BGH · II ZR 49/73 vom 28.04.1975
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Rechtsanwalt Dr. Der II« Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 27« Februar 1975 durch den Vorsitzenden Richter Stimpel und die Richter Dr« Schulze, Fleck, Dr« Kellermann und Dr« Skibbe für Recht erkannt: Die Sache befindet sich im zweiten Revisionsverfahren« Wegen des Sachund Streitstands wird auf das Urteil des Senats vom 26« Oktober 1970 - II ZR 4/69 * WH 1971, 20 Bezug genommen« Das Berufungsgericht hat nunmehr die Klage in vollem Umfang abgewiesen« Mit ihrer Revision verfolgen die Kläger ihren Hauptantrag auf AusschlieBung des Beklagten und ihren Hilfsantrag auf Auflösung der Gesellschaft weiter« Der Beklagte beantragt, die Revision zurückzuweisen« I« Zun Hauptantrag stellt das Berufungsgericht mehrere Verstöße des Beklagten gegen seine gesellschaftsvertraglichen Pflichten fest, gelangt aber in einer Gesamtwürdi-gung zu den Ergebnis, daß diese seine Ausschließung aus der Gesellschaft nicht rechtfertigten} Der Beklagte habe die Manipulationen, die ihn als Benachteiligung der Kläger oder zu demindest als schwerwiegender Verdacht einer solchen Benachteiligung vorzuwerfen seien, nur deshalb vornehmen können, weil er allein zur Geschäftsführung befugt gewesen sei. 1. Das Berufungsgericht geht zwar im Anschluß an das erste Revisionsurteil und die ständige Rechtsprechung des erkennenden Senats davon aus, daß die Ausschließung eines Gesellschafters nur das letzte Mittel ist, um einem aufgetretenen Zerwürfnis unter den Gesellschaftern Rechnung zu tragen. Das bedeutet, daß in der Regel ein wichtiger Grund zur Ausschließung nicht zu bejahen ist, wenn eine Regelung gefunden werden kann, die den beklagten Gesellschafter weniger belastet, andererseits aber auch für die klagenden Gesellschafter zu demutbar ist. Der beklagte Gesellschafter muß aithin, wenn er die Ausschließung abwenden will, von sich aus oder auf Anregung des Gerichts eine für die Kläger zuautbare verbindliche Vertragsänderung anbieten. Ohne ein solches Angebot ist, wenn im übrigen die Voraussetzungen des §140 HGB vorliegen, die Ausschließung auszusprechen; und nur wenn die Annahme eines verbindlich erklärten Angebots nach der Beurteilung des Gerichts unter Abwägung aller Unstände des Einzelfalls den klagenden Gesellschaftern zugemutet werden kann, entfällt der wichtige Grund für die Ausschließungsklage. Es mag sein, daß es - wenngleich insoweit eine eindeutige Feststellung fehlt - in dem beanstandeten Verhalten des Beklagten und der hierdurch hervorgerufenen Zerstörung des Vertrauensverhältnisses unter den Gesellschaftern einen Ausschließungsgrund erblickt hätte, wenn sich der Beklagte zu einer Beschränkung seiner Geschäftsführungsrechte nicht "grundsätzlich bereit" erklärt hätte. 2. Unabhängig davon rügt die Revision zu Recht, daB das Berufungsgericht die Frage, ob eine "mildere Regelung" als die Ausschließung den schutzwerten Belangen der Kläger genügen würde, geprüft hat, ohne deren Vorbringen über die von ihnen behaupteten Pflichtwidrigkeiten des Beklagten erschöpfend zu würdigen* Hierauf kommt es ans Denn ob den Klägern eine den Beklagten weniger belastende Neugestaltung des Gesellschaftsverhältnisses zuzu demuten ist und worin sie bestehen könnte, hängt unter anderem wesentlich davon ab, wie das Gesamtverhalten des Beklagten zu beurteilen ist* Insofern hätten mindestens die tatsächlichen Vorgänge noch weiter aufgeklärt werden müssen, die dazu geführt haben, daß der Beklagte seinem Sohn am 2* November 1966 am Grundbesitz der Gesellschaft eine Hypothek bestellt und ihm Miete für die angebliche Überlassung von Maschinen gewährt hat* Auch wenn das Berufungsgericht schon aus dieser eigenen Darstellung des Beklagten den Schluß gezogen hat, mit diesen höchst ungewöhnlichen und undurchsichtigen Geschäften hinter dem Rücken der Kläger habe der Beklagte gegen seine Gesellschafterpflichten verstoßen, so hätte es dennoch den Vortrag der Kläger in Schriftsatz von 28* April 1971 S« 3/4 = GA Bl* 436/37 nachgehen nüssen, die Verstöße wögen sehr viel schwerer« Der Beklagte habe seinem Sohn kein Geld aus einem Grundstücksverkauf geschenkt, sondern es habe sich bei den unter den Namen des Sohnes geführten Sparkonto in Wahrheit un ein allein aus Gesellschaftsnittein gespeistes Fimenkonto gehandelt« Dieser Vortrag wäre deshalb erheblich gewesen, weil sich aus ihm - seine Richtigkeit unterstellt - eine Veruntreuung von Gesellschaftsvemögen durch den Beklagten ergeben haben würde und dann auch die Vorgänge, die zu der sog* Maschinenniete geführt hatten, möglicherweise in einen anderen Licht erscheinen würden* Zun Beweis ihrer Behauptungen hatten sich die Kläger auf die Vorlage des gesanten Sparbuchs berufen, die der Beklagte später auf S« 3 seines Schriftsatzes von 7* April 1972 » GA Bl« 320, auch angeboten hatte« Diesen Beweis hat das Berufungsgericht Jedoch nicht erhoben« Das gilt zu demal dann, wenn der Vertrauensschwund - wie schon nach den bisherigen Feststellungen des Berufungsgerichts angenommen werden muB -im wesentlichen von dem Beklagten verschuldet ist.