BGH · II ZR 49/67
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der verbleibende Betrag wird zu gleichen Teilen, also 50 s 50 auf die Vertragspartner aufgeteilt und am Monatsende abgerechnet0 /Dasselbe Verhalten trifft für uneinbringliche Forderungen zu/ -Amru : Diesen Zusatz hat der Kläger durch ein Ausrufezeichen mißbilligt Ausgeschlossen von der Aufteilung bleibend sämtliche Einnahmen aus den Wartungsvertragen, sämtliche Einnahmen für Reparaturen und Generalüberholungen an verkauften oder übernommenen Geräten, sämtliche Einnahmen aus dem Zubehörgeschüft, wie Buntstifte, Kugelschreiberminen, Farbbänder, Gazebogjcn^Transportbänder, Röhren und Ersatzteile /usw/o Mit Schreiben vom 10« Oktober 1961 übersandte der Beklagte dem Kläger eine ergänzende Abrechnung für das Jahr I960, in welcher er die Thermo-Eax-Abtei-lung mit weiteren Unkosten belastete» Biese bestanden im wesentlichen aus Anteilen an den Gemeinkosten seines Unternehmens wie Abgaben, Mieten, Kraftföhrzeugkosten, Abschreibungen und Verwaltungskosteno Bavon entfielen nach der Ansicht des Beklagten auf den Kläger 18o028,10 BMo Ber Beklagte schrieb dem Kläger, er habe mit diesem Betrag sowie mit je 1,500 BM für die Monate Januar bis August 1961 sein Konto belastet und werde von den insgesamt 300028,10 BM monatlich 3 <.000 BM ab September 1961 mit der laufenden Provision verrechnen, Ber Kläger antwortete am nächsten ü?ag, er sei zu Verhandlungen über eine Neureglung für die Zeit ab Io Januar 1962 bereit, weigere sich aber, für die vorhergehende Zeit Konzessionen zu machen0 Ber Beklagte sog dem Kläger in den Monaten September bis Bezember 1961 gleichwohl je 3,000 BM für die Vergangenheit und je 1,500 BM für den laufenden Monat, also insgesamt je 4,500 BM von den sich aus den Monatsabrechnungen ergebenden Guthaben des Klägers ab, Ber Kläger widersprach diesen Abzügen, Beide Parteien kündigten durch Schreiben von 26„ Januar 1962 ihr Vertragsverhältnis fristlose Ber dem Kläger für Januar 1962 auszuzahlende Betrag hätte ohne Abzug eines Anteils an Der Kläger behauptet, zwischen den Parteien habe Einigkeit darüber bestanden, daß nur die in Nr« 4 seines Vertragsentv/urfs aufgeführten Unkosten von den Einnahmen abzusetzen seien» Er hat im ersten Rechtszug beantragt, den Beklagten zur Zahlung von 22 »500 DM 4 »500 DM für die Monate September 1961 bis Januar 1962) nebst 8 $ Zinsen zu verurteilen» Beide Parteien haben gegen dieses Urteil, sov/eit es ihren Anträgen nicht stattgegeben ha,t, Berufung ein gelegte Bas Berufungsgericht hat den Beklagten verurteilt an den Kläger insgesamt 21 <>280565 BM nebst Zinsen zu zahleno Auf die Berufung des Beklagten hat es lediglich, soweit das Landgericht Zinsen zugesprochen hatte den Zinssatz von 8 auf 4 $ ermäßigt„ Im übrigen hat es die Berufungen der Parteien zurückgewiesen0 Entscheidungsgründoi Io Bas Berufungsgericht nimmt an, die Parteien hätten durch beiderseitige Unterzeichnung des Schreibens vom 15o November 1958 einen Vertrag geschlossen, in dem sie sich gegenseitig verpflichtet hätten, bei dem Vertrieb der Thermo-Pax-Geräte in dem dem Beklagten eingeräumten Bezirk zusammenzuarbeiteno Über die Verteilung der das Thermo-Pax-Geschäft betreffenden Einnahmen und Ausgaben hätten sie sich dahin geeinigt, bis zu einer anderweitigen vertraglichen Regelung oder bis zur Auflösung ihres Hechtsverhältnisses nach Nr0 4 des Entwurfs des Klägers zu verfahren„ Ber Antrag des Klägers zu dieser Einigung liege in der Übergabe des Entwurfs an den Beklagten» Ber Beklagte habe diesen Antrag dadurch angenommen, daß er dem Kläger einen Entwurf mit den die Nr0 4 nur unwesentlich berührenden Änderungsvorschlägen des Angestellten Feineis vorgelegt, die Zusammenarbeit mit dem Kläger aufgenommen und im Rahmen dieser Zusammenarbeit bis einschließlich August 1961 ohne Vorbehalt nach Nr» 4 des Entwurfs abgerechnet habe» Der Kläger habe dieses Verhalten nur als Einverständnis des Beklagten mit der in Nr» 4 vorgesehenen Abrechnungsweise verstehen können„ Wäre in der Unterredung vom 14o Februar 1959 eine andere Abrechnungsv/eise vereinbart worden, so hätte der Beklagte auf diese jedenfalls nach der Erstellung der Bilans für 1959 übergehen müssen» Er habe aber unstreitig nicht einmal in seinen Geschäftsaufzeichnungen die auf das Thermo-Fax-Geschäft entfallenden Geraoinkostenanteile besonders erfaßt» Gegen den Beklagten sprächen ferner die Schreiben des Klägers vom 6» März, und 29» Juli 1961» In dem ersteren habe der Kläger dem Beklagten eine Vereinbarung bestätigt, wonach "für die Thorno-Fax-Abtei-lung speziell eine Stenokontoristin eingestellt11 werde und er sich 11 in diesem besonderen Falle11 bereit erklärt habe, "auch die Hälfte der anfallenden Kosten mitzu-übernehnen11 o Unter dem 29» Juli 1961 habe er an den Beklagten geschrieben: "In einem meiner letzten Schreiben habe ich mich einverstanden erklärt, bei Einstellung einer Mitarbeiterin für den Thermo-Fax-Innendienst DM 500 durch die Thermo-Fax-Abteilung tragen zu lassen, trotzdem es nach unseren Vereinbarungen zu Ihrem Aufgabenbereich gehört, für die kommerzielle Abwicklung des Thcrmo-Fax-Geschüfts zu sorgen11« Der Beklagte habe diesen Schreiben nicht widersprochen, obwohl er, wenn sein jetziger Vortrag richtig wäre, dazu allen Anlaß gehabt haben würde» Er habe die Ermittlung von Gemeinkostenanteilen im Jahre 1961 selbst lediglich als Verhandlungsgrundlage betrachtet» Das zeige sein Verhalten XI o Entgegen der Ansicht der Revision konnte das Berufungsgericht das gesamte Verhalten der Parteien dahin würdigen, daß sie sich über ihre Zusammenarbeit rechts-wirksam geeinigt und dabei vereinbart haben, auf der Grundlage der Nr0 4 de3 Entwurfs des Klägers abzurechnen* I* Die Parteien hatten, wie es in dem Schreiben vom 15o November 1958 heißt, beschlossen, den Thermo-Eax-Verkauf im Raume DfHHHB gemeinsam aufzunehmen, und der Kläger hatte, damit diese Absprache v/irksam werden konnte, dafür gesorgt, daß der Beklagte die Generalvertretung dafür erhielt * Dabei bestand zwischen den Parteien Klarheit darüber, daß der Kläger von Anfang an an direkten und indirekten Thermo-Pax-Verkäufen beteiligt war und "für unsere Zusammenarbeitu sofort tätig wurdeo Darüber, wie die Rechtsbeziehungen im einzelnen gestaltet, wie insbesondere die Gewinne exrrechnet werden sollten, haben die Parteien zwar erst nachträglich verhandelt* Dieser Umstand konnte das Berufungsgericht jedoch nicht hindern anzunehmen, sie hätten sich schon mit der Unterzeichnung des Schreibens gebunden, bei dem Vertrieb der Gerate zusaramenzuarbei-ten* Die Auslegungsvorsehrift des § 154 Abs® 1 Satz 1 BGB stand dem nicht entgegen* Nach ihr ist, solange sich die Vertragsparteien nicht über alle Punkte geeinigt haben, über die eine Vereinbarung getroffen werden soll, ein Vertrag nur nim Zweifel11 nicht geschlossen» Die Vorschrift findet also nur Anwendung, wenn sich nicht aus den Erklärungen der Vertragschließenden ein anderes ergibt«, Das hat aber hier das Berufungsgericht ohne Rechtsfehler angenommen» Die Parteien haben in Kenntnis der Tatsache, daß noch Einzelheiten geregelt werden mußten, ihre Zusammenarbeit aufgenommen» Sie haben damit zu erkennen gegeben, daß das Schreiben vom 15o November 195S als verbindliche Grundlage ihrer Rechtsbeziehungen ohne Rücksicht auf die Notwendigkeit der Regelung weiterer Einzelheiten gelten sollte» Das bedeutet, daß das Berufungsgericht die Unterschrift des Beklagten, weil er ihr keinen Zusatz beigefügt und nach der Feststellung des Berufungsgerichts auch nicht mündlich erklärt hatte, er wolle durch sie nur den Empfang des Schreibens bestätigen, als endgültige Annahme des auf Zusammenarbeit gerichteten Angebots des Klägers ansehen durfte» Zu dem Vorbringen des Klägers selbst hat sich das Berufungsgericht dabei entgegen der Ansicht der Revision nicht in Widerspruch gesetzt» Die Annahme des Berufungsgerichts, die Parteien hätten sich im Sinne dex^ vom Kläger vorgeschlagenen, vom Beklagten lange Zeit ohne Vorbehalt geübten Abrech-nungsv/oise geeinigt, verstößt auch nicht, v/ie die Revision meint, gegen die Auslegungsregeln der Absätze 1 und 2 des § 154 BGB. Bie Würdigung der Aussagen der Zeugen Brückmann und Peineis durch das Berufungsgericht lässt keinen Verfahrensfehler erkenneno Auch die Revision hat mit ihren Rügen, die der Senat im einzelnen geprüft hat, einen solchen nicht aufzuzeigen vermochte Bie Revision wirft dem Berufungsgericht noch vor, die Rechtsnatur des Verhältnisses der Parteien verkannt oder nicht abschließend geprüft zu haben* Sie meint, daß eine Entscheidung darüber für die Beweislastverteilung und für die Beweiawürdigung von Bedeutung gewesen sein würde* Auch dieser Angriff ist unbegründet* Bas Berufungsgericht hat in umfassender Würdigung des vorgetragenen Sachverhalts und der Zeugenaussagen für bewiesen erachtet, daß sich die Parteien auf die von dem Klägex' vor-geschlagcne Abrechnungsweise geeinigt haben* Babei v/ar nur entscheidend, daß zwischen den Parteien ein in Vollzug gesetztes BauerschuldverhUXtnis' bestanden hat , nicht dagegen, welcher Art dieses Verhältnis gewesen ist*