BGH · II ZR 56/58
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Das Berufungsgericht hat ausgeführt, der Schadensersatzanspruch der Kläger sei unbegründet, weil der Beklagte sich nicht verpflichtet habe, seinen gesamten Betrieb von Schlachters in die Schweiz zu verlegen» Daß er eine derartige Verpflichtung nicht eingegangen sei, ergebe sich aus den schriftlichen Vereinbarungen der Parteien, den einge--reichten Unterlagen, vor allem.dem Schriftwechsel, und den Zeugenaussagen» Die Revision greift diese Ausführungen an» 1» Die Revision rügt zunächst die Auslegung der Vereinbarung vom 19o März 1953> in der die Parteien, sich damit einverstanden erklärt haben, daß die zwischen ihnen getroffene Vereinbarung vom 13© Januar 1953 ihre Gültigkeit behalten sollte, soweit sie für die neugegründete AG (in Ausführung des Berufungsgerichts, die Kläger hätten selbst vorgetragen, es sollten keineswegs alle bisherigen Vereinba- für die Vereinbarungen der Fall sein sollte, die in den Ziffern 7 und 8 des Vertrages vom 13* Januar 1953 enthalten seien« Die Revision beanstandet diese Ausführungen mit Recht« Es heißt, was das Berufungsgericht offenbar übersehen hat, in Ziffer 2 des Vertrages vom 19o März 1953 ausdrücklich, daß insbesondere die Ziffern 7 und 8 des Vertrages vom 13o Januar 1953 in Kraft blieben« Bas Berufungsurteil beruht jedoch nicht auf diesem Fehler« Denn das Berufungsgericht ist, wie die späteren Ausführungen zeigen, der Auffassung, aus den Ziffern 7 und 8 der Vereinbarung vom 13o Januar 1953 ergebe sich keine Verpflichtung des Beklagten zur Verlegung seines gesamten Betriebes in die Schweiz« 2« Die Revision greift sodann die Ausführungen des Berufungsgerichts an, die die Auslegung der Ziffern 7 und 8 der Vereinbarung vom 13o Januar 1953 zu dem Gegenstand haben« Sie wendet sich einmal gegen die Ansicht des Berufungsgerichts, die in Ziffer 7 der Vereinbarung enthaltene Bestimmung lege keine Verpflichtung des Beklagten nieder, seinen Betrieb in die Schweiz zu verlegen, sie verpflichte vielmehr lediglich den Kläger zu l), zu einer solchen Verlegung "Schritte zu unternehmen”« Die Revision ist der Auffassung, Ziffer 7 enthalte auch eine Verpflichtung für den Beklagten« Dies brächten die Worte "und verständigen sich beide gegenseitig" so klar und unzweideutig zu dem Ausdruck, daß insoweit für eine Auslegung kein Raum sei« Auch dieser Angriff der Revision kann keinen Erfolg haben« Denn das Berufungsgericht untersucht die Rechtslage auch für den Fall, daß Ziffer 7 eine Verpflichtung für den Beklagten begründe« Es nimmt aber für diesen Fall an, die Verpflichtung des Beklagten sei nicht auf die Verlegung des gesamten Betriebes von Schlachters in die Schweiz gerichtet, sondern nur auf eine Teilverlegung, die die Aufnahme einer Fabrikation Diese Rüge der Revision ist nicht berechtigt» Der Sprachgebrauch schließt nicht aus, daß unter einer Verlegung eine Teilverlegung verstanden wird» Im übrigen kommt es auch entscheidend darauf an, was die Parteien unter der Verlegung, von der in Ziffer 7 des Vertrages vom 13» Januar 1953 die Rede ist, verstanden haben» Die Feststellung des Berufungsgerichts, die Parteien hätten damit nur eine teilweise Verlegung gemeint, ist möglich und daher für das R'evisionsge-richt bindend» Die Auffassung des Berufungsgerichts, aus Ziffer 8 des Vertrages vom 13o Januar 1953 folge keine Verpflichtung des Beklagten zur Verlegung seines gesamten Betriebes in die Schweiz, ist daher möglich und damit in der Revisionsinstanz nicht angreifbar® denn das Berufungsgericht ist der Ansicht, der Beklagte sei auf Grund dieses Vertrages nicht verpflichtet, seinen Betrieb von Schlachters in die Schweiz zu verlegen,, Es ist daher unerheblich, ob der Vertrag vom 23«. 4-o Die Revision ist der Ansicht, das Berufungsgericht habe bei der Auslegung der Vereinbarung vom 23o April 1953 unzutreffende Erwägungen angestellt« In dieser Vereinbarung hatte sich der Beklagte gegenüber dem Kläger zu 1) ver- pflichtet, für ihn als Ersatz für seine Verluste bei der W^HHtAG St« Gallen 300 Apparate zu deponieren und ihm diese Geräte für den Ball, daß die Verluste nicht durch Geschäfte der neuen W^M^-AG gedeckt würden, zur freien Verfügung und Verwertung zu überlassen• Die Revision meint, das Berufungsgericht habe bei den Schlußfolgerungen, die es aus diesen Vereinbarungen gezogen habe, nicht beachtet, daß es sich hier um eine Sicherstellung von Geräten des derzeitigen Fabrikationstyps gehandelt habe» Fertigwaren hätten aber nicht zu dem Material gehört, das nach Ziff« 8 des Vertrages vom 13« Januar 1953 in die Schweiz habe mitgenommen werden sollen« Auch diese Rüge der Revision ist nicht berechtigt« Bas Berufungsgericht hat nicht die Ansicht vertreten, die Geräte die für den Kläger zu 1) zu deponieren seien, hätten zu dem Material gehört, das nach Ziff« 8 des Vertrages vom 13» Januar 1953 in die Schweiz hätte gebracht werden sollen« Es hat vielmehr lediglich ausgeführt, die Vereinbarung vom 23o April 1953 besage nichts für die Verpflichtung des Beklagten zur Verlegung seines gesamten Vertriebes in die Schweiz« Sie spreche vielmehr gegen sie«, Denn wenn der Beklagte sofort den ganzen Betrieb in die Schweiz hätte verlegen müssen, dann hätte er das vorgesehene Depot von 500 Geräten nicht errichten und, wie es in der Vereinbarung vorgesehen sei, jeweils wieder ergänzen können, wenn die A^HHP mit Geräten aus diesem Lager belie-« fert worden wäre« Diese Ausführungen des Berufungsgerichts lassen keinen Rechtsirrtum erkennen« 5« Die Revision greift die Ausführungen an, die das Berufungsgericht zu einem weiteren Vertrage der Parteien vom 23o April 1953 gemacht hat« Das Berufungsgericht hat ausgeführt, in diesem Vertrage seien die Parteien davon ausgegangen, die W^BP^AG AfJHBB werde auf geraume Zeit noch nicht fabrikationsbereit sein« Deshalb sei der Beklagte verpflichtet worden, für diese Zeit selbst Apparate zu liefern« Von einer Verlegung des Betriebes des Beklagten in die Schweiz sei keine Rede gewesen; die Verlegung hätte im Gegenteil die Erfüllung der Li eferungspflicht des Beklagten unmöglich gemacht« Sollte eine Betriebsverlegungspflicht des Beklagten vereinbart gewesen sein, so müßte sie spätestens mit diesem Vertrag einvernehmlich als aufgehoben angesehen werden« Die Revision ist der Ansicht, das Berufungsgericht habe verkannt, daß dieser Vertrag eine ausgesprochene Zwischenlösung dargestellt habe« Aus ihm könne daher nicht geschlossen werden, die Parteien hätten die Verpflichtungen des Beklagten aufgehoben, die dieser in dem Vertrage vom 13® Januar 1953 eingegangen sei« Der Angriff der Revision ist gegenstandslos, da das Berufungs-gericht der Ansicht ist, der Beklagte habe sich in dem Ver- • ob die schriftlichen Verträge der Parteien die Vermutung der Vollständigkeit und Richtigkeit für sich hätten, und hat weiter bei der Auslegung der einzelnen Vertragsbestimmungen berücksichtigt, daß die Vereinbarungen nicht in vollem Umfange schriftlich niedergelegt worden sind® Diese Ausführungen des Berufungsgerichts lassen keinen Rechtsirrtum erkennen® Bas Berufungsgericht hat den schriftlichen Verträgen keinen Inhalt gegeben, der mit ihrem Wortlaut und Sinn unvereinbar isto Das Berufungsgericht hat vielmehr rechtsirrtumsfrei ausgeführt, daß den Parteien nur an einer teilweisen Herstellung und Montage der Geräte in der Schweiz gelegen seio Die Parteien hätten, wie das Berufungsgericht vor allem auf Grund des Briefes von Dr«, R^BP vom 29o April 1954 und den Zeugenaussagen festgestellt hat, erreichen wollen, daß die WflH^-Apparate als Schweizer Fabrikat bezeichnet werden konnten; hierzu war aber nach der Mitteilung von Dr«,RBBP nur erforderlich, daß die Geräte zu 60 # ihres Herstellungswertes aus Schweizer Arbeit' oder Schweizer Material bestün-den0 Im übrigen sollte nach den Feststellungen des Berufungsgerichts die Herstellung und Montage der Geräte in der Schweiz auch nur für den Vertrieb im Schweizer Geschäft und für den Export ins Ausland dienen, nicht aber für den Vertrieb in Deutschland0 7o Das Berufungsgericht hat auch bei der Verwertung des Schriftwechsels der Parteien nicht gegen § 286 ZPO ver-stoßen0 Das Berufungsgericht hat ausgeführt, der Brief des Beklagten vom 25» Juni 1953 an die WBHH^-AG lasse nur erkennen, daß "eine” WBMHÄ-Fabrikation in der Schweiz vorgesehen sei, und diese den Zweck gehabt habe, die Apparate als Schweizer Fabrikat ausgeben zu können«. 8p Schließlich hat die Revision gerügt, das Berufungsgericht habe die Frage der Beweislast verkannte Gegenüber den schriftlichen Verträgen hätte der Beklagte beweisen müssen, daß eine Betriebsverlegung in die Schweiz nicht vereinbart worden sei* Die Feststellung des Berufungsgerichts, hierfür spreche die größte Wahrscheinlichkeit, genüge nicht * Auch diese Rüge der Revision ist nicht begründet«, Bas Berufungsgericht hat die Feststellung, es spreche die größte Wahrscheinlichkeit dafür, daß der Beklagte sich nicht zur Verlegung seines Betriebes in die Schweiz verpflichtet habe, lediglich auf Grund der schriftlichen Verträge getroffen; sie stellt eine vorläufige Feststellung dar«, Nachdem das Berufungsgericht auch die übrigen Unterlagen, vor allem den Schriftwechsel und die Zeugenaussagen verwertet hat, kommt es zu der abschließenden Feststellung, der Beklagte habe bewiesen, daß er eine derartige Verpflichtung nicht eingegangen sei«, Da das Berufungsgericht es somit nicht auf die Frage der Beweislast abgestellt hat, ist der Angriff der Revision, der die Verkennung der Beweislast rügt, gegenstandslose Selbst wenn man aber annähme, der Beklagte habe sich den Klägern gegenüber zur Verlegung seines gesamten Betriebes in die Schweiz verpflichtet und diese Verpflichtung wäre auch später nicht durch eine Vereinbarung der Parteien aufgehoben worden, so wäre .die Klage auch in diesem Falle unbegründeto Das Berufungsgericht hat ausgeführt, die Kläger hätten ihren Schadensersatzanspruch ausdrücklich darauf gestützt, daß der Beklagte seine Verpflichtung zur Verlegung Auch in diesem Pall sei der Beklagte nicht scha-densersatzpflichtigo Der Beklagte habe seine Verpflichtung frühestens Anfang 1954 und auch nur dann erbringen sollen, wenn die Gesellschaft in aBHIB mit den vom Beklagten bezogenen Geräten ins Geschäft gekommen sei und Erfahrungen gesammelt habe«, Diese Voraussetzungen seien nicht geschaffen wordene Die Gesellschaft habe vom Beklagten nur drei Geräte bezogen« Im übrigen hätten auch die Schwierigkeiten der Gesellschaft mit den Reisevertretern, erkennen lassen, daß die Voraussetzungen für die Errichtung eines Schweizer Teilherstellungs- und Montagebetriebes nicht Vorgelegen hätten,, Überdies sei dem Beklagten auch nach Treu und Glauben nicht zuzu demuten gewesen, durch die Errichtung eines solchen Werkes ein weiteres finanzielles und persönliches Risiko einzugehen, nachdem die Kläger sich ihrerseits vertragswidrig verhalten hätten« Die Kläger hätten das Aktienkapital für die Gründung der W^BH^-AG aBBHP nur fiktiv zur Verfügung gestellt« Sie hätten die 50 000 sfrs, die sie am 20« April 1955 bei der Kantonsbank deponiert hätten, am 3« Juni 1953 wieder abgehoben; das Geld sei vom Kläger zu 1) mittels Prolongation von Wechseln der NflHiB AG beschafft und dieser Gesellschaft nach Gründung und Publikation der WBHB-AG aBIHIB wieder zurückgegeben worden« Die Kläger hätten weiter zu einer Zeit, als sie den Beklagten wegen des Nichtbezuges von Geräten vertröstet hätten (Brief vom 15o Juli 1953), bereits mit der Pirma HBB zwecks Lieferung von Geräten Verbindung auf genommen. Beklagten einem Dritten die Beteiligung an der Wfl^HHP-AG angeboten und dem Beklagten mit der Tagesordnung für die außerordentliche Generalversammlung vom 21« Septem» her 1953 den offenen Kampf angesagt, ohne hierzu berechtigt gewesen zu sein» Diese Ausführungen des Berufungsgerichts, die keinen Rechtsirrtum erkennen lassen und auch von der Revision nicht angegriffen worden sind«, gelten in gleicher Weise für den Pall, daß der Beklagte sich nicht nur zu einer Teilverlegung, sondern zu einer Verlegung seines gesamten Betriebes in die Schweiz verpflichtet haben sollte«