BGH · II ZR 43/61 vom 22.11.1962
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hinreichend gerechtfertigt erscheinen« Trotz Hinweis hätten es die Beklagten unterlassen, Uber das wirtschaftliche Ziel, das sie mit dem Abschluß des notariellen Vertrages vom 14* Februar 1955 verfolgt hätten, etwas vorzutragen« Die allgemeinen Ausführungen der Beklagten über Umsatzsteuer und Gruppenverteiler ließen nicht erkennen, wie sich das auf das Unternehmen der Beklagten zu 1 .ausgewirkt hätte« Es sei nicht dargetan, daß die Beklagten aus zwingenden wirtschaftlichen Gründen eis Vertriebsagenten der Zuckerfabriken hätten tätig werden müssen, wodurch für sie die Möglichkeit des Werkfernverkehrs entfallen sei. Die Beklagten seien nicht unbeteiligte Dritte, auch wenn nach außen hin Auftraggeber der Firma die Zuckerfabriken gewesen seien* die Beklagten hätten als Yertriebsagenten der Zuckerfabriken die Transportaufträge vermittelt; sie hätten weiterhin Uber die Durchführung der Zuckertransporte zu bestimmen gehabt und seiierö an der Kiedrighaltung der Transportkosten interessiert gewesen« Bei dieser Sachlage ließen die in der Form gesellschaftlichen Gewinns erfolgten Frachtrückzahlungen erkennen, daß bei Abschluß der Verträge die Umgehung des Tarifs zu dem mindesten mitbestimmend gewesen sei. Bas ergebe sich auch^cus der Änderung des notariellen Vertrages durch die daneben getroffene* von den Beklagten im Rechtsstreit lange bestrittene privatschriftliche Vereinbarung; hierdurch sei der Gewinnanteil in ein festes Verhältnis zu den Bruttofrachteinnahmen aus den Transporten gesetzt worden* die die Beklagten der Firma in Auftrag gegeben hätten. liehe Ziel sie mit dem Abschluß der Verträge verfolgt hätten die unzureichende Aufklärung gehe nicht zu lasten der Beklagten, sondern der Klägerin,, Vielmehr ist das Berufungsgericht zu der Überzeugung gekommen, daß die Beklagte zu 1 aus wirtschaftlichen Gründen den Werkverkehr und damit ihre Stellung als Zuckergroßhändler nicht habe beibehalten wollen, sondern geglaubt habe, als Vertriebsagentin der Zuckerfabriken durch Abschluß der Verträge mit der Firma gewinnbringend arbeiten zu können, Baß dies das wirtschaftliche Ziel der Eeklagten war, ist letzten 3nd.es auch die Auffassung der Revision, wenn sie vorträgt, den Beklagten sei es um die wirtschaftliche Verwertung ihres Unternehmens gegangen, sie hätten nicht nur den Anlagewert, sondern den Nutzwert ihrer Kraftfahrzeuge erhalten und ihren Kundenkreis verv/erten wollen und sich deshalb mit ihren Kraftfahrzeugen an dem Transportunternehmen LfllK beteiligt, Bas von der Revision herVorgehobene wirtschaftliche Ziel das mit den Verträgen vom 14» Februar verfolgt worden:.sei, schließt durchaus nicht aus, daß die Firma an die Beklagte zu 1 Zahlungen geleistet hat, die der TarifUmgebung gleichkommeno Nach der Feststellung des Berufungsgerichts ist es den Beklagten wesentlich auch darum gegangen, die damals eingeführte höhere Besteuerung des Werkverkehrs zu umgehen und für die Transporte nicht die tariflichen Sätze aufwenden zu müssen, Gerade eine solche Beziehung ist aber hier entgegen der Ansicht der Revision gegeben« Während im notariellen Vertrag das (scheinbare) "Entgelt für die Beteiligung" der Beklagten an dem Unternehmen der Firma noch in ein Verhältnis zu den gesamten BruttofrachtUmsätzen dieser Firma gebracht war, ist es im privatschriftlichen Vertrag vom gleichen Tage auf "22 # der Bruttofrachteinnahmen aus Aufträgen (der Beklagten zu 1) über Zuckerfern-transporte für deren Vertragszuekerfabrike# in wöchentlicher Abrechnung" festgesetzt worden« Die Zahlungen, die die Firma LflMBBfe auf Grund dieses Vertrages an die Beklagte zu 1 geleistet hat, kommen einer Umgehung des tarifmäßigen Beförderungsontgeltes gleich und sind daher nach § 22 Abs« 2 GüKG unzulässig« Daran ändert nichts, daß die Beklagte nach der Behauptung der Revision mit dem Abschluß der Verträge das Ziel verfolgte, ihre Lastzüge nutzbringend zu verwerten« Die Ansicht des Berufungsgerichts, daß die TarifUmgehung für den Abschluß der Verträge mindestens mitbestimmend geyjesen sei, ist ohne Hechtsfehler« Das Berufungsgericht geht selbst davon aus, daß nach außen hin die Zuckerfabriken die Auftraggeber für die Transporte gewesen seien, so daß die Angriffe der Revision, das Berufungsgericht habe das nicht berücksichtigt, ins Leere gehen« Mit Recht hat es das Berufungsgericht auf eine wirtschaftliche Betrachtungsweise abgestellt« Wirtschaftlich gesehen war aber die Beklagte zu 1 Auftraggeberin, da sie nach den Verträgen sämtliche bei ihr anfallenden Zuckertransporte der Zucker-fabriken'der Firma anzubieten hatte und, wie die Revision selbst zugibt, die Firma sogar vertrag- 4«, Die Revision wendet sich weiter gegen die Ansicht des Berufungsgerichts, daß bei der Frage, ob die Zahlungen der Firma ein angemessenes Entgelt für die Deistungen der Beklagten seien, die Tätigkeit der Beklagten als ^racht-gutvermittlerin nach § 32 GüKG und damit die Einbringung der Geschäftspartner nicht zu berücksichtigen sei* Die Revision meint, der geworbene Kundenkreis stelle bei einem Transportunternehmen einen erheblichen Wert dar, der als Xeistung der Beklagten berücksichtigt werden müsse« Die Revision übersieht aber, daß die Beklagte ihren Kundenkreis nicht in das Vermögen der Firma eingebracht hat« Die Beklagten hoben selbst nicht vorgetragen, daß sie ihre Kundenlisten der Firma übergeben hätten«, Vielmehr hat die Be- klagte, wie die Revision selbst ausführt, die Tätigkeit einer Frachtgutvermittlerin ausgeübt, soweit die nicht etwa selbst auch rechtlich- gesehen als Auftraggeberin tätig geworden sein-sollte« Für eitle erlaubte Frachtgutvermittlung kann der Vermittler Provision verlangen« Die Beklagten haben aber selbst nicht behauptet, daß die Beklagte zu 1 ihre Vermittlungstätigkeit erlaubterweise ausgeübt hätte* Das Berufungsgericht hat daher in Übereinstimmung mit dem früheren Senatsurteil diese Tätigkeit der Beklagten mit Recht nicht berücksichtigt,! sätzlich tarifwidrige Zahlungen geleistet hat» Die Beklagten haben zwar im Schriftsatz vom 9* November 1960 Bl» 5 behauptet, sie hätten vorher Erkundigungen über die rechtliche Zulässigkeit des beabsichtigten Vorhabens eingezogen, und die Firma habe auf Grund dieser Erkundigungen an die Rechtmaßigkeit ihres Vorhabens geglaubt» Jedenfalls bei der hier gegebenen Sachlage ist das Verteidigungsvorbringen unerheblich» Rechtsfehlerfrei konnte das Berufungsgericht seine Überzeugung von dem vorsätzlichen Handeln der Firma darauf stützen, daß der notarielle Vertrag in dem hier entscheidenden Funkt durch den daneben getroffenen, im Rechtsstreit lange bestrittenen privatschrift-lichen Vertrag geändert worden ist».