellos auch dem Kläger bekannt gewesen (So 1 des Schriftsatzes vorn 8o Mai 1956)«, Auf dieses Vorbringen, das sich unverkennbar- nur auf die zahlreichen Diebstähle der auch beim Versicherungsfall aufgetretenen Diebesbande, bezog,- brauchte das Berufungsgericht schon deshalb nicht einzugehen, weil diese Diebesbande vorher noch keinen anderen Anhänger gestohlen hatte, und der Kläger deshalb hierdurch auch nicht vor der seinem Anhänger von diesen Dieben drohenden Gef ähr. vor dem Versicherungsfall ein besonders starkes Bandenunwesen in dem fraglichen Raum gerade Kraftfahrzeuge und Anhänger einer erhöhten Diebstahlsgefahr ausgesetzt habe, ist neu und kann in der Revisionsinstanz nicht mehr beachtet werdeno Diese Behauptung hätte die besonders sachkundige und durch einen Anwalt vertretene Beklagte auch ohne Ausübung des richterlichen Prägerechts schon in den TatSacheninstanzen Vorbringen und unter Beweis stellen müssen«, .