BGH · II ZR 68/65 vom 30.11.1967
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
1. Durch Beschluß vom 19* Mai 1964 hat das Bandgericht Berlin die Zwangsvollstreckung aus dem Vorbehaltsurteil bis zur Entscheidung des Rachverfahrens gegen Sicherheitsleistung von 51*500 DM einstweilen eingestellt* Die GmbH hat die Sicherheit nicht geleistet; sie ist bereits am 23o Januar 1962 wegen Vermögenslosigkeit gelöscht worden» Der Beklagte meint, der Kläger könne von ihm nicht Zahlung, sondern bloß Hinterlegung verlangen, weil § 839 ZK> auch den Fall erfasse, daß dem Schuldner erst nach Urteilserlaß gestattet wird, die Zwangsvollstreckung gegen Sicherheitsleistung abzuwenden» Sr war der alleinige Gesellschafter und Geschäftsführer der GmbH, der Kläger war ihr Prokurist» Am 10» Januar 1956 hat der Beklagte eine Gesellschafterversaminlung abgehalten und in notarieller Form beschlossen, das Stammkapital (von 20o000 DM) um 80»000 DM zu erhöhen» Zugleich hat er die Stammeinlage auf das erhöhte Stammkapital Übernommen» Per Kläger behauptet, von dieser Einlageschuld seien noch 60»000 DM offen» a) Der Beklagte meint, die Übernahmeerklärung sei nicht wirksam geworden, weil die Gesellschaft diese Erklärung nicht rechtswirksam angenommen habe» Er habe den Übernahme vertrag nicht im eigenen Namen und zugleich im Namen der Gesellschaft schließen können» Der* Kläger habe die GmbH nicht vertreten können, da die Übernahme einer neuen Stammeinlage einen Sozialakt erfordere und die Prokura hierzu nicht berechtige» Überdies, so trägt der Beklagte vor, habe der Kläger zu dem Übernahmeangebot keine ausdrückliche Erklärung abgegeben, und eine stillschweigende Genehmigung komme nicht in Betracht, da sich der Kläger nicht dessen bewußt gewesen cei, eine Erklärung zur Durchführung der Kapitalerhöhung abgeben zu müssen» Er beruft sich hierzu darauf, daß gegen die GmbH kein Konkursantrag gestellt worden ist und sie noch Steuerschulden und damit außer dem Kläger mindestens noch einen weiteren Gläubiger, das Finanzamt, hat. Wird ein Urteil für vorläufig vollstreckbar erklärt, so kann auf Antrag dem Schuldner im Urteil nachgelassen werden, die Vollstreckung durch Sicherheitsleistung oder durch Hinterlegung abzuwenden (§ 713 Abs* 2 ZPO)» Diese Anordnung hat zur Folge, daß gepfändetes Geld oder der Erlös gepfändeter Gegenstände zu hinterlegen ist (§ 720 ZPO) und daß die Überweisung gepfändeter Geldforderungen nur zur Einziehung und nur mit der Wirkung stattfindet, daß der Drittschuldner den Betrag hinterlegt (§ 839 ZPO}» Im vorliegenden Fall ist nicht Vollstreckungsnach-laß gewährt, sondern die Zwangsvollstreckung aus einem vorläufig vollstreckbaren Urteil gemäß §§ 7195 707 ZPO gegen Sicherheitsleistung eingestellt worden» Dies bedeutet, daß der titulierte Anspruch uneingeschränkt durohgesetzt werden darf, wenn es nicht zur Sicherheitsleistung kommt * Da die Zwangsvollstreckung nur gegen Sicherheitsleistung einstweilen eingestellt wird, kann anders als beim Voll-streckungsnachlüß nicht schon die Anordnung als solche Rechtswirkungen zeitigen» Es ist daher auch nicht gerechtfertigt, die ausdrücklich nur auf den Fall des §713' II a Der Beklagte hat eine Einlageschuld von 80.000 DM reehtsv/irksam übernommene lo In dem Kapitalerhöhungsbeachluß vom 10» Januar 1956 ist nicht zu dem Ausdruck gebracht worden, daß er nur unter einer Bedingung gelten soll» Barum ist die Vornahme der Kapitalerhöhung unter einer Bedingung auch nicht mit beurkundet worden» Bas hat zur Polge, daß die Bedingung nicht rechtswirksam Bestandteil der Kapitalerhöhung und diese unbedingt wirksam gev/orden ist» Die Gesellschafter einer GmbH haben es in der Hand, ob und v/ann sie eine beschlossene Kapitalerhöhung zur Eintragung, ins Handelsregister anmelden wollen» Bas folgt aus § 79 GmbHG und erklärt sich aus dem konstitutiven Charakter der Eintragung einer Satzungsänderung» Ber Beklagte hätte daher mit der Anmeldung der Kapitalerhöhung warten können, bis sich der Eintritt oder Ausfall der Bedingung geklärt hatte» Von dieser Möglichkeit hat er jedoch keinen Gebrauch gemacht, sondern vielmehr die Anmeldung unter dem 23» Januar 1956 vorgenommen (Bl» 28 des Sonderbandes der Registerakten}» Als alleiniger Gesellschafter und Geschäftsführer der GmbH konnte der Beklagte die Anmeldung vor der Eintragung wieder zurücknehmen» Bas hat er mit Brief vom 1» Dezember 1958 getan (Bl» 79 der Registerakten)» Diese Erklärung hat er aber unter dem 15» Dezember 1959 in notariell beglaubigter Borm widerrufen und zugleich erklärt, daß die Anmeldung vom 23» Januar 1956 wieder volle Gültigkeit habe (Bl» 34 des Sonderbandes der Registerakten)» 1263)„ Wie der Senat in seinem Urteil vom 6« Oktober I960 - II ZR 215/58 -(EGHZ 33, 189, 194) angenommen hat, kann der alleinige Gesellschafter einer GmbH, der zugleich ihr Geschäftsführer ist, zwar eine Kapitalerhöhung beschließen? der Kläger, dem der Beklagte am 10* Januar 1956 Prokura für die GmbH erteilt habe, habe an diesem läge stillschweigend der Übernahmeerklärung des Beklagten zugestimmt» Wenn die Gesellschafter eine bestimmte Person zur Übernahme einer Stammeinlage auf das erhöhte Kapital zu-lassen, so ermächtigen sie, falls sie sich den Abschluß der ÜbernahmeVereinbarung nicht selbst Vorbehalten, den Geschäftsführer, den Übernahmevertrag nach Maßgabe des Zu-laosungsbeschlusses abzuschließen» Auf diese Weise und nur durch sie wird der Geschäftsführer, der durch § 35 GmbHG nicht zur Vornahme von Sozialakten befugt wird, berechtigt, den Übernahmevertrag abzuschließen» Bamit ist zugleich gesagt und erklärt, daß und warum sich der Geschäftsführer im Rahmen des Erhöhungs- und Zulassungsbeschlusses der Gesellschafter halten muß» Y/eil der Über nähme vertrag Sozialakt ist, berechtigt die Prokura so wenig wie das Amt des Geschäftsführers zu dem Abschluß eines solchen Vertrages» a 2) Aber so, wie die Gesellschafter einen Geschäftsführer zu dem Abschluß des ÜbernahmeVertrages ermächtigen können, können sie auch einen Prokuristen hierzu bevollmächtigen» Bas kann sowohl ausdrücklich als auch schlüssig geschehen» Ber Prokurist wird dann nicht auf Grund der Prokura, sondern auf Grund einer über den gesetzlichen Rahmen der Prokura (§ 49 HGB) hinausgehenden Sondervollmacht tätig» Pas konnte er nur durch einen wirksamen Übernahmevertrag erreichen* Sr hat den Kläger bei Abschluß des Übernahmevertrages als Vertreter der Gesellschaft auftreten lassen* Aus diesen feststehenden Tatsachen ergibt sich, daß der Beklagte dem Kläger nicht bloß Prokura erteilt, sondern ihn auch ermächtigt hat, den Kapitalerhöhungsbeschluß durch Abschluß eines Übernahmevertrages mit ihm auszufuhren* b) Auf die Ansicht der Revision, daß eine Übernahmeerklärung nicht durch Schweigen angenommen werden kann (so Schilling in Hachenburg, GmbHG § 51 Anm* 11 im Gegensatz zu Scholz, GmbHG § 55 Anm* 10), kommt es nicht an* Denn der Kläger hat (gemeinsam mit dem Beklagten) dio Kapitalerhöhung zur Eintragung ins Handelsregister angemeldet und dabei versichert, daß auf die neue Stammein-lage die Hälfte eingezahlt sei* Damit hat er namens der Gesellschaft die Übernahmeerklärung des Beklagten durch eine schlüssige Handlung angenommen* Eine schlüssige Annahmeerklärung hält aber auch Schilling aaO für statthaft* 4* Die Kapitalerhöhung ist am 4* März I960 ins Handelsregister eingetragen worden» Der Beklagte kann sich nicht darauf berufen, daß zwischen seiner Übernahme erklär ung und der Registereintragung mehr als vier Jahre liegen und er deshalb nicht mehr an seine Übernahmeerklärung gebunden sei* Denn er hat am 15. eine Einlageforderung allerdings nur pfändbar, wenn entweder die Forderung, deretwegen gepfändet wird, vollwertig ist oder die Gesellschaft ihren Geschäftsbetrieb eingestellt hat, außer der gepfändeten Forderung keine Vermögensgegenstände mehr besitzt und der pfändende Gläubiger der einzige Gläubiger der Gesellschaft ist (RGZ 156, 23, .25; 149, 295, 295 m.WoNächw«), Renn nur unter diesen Voraussetzungen kann bei der Pfändung einer Einlageforderung das in einer Reihe von Vorschriften des GmbH-Gesetzes verankerte Prinzip der Sicherung der Aufbringung und Erhaltung des Stammkapitals gewahrt werden« daß die Erhaltung der Kapitalgrundlage zugunsten der Gesellschaft oder der Gesell-schaftsglüubiger nicht mehr erforderlich ist« Dieser Gesichtspunkt trifft auch vorliegend zu« Die Gesellschaft ist wegen Vermögenslosigkeit im Handelsregister gelöscht v/ordon« Außer dem Kläger ist nur noch ein Gläubiger, das Wollte man die Pfändung des Klägers für unzulässig halten, so wurde dies darauf hinauslaufen, daß der Beklagte seine Einlageschuld nicht zu erfüllen brauchte. § 19 Abs. 2 GmbH kommt im Liquidationsstadium zur Anwendung, da § 69 GmbHG bestimmt, daß die Vorschriften des zweiten Abschnitts des GmbH-Gesetzes, in dem § 19 GribHG steht, bis zur Beendigung der Liquidation weitergilt, soweit sich aus den Bestimmungen über die Auflösung der Gesellschaft und dem Wesen der Gesellschaft nicht ein anderes ergibt. dem Anteil aufrechnen, der bei gleichmäßiger Berücksichtigung seiner Forderung und der Forderungen des Klägers und des Finanzamts von dem Einlagebetrag von 60* 000 DM auf ihn entfallen würde* Denn, wenn das Vermögen einer GmbH, wie hier, nicht zur gleichmäßigen Befriedigung aller Gläubiger ausreicht, müssen die Liquidatoren das Vergleichsverfahren oder das Konkursverfahren beantragen (Schmidt-Goerdeler in Hachenberg, GmbHG § 73 Anm* 11), und das hat der Beklagte unterlassen*Denselben Erfolg kann er nicht durch eine Aufrechnungaerklärung erreichen* In seine Aufrechnungserklärung hat er auch Forderungen einbezogen, die keineswegs feststehend außerdem hat er nicht dargclegt, welcher Betrag von seiner Einlageschuld bei verhältnismäßiger Befriedigung auf ihn, den Kläger, und das Finanzamt entfallen soll* Seine Aufrechnungser-klärung läßt vielmehr offen, zu welchem Betrage, sie zur Tilgung der Einlageschuld geführt haben soll* Das zeigt, daß seine einseitige Aufrechnung dazu ungeeignet ist, die Klage auch nur teilv/eise abzuweisen«