BGH · II ZR 68/57
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
mitglieder der Beklagten, hätten schon Jahre vor dem Ver-trrigsschluß darauf hingearbeitet, die Klägerin auszuschalten und ihren Betrieb für die noch zu gründende Beklagte billig zu erwerben« Zu diesem Zweck hätten sie zunächst die Bauern durch wahrheitswidrige Behauptungen über in Wirklichkeit gar nicht vorhandene Gewinne der Klägerin aufgehetzt, an die Klägerin unerfüllbare Preis-forderungen zu stellen und nach Ablehnung dieser Forderungen ihre milch ab September 1932 an andere Betriebe zu liefern, insbesondere an eine in Sel^Sene Molkerei der Duisburger iSilchversorgung, die im Gegensatz zur Klägerin die LSilch als Trinkmilch habe absetzen können und dadurch in der Lage gewesen sei, einen um einen halben Pfennig je Liter höheren Kilchpreis an die "ilchliefer&n- Darauf sei der Abteilungsleiter £|HHBvom Rheinisch-Westfälischen Milchwirtschaftsverband pflichtwidrig eingegangen«, Obwohl der Betrieb der Klägerin in der bestgeeignete gewesen sei, habe ihr Verlauf einer kurzfristig anberaumten Verhandlung am 10«, März 1934 in Gegenwart der Vertreter der Beklagten eröffnet, für komme nur eine Genossenschaftsmolkerei in Präge» Wenn daher die Klägerin ihre Molkerei nicht für einen Taxpreis von 35»000 RM, den der Milchwirtschaftsverband inzwischen als angemessen ermittelt habe, an die Beklagte verkaufe, bleibe sie "auf einem Steinhaufen sitzen"» Jede Diskussion über den Preis habe er abgelehnt, habe ihr aber für ihre Betriebe in KflB und KefflH) Zusagei für den Pall gemacht, daß sie auf seinen Vorschlag eingehe» Sie habe dies schließlich im Vertrauen darauf getan, daß PflH^ seine Zusagen halten werde» Trotzdem sei etwa ein Jahr später ihr k| Betrieb geschlossen worden» Die Beklagte hat ihren Antrag auf Klageabweisung in erster Linie damit begründet, daß der vereinbarte Kaufpreis dem wirklichen Wert des Kaufobjekts entsprochen habe» Der Betrieb der Klägerin sei vor der Stillegung durch einen ungeeigneten Molkereileiter geführt worden, habe deshalb mit leistungsfähigeren Betrieben nicht mehr konkurrieren können und sei aus diesem Grunde im September 1932 stillgelegt worden» Die Klägerin habe fast alle brauchbaren Einrichtungsgegenstände aus dem Betrieb entfernt» Zum Verkauf sei sie von sich aus bereit gewesen, ohne daß bei den VertragsVerhandlungen Druck auf sie ausgeübt worden sei» Zt. des Vertragsschlusses hatte, ohne abschließende Stellungnahme» Auf die Angriffe der Revision gegen die in diesem Zusammenhang angestellten Erwägungen des Berufungsgerichts braucht nicht eingegangen zu werden, weil es darauf für die Entscheidung hier nicht ankommt o Denn selbst wenn, wie die Revision darzutun sucht, ein auffälliges Mißverhältnis zwischen dem Wert des Kaufobjekts und dem vereinbarten Kaufpreis bestanden haben sollte, würde dies nicht genügen, um den Vertrag als nach § 138 BGB sittenwidrig erscheinen zu lassen» Hinzu kommen muß eine verwerfliche Gesinnung des begünstigten Vertragsteils, wie sie insbesondere bei bewußter Ausnutzung der schwierigen Lage des anderen Teils gegeben sein kann (BGH NJW 1957/1274; 1951, 397)o Bas Berufungsgericht hat das Vorliegen dieser Voraussetzung bedenkenfrei verneint» 1» Zu den Vorgängen, die der Schließung des Betriebs der Klägerin am 15» September 1932 vorangingen, führt das Berufungsgericht aus, der Betrieb habe einen geringeren Milchpreis als andere Molkereien gezahlt, insbesondere als die Molkerei der Buisburger Milchversorgung, Es sei deshalb verständlich und gerechtfertigt gewesen, daß die Die Rüge der Revision, das Berufungsgericht hätte die angetretenen Beweise darüber erheben müssen, daß die Bauern durch wahrheitswidrige Behauptungen der späteren Gründer und Vorstandsmitglieder der Beklagten zu ihrem Vorgehen ”aufgehetzt” worden seien, geht fehl» Wie auch das Berufungsgericht nicht verkennt, wäre die Position der Klägerin bei den Verhandlungen am 12» März 1934 zwar möglicherweise wesentlich günstiger gewesen, wenn ihr Betrieb damals nicht schon 1 1/2 Jahre lang stillgelegen hätte. aber die Frage, ob der Klägerin bei Berücksichtigung ihrer Verhältnisse die Zahlung höherer Preise als der bisher gezahlten wirtschaftlich zuzu demuten war* V/ar aber die Stilllegung des Betriebs der Klägerin darauf zurückzuführen, daß Konkurrenzbetriebe den Bauern höhere Preise zahlten, nicht aber auf eine mit angeblich wahrheitswidrigen Behauptungen der späteren Vorstandsmitglieder der Beklagten betriebene ’’Hetze", so kann der Beklagten kein die Sittenwidrigkeit des Vertrags begründender Vorwurf daraus gemacht werden, daß sie bei dem Vertrag die ihr aus der Stillegung erwachsenden Vorteile wahrnahm» 2o Bas Berufungsgericht prüft die Frage der Sittenwidrigkeit des Vertrags weiter unter dem Gesichtspunkt, ob die Klägerin im nahmen der Prüfung, welcher Molkerei ein sogo Einzugsgebiet zugewiesen werden solle, unzulässig benachteiligt worden ist und ob die Beklagte gegebenenfalls daraus durch den Vertrag auf ihr zu dem Vorwurf gereichende Weise Vorteile gezogen hat» Es führt dazu aus, die Klägerin habe keinen Anspruch darauf gehabt, daß ihr durch staatlichen Eingriff, nämlich durch Zuweisung eines "Einzugsgebiets, zurückgegeben werde, was ihr im freien Spiel der wirtschaftlichen Kräfte verlorengegangen und anderen zugute gekommen sei» Selbst wenn im übrigen die zuständigen Stellen der Milchwirtschaft Gesichtspunkte, die für die Klägerin gesprochen hätten, übersehen haben sollten, sei dafür nicht die Beklagte verantwortlich zu machen, Dies sei trotz der vorangegangenen Stillegung ihr Betrieb gewesen, Diesem Betrieb und nicht einer anderen Molkerei habe deshalb auch ein Einzugsgebiet zugewiesen werden müssen. Mit Recht hebt das Berufungsgericht hervor* die Klägerin habe ihre früheren Lieferanten im freien Spiel der wirtschaftlichen Kräfte verloren und habe sie nur durch einen behördlichen Eingriff zu Lasten anderer Molkereien* denen ihre Lieferanten sich inzwischen zugewandt hatten* zurückgewinnen können» Hinzu kommt, daß der Betrieb nach dem eigenen Vorbringen der Klägerin schon im Jahre 1932 veraltet gewesen* nur notdürftig aufrechterhalten und teilweise abgebaut worden war, daß ferner Teile der Einrichtung in den Betrieb der Klägerin geschafft worden waren und daß das Gebäude und die übrige Einrichtung heruntergekommen waren» Wenn die Organe des Milchwirtschaftsverbandes sich unter diesen Umständen entschlossen, der Beklagten und nicht der Klägerin ein Einzugsgebiet zuzuweisen, so ist darin nicht ohne weiteres eine unrechtmäßige Bevorzugung der Beklagten zu erblicken» Es ist insbesondere nicht davon auszugehen, daß bei der gebotenen Berücksichtigung gesamtwirtschaftlicher Gesichtspunkte die Klägerin, die ihren Betrieb wegen der Abwanderung der Lieferanten 1 l/2 Jahre vorher stillgelegt hatte, bei der Bildung und Zuweisung von Einzugsgebieten in gleicher Weise hätte berücksichtigt werden müssen, wie der durch die Revision erwähnte, 31/2 Jahre nach dem VertragsSchluß ergangene Ei’laß der Hauptvereinigung der deutschen Milchwirtschaft dies für bestehende Molkereibetriebe anstrebte» Lie Klägerin hat auch nicht substantiiert darzutun vermocht, daß die Organisationen der Milchwirtschaft in gleichgelagerten Fällen anders verfahren wären als in diesem»Bei dieser Sachlage bestand für das Berufungsgericht kein Anlaß, der Anregung der Klägerin folgend ein Gutachten einzuholen» b) Las Berufungsgericht führt weiter aus, es sei nicht zu beanstanden, wenn die Bauern - nach Behauptung der Klägerin die späteren Gründer und Vorstandsmitglieder der Beklagten - die für die Zuweisung von Einzugsgebieten zuständigen Stellen auf ihre früheren Zerwürfnisse mit der Klägerin und die daraus sich ergehenden Bedenken hingewiesen hätten, da diese Umstände für die spätere Zusammenarbeit bedeutsam gewesen seien» Im übrigen sei auch in dieser Hinsicht gegebenenfalls nicht die Beklagte verantwortlich» Die Revision rügt zu Unrecht, das Berufungsgericht habe nicht die unter Beweis gestellte Behauptung der Klägerin berücksichtigt, die späteren Gründer und Vorstandsmitglieder der Beklagten hätten mit dem Milchwirtschaftsverband heimlich über die Möglichkeit einer Ausschaltung der Klägerin verhandelt und das nach Auffassung der Klägerin pflichtwidrige Verhalten F^BHH veranlaßt» Die Rüge ergibt nicht, daß das Berufungsgericht hinsichtlich des Gegenstandes der hier in Rede stehenden Verhandlungen von unrichtigen Voraussetzungen ausgegangen wäre« Ob «heimlich11 verhandelt worden ist, ist unerheblich» Für die Frage der Sittenwidrigkeit des Vertrages könnten jene Verhandlungen nur dann bedeutsam sein, wenn dabei durch unwahre Behauptungen oder auf andere rechtlich zu mißbilligende Weise auf die Willensbildung der Organe des Milchwirtschaftsverbandes eingewirkt worden wäre und die Beklagte Vorteile daraus gezogen hatte» Daß dies der Fall gewesen wäre, ist jedoch aus dem Vorbringen der Klägerin nicht zu entnehmen» 3» Das Berufungsgericht verneint eine Notlage der Klägerin im Sinne des § 13S Abs» 2 BGB mit der Begründung, die wirtschaftlichen Möglichkeiten und die Vermögensverhältnisse der Klägerin seien nach ihrem eigenen Vorbringen z» Zt» des Vertragsschlusses ausgesprochen günstig gewesen; sie sei nicht aus wirtschaftlichen Gründen gezwungen gewesen, ihren nBBBHB Besitz um jeden Preis zu verkaufen, sondern habe frei entscheiden können, ob sie verkauf- b) Auch das nicht näher substantiierte Vorbringen der Revision, der Vertrag sei wegen widerrechtlicher Bro-hung wirksam angefochten, kann keinen Erfolg haben» Bas Berufungsgericht hat sich mit dem Vorbringen der Klägerin, das für eine Anfechtung nach § 123 BGB wegen widerrechtlicher Brohung in Betracht kommt, im Verlauf seiner Erörterungen über die Frage der Anwendbarkeit des § J.38 Abs«, 2 BGB befaßt«, Seine Ausführungen zu dieser Frage ergeben bedenkenfrei, daß es die Wirksamkeitsvoraussetzungen dieses Anfechtungstatbestands nicht für gegeben gehalten hat«.