BGH · II ZR 68/63 vom 21.06.1965
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Bin Gebrechlichkeitspfleger, der zur Vertretung eines Gesellschafters einer OHG in Gesellschaitsangelegenheiten bestellt ist, kann von der Wahrnehmung der Verwaltungsrechte dieses Gesellschafters durch den Gesellschaftsvertrag oder einen Gesellschafterbeschluß grundsätzlich auch dann nicht ausgeschlossen werden, wenn der Pflegebefohlene voll geschäftsfähig ist* Mit Rücksicht auf den körperlich gebrechlichen Zustand der heute 75 Jahre alten Klägerin und die weite Entfernung von ihrem Wohnort zu dem Sitz der Gesellschaft hat das Vormundschaftsgericht mit ihrem Einverständnis durch Beschluß vom 26. Auf Grund dieser Bestimmungen haben die Beklagten dem Pfleger der Klägerin das Hecht bestritten, in Vertretung der Klägerin ihre gesellschaf tilichenMitwirkungs- und Kontrollrechte wahrzunehmen und für sie den Schriftwechsel in Gesellschaftsangelegenheiten zu führen. Zutreffend hat das Berufungsgericht die Mitgesellschafter der Klägerin, die dem Pfleger die Vertretung der Klägerin in Gesellschaftsangelegenheiten streitig machen, als die richtigen Beklagten angesehen* Gegenstand der Klage ist nicht ein bestimmter, zur Sozialsphäre gehöriger Anspruch der Klägerin gegenüber der Gesellschaft als Gesamthandsverband « Die Parteien streiten vielmehr um die grundsätzliche Frage, ob und in weicher Weise die Klägerin ihre auf dem Geseilschaftsvertrag beruhenden, als solche unbestrittenen Mitwirkungs-f und Kontrollrechte durch einen Vertreter ausüben lassen kann, soweit sie sie wegen ihrer körperlichen Gebrechen nicht persönlich wahrnimmt. II* Nach der im Ergebnis richtigen Auffassung des Berufungs gerichts dürfen die Beklagten dem Pfleger der Klägerin nicht unter Berufung auf den Gesellschaftsvertrag das Recht verwehren, die im Klageantrag genannten Gesellschaftsangelegenheiten in Vertretung der Klägerin wahrzunemnen. Klägerin müsse schon deshalb von der Ausübung ihrer Ge-/ sellschafterrechte ausgeschlossen werden können, weil es auch zulässig sei, die betreffenden Rechte selbst zu Lasten einzelner Gesellschafter im Gesellsehaftsvertrag einzuschränken» Abgesehen von dem Bedenken, ob in der Tat durch Mehrheitsbeschluß ohne Zustimmung der Klägerin ihre Rechte einseitig beschnitten werden könnten (vgl, dazu Hueck, Das Recht der OHG, 3* Aufl * § 11 IV, 2, 3)s steht hier, v/ie schon erwähnt, eine sachliche Beschränkung von Gesellschafterrechten gar nicht in Frage» Es geht vielmehr darum, ob die - unstreitig voll geschäftsfähige -Klägerin auf Grund einer Bestimmung des Ges el3.sc hafts Vertrages daran gehindert werden kann, ihre Rechte als Gesellschafterin durch einen für diesen Zweck gerichtlich bestellten Gebrechlichkeitspfleger ausüben zu lassen» Der vorliegende Pall gibt deinen Anlaß, auf die vom Berufungsgericht erörterte Präge nach der Hechtsstellung des Gebrechlichkeitspflegers einer voll geschäftsfähigen Person einzugehen* Denn selbst wenn man einen solchen Pfleger, als einen Bevollmächtigten (sog« staatlich bestellten Bevollmächtigten) iansieht, kann hier die Bestimmung des § 7 des Gesellschaftsvertrages auf ihn gleichwohl nicht angewendet werden» Das ergibt sich aus dem sozialen Schutzsweck, den der Gesetzgeber mit der Rechtseinrichtung der Gebrechlichkeitspflegschaft verfolgt hat» Dieser Schutzzweck ist dem Interesse der Gesellschafter, familienfremde oder ihnen sonst nicht genehme Personen von der Wahrnehmung gesellschaftlicher Angelegenheiten .auszuschließen, gründeätz lieh übergeordnet* 2s kann daher der Pfleger durch den Gesellschaf tsvertrag oder einen Gesellschafterbeschluß von der Wahrnehmung der gesellschaftlichen Rechte seines Pfleglings im allgemeinen nicht ausgeschlossen werden» 3» 2v;ar ist nicht zu verkennen, daß namentlich bei einer■Familiengesellschaft die Gesellschafter ein beachtliches Interesse daran haben können, nur solchen Personen Einblick in ihre gesellschaftlichen Angelegenheiten zu geben, die zur Familie gehören oder sonst ihr besonderes Vertrauen genießen» Dieses Interesse ist aber nicht unbedingt und unter allen Umständen durchsetzbar» Es muß dort zurücktreten wo besondere Gründe des allgemeinen Wohls, des Schutzes Hilfsbedürftiger oder der Ordnung und Sicherheit des Rechtsverkehrs notwendig etwas anderes erfordern» Dies gilt nament lieh für die größtenteils unabdingbaren gesetzlichen Vorschriften über die Betreuung 'and Vertretung minderjähriger, geschäftsunfähiger oder in ihrer Geschäftsfähigkeit beschränkter Personen (vgl, Enneccerus/Nipperdev, Allg.Teil, des Bürgerlichen Rechts 15» Aufl» § 49 IV)* Gehören solche 1897 BGB für einen bestimmten Kreis von Angelegenheiten außer Kraft zu setzen und damit die Ziele des Gesetzgebers in diesem Bereich zu vereiteln, ein Ergebnis, das angesichts der grundlegenden Bedeutung dieser Regelung nicht tragbar ist* 4» Diese Gesichtspunkte gelten im wesentlichen auch für eine nach § 1910 BGB ungeordnete Gebrechlichkeitspfleg-schafto Die Pflegschaft ist eine Form der vormundschaftlichen Fürsorge, die ebenso wie die Vormundschaft in engeren Sinne die Betreuung und Vertretung hilfsbedürftiger Personen zu dem Ziele hat und sich von der Vormundschaft hauptsächlich dadurch unterscheidet, daß sie auf einzelne Angelegenheiten beschränkt ist oder für einen geschäftsfähigen Pflegling ausgeübt wird. Im letzteren Fall wird allerdings das Bedürfnis nach staatlicher Fürsorge, insbesondere zur Unterstützung des Pfleglings in rechtsgeschüftliehen Angelegenheiten, oftmals nicht in gleichem I.Iaße gegeben sein wie bei geschäftsunfähigen oder geschäftnbeschrünkten Personen, Soweit der Pflegebedürftige trotz seiner körperlichen oder geistigen Gebrechen tatsächlich dazu in der Lage ist, kann er persönlich oder durch einen von ihn bevollmächtigten Vertreter am Rechtsverkehr teilnehnen, und zwar (abgesehen von Sonderfall der Proseßvertretung nach § 33 ZPO) auch dann, wenn für ihn ein Pfleger nach § 1910 BGB bestellt ist. dis zwar gebrechlich, aber voll geschäftsfähig sind* so beruht dies auf der Erwägung, daß auch diese Personen vielfach auf die Hilfe eines staatlich bestellten Pflegers deshalb angewiesen sind, weil sie wegen ihrer Gebrechen oder auch aus wirtschaftlichen Gründen selbst nicht imstande sind, einen geeigneten Bevollmächtigten auszuwählen und hinreichend zu überwachen (Mot» IV, 1232, 1256), Der mithin auch für die Einrichtung der Gebrechlich-keitspflegsehaft maßgebende soziale Schutzzweck kann aber nur erreicht werden, wenn diese Einrichtung im Hechtsverkehr beachtet und der Pfleger in seiner durch Gesetz und amtliche Berufung bestimmten Hechtsstellung voll anerkannt wird» Daß auch bei ihnen die Vertretung eines gebrechlichen, wenngleich geschäftsfähigen Gesellschafters durch den gerichtlich bestellten Pfleger ihren guten Sinn hat und deshalb der Schutzgedanke des Gesetzes eine vertragliche Ausschaltung des Pflegers grundsätzlich nicht zuläßt, zeigt gerade der vorliegende Fall» Denn entgegen den Ausführungen der Revision ist den berechtigten Interessen und dem Schutzbedürfnis der Klägerin durch die gegenwärtige Regelung des Gesellschaftsvertrages keineswegs genügt. Wäre diese Regelung auch gegenüber dem Pfleger rechtsverbindlich, so könnte sich die hilfsbedürftige Klägerin in der Gesellschafterversamrnlung nur durch einen Kit--gesellschafter vertreten lassen - andere Familienangehörige kommen nach den Feststellungen des Berufungsgerichts nicht in Betracht und außerhalb der Gesellschafterversammlung nur durch einen ihren Mitgesellschaftern genehmen Bevollmächtigten. Auf der anderen beite Gedeutet es auch bei einer Faul-~Lengeseilechaft in der Hegel keine untragbare Belastung für äie Gesellschafter, wenn sie aus übergeordneten Gründen die Vertretung eines gebrechlichen Gesellschafters durch seinen •Sieger hinnehmen müssen. Gegen, einen Fuß or auch dieser Ein— richtung sind sie weitgehend dadurch gerichüt'zt, daß eine ^ebrechlichkeitspflegschaft nur bei Vorliegen eines echten Bedürfnisses aus den im Gesetz bestimmten Gründen angeordnet •verden darf und der Pfleger sein Amt unter der Aufsicht des A/ormundr3chaftsgerichts führt. Daraus folgt zunächst die Berechtigung der Klägerin, sich Del der Teilnahme an Gesell-sehafterverSammlungen und bei der Abstimmung durch den Pfleger vertreten zu lassen. 8. Dem berechtigten und ohne unzu demutbare Schwierig-keilten erfüllbaren Wunsch der hilfsbedürftigen Klägerin, den Schriftwechsel in Gesellschaftsangelegenheiten - andef^ Angelegenheiten stehen hier nicht in Frage - aktiv und nas-siv über innen Pfleger su fuhren, dürfen sich die Beklagte#