BGH · II ZR 43/77 vom 19.09.1977
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Juni 1976 verkündete Urteil des Landgerichts hatte der Beklagte Berufung eingelegt, die das Oberlandesgericht wegen Versäumung der Berufungsbegründungsfrist durch Beschluß vom 22. Juni 1976 erfolgte Zustellung des erstinstanzlichen Urteils an seinen Prozeßbevollmächtigten habe die Berufungsfrist nicht in Lauf gesetzt, weil in dem Urteil die Verhinderung eines der mitwirkenden Richter an der Unterschrift nicht in einer dem § 315 Abs. 1 Satz 2 ZPO genügenden Weise vermerkt gewesen sei; deshalb sei auch die zweite Berufung noch rechtzeitig. Der Prozeßbevollmächtigte des Beklagten hat aber glaubhaft gemacht, von dem Ablauf der Revisionsbegründungsfrist erst durch eine Mitteilung des Vorsitzenden am 24. Dem Beklagten ist deshalb auf seinen an diesem Tage zugleich mit der Revisionsbegründung eingegangenen Antrag Wiedereinsetzung in den vorigen Stand zu gewähren; für ihn beruhte die Versäumung der Revisionsbegründungsfrist, wie die vorstehenden Darlegungen ohne weiteres ergeben, auf einem unabwendbaren Zufall im Sinne von § 233 Abs. 1 ZPO a. Dies hat das Berufungsgericht mit der Begründung verneint, die Zustellung des erstinstanzlichen Urteils am 25. Der Revision ist darin zuzustimmen, daß diese beglaubigte Abschrift den Erfordernissen des § 315 Abs. 1 ZPO nicht entsprach. Nach ihm muß, wenn einer der Richter, die bei der Entscheidung mitgewirkt haben, verhindert ist, das Urteil zu unterschreiben, dies unter Angabe des Verhinderungsgrundes von dem Vorsitzenden - bei dessen Verhinderung von dem ältesten beisitzenden Richter - unter dem Urteil vermerkt werden. Wenn der dafür berufene Richter den Vermerk nicht unterschreibt, so muß sich wenigstens aus der räumlichen Stellung und/oder der Fassung des Vermerks zweifelsfrei ergeben, daß er von diesem Richter her-rührt (vgl. Die zweimalige Wiedergabe des Namens i^BP sprach zwar dafür, daß der Vorsitzende die Urteilsurschrift auch für den Richter NBHP) hatte unterschreiben wollen. indes nicht dem Gesetz, Der Vermerk aber, daß Richter infolge Urlaubs an der Unterschrift verhindert gewesen sei, war nach seiner Stellung auf der beglaubigten Abschrift der zweiten Unterschrift des Vorsitzenden räumlich nicht derart zugeordnet, daß daraus klar genug entnommen werden konnte, der Vermerk sei auf der Urteilsurschrift von ihm selbst veranlaßt worden. Juni 1976 zu dem Zwecke der Zustellung eine beglaubigte Abschrift übergeben worden, die nur die Unterschriften zweier Richter wiedergab und hinsichtlich des dritten Richters keinen wirksamen Verhinderungsvermerk trug, so hat diese Zustellung wegen des ihr damit anhaftenden Mangels die einmonatige Berufungsfrist nicht in Lauf gesetzt (vgl. Welche Schlußfolgerungen der Prozeßbevollmächtigte aus der Fassung und der räumlichen Stellung des Verhinderungsvermerks gezogen hat, ist demgegenüber ohne Belang; denn die Zustellung ist ein Formalakt, dessen Wirksamkeit im Interesse der Rechtssicherheit nicht von den Vorstellungen des Zustellungsempfängers abhängig gemacht werden kann (vgl. Entsprach danach Jedenfalls die beglaubigte Abschrift nicht den Erfordernissen des §315 Abs. 1 ZPO, so kann es auf sich beruhen, ob wenigstens die Urteilsurschrift und die von ihr hergestellte Ausfertigung, die die Grundlage der Zustellung gebildet hat, dieser Vorschrift genügt haben; denn erfolgt, wie hier, die Zustellung eines Urteils durch Übergabe einer beglaubigten Abschrift, so kommt es nur auf diese an, da nur sie im Besitz des Zustellungsempfängers bleibt, ihm aber gerade durch ihre Übergabe die Einsichtnahme in die Urschrift und eine besondere Prüfung der Ausfertigung erspart werden soll. Da der Beklagte nach alledem die Berufung rechtzeitig eingelegt und sie auch rechtzeitig begründet hat, muß die Sache an das Berufungsgericht zurückverwiesen werden, damit dieses nunmehr in der Sache selbst entscheiden kann.