BGH · II ZR 42/75 vom 05.05.1977
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Auf die Revision der Beklagten wird das Urteil des Schiffahrtsobergerichts Hemm vom 17* September 1974 aufgehoben und die Sache zur ander weiten Verhandlung und &rtScheidung - auch Uber die Kosten der Revision - an das Berufungsgericht zurückverwie sen• In Höhe dieses Betrags nlmt sie aus übergegangenen Recht die Beklagte zu 1 als Bignerin des TMS "Bsso Rendsburg" tnd den Beklagten zu 2 als verantwortlichen Schiffs-führer dieses Fahrzeugs an Unfall tag in Anspruch. Den Beklagten zu 2 wirft sie in wesentlichen vor, nit unvermindert hoher Geschwindigkeit an HS "Regina" vorbei gefahren zu sein; dadurch sei der Talfahrer derart stark abgeswken, daß er mit den Heck auf Grund geschlagen sei. Die Klägerin hat beantragt, die Beklagten als Gesamtschuldner zur Zahlung von 23.091,58 DM nebst Zinsen zu verurteilen, die Beklagte zu 1 allerdings nur dinglich mit TMS "Bsso Rendsburg" und im Rahmen des § 114 BinnSchG beschränkt persönlich haftend. hätte er» vie der Sachverständige Kapitän DMI überzeugend aus ge führt habe» den Gegen Ir n—er erst bei einer auf 4 bis 5 kn/st verringerten Geschwindigkeit gefahrlos passieren können« Stattdessen habe er nach den eigenen Vortrag der Beklagten und nach den Aussagen der Besatzungsnitglieder des TMS nit diesem Fahrzeug eine Geschwindigkeit von 6 kn/st - gegen Land - eingehalten« Dadurch habe sich während der Vorbei -fahrt eine Absenkung des Ge gen könne rs um mindestens 20 bis 30 cm und ein leichtes Verfallen seines Hinterschiffes nach Backbord hin ergeben» wo dieser in der sich zu dem Ufer hin bald erheblich verringernden Wasser-tiefe mit dem Ruder den Grund berührt habe« a) Zwar ist es richtig» daß der Zeuge SHHH ("EM RMBi") bei der Vernehmung durch das Schifffahrtsgericht ausgesagt hat» die Geschwindigkeit des Bergfahrers habe "vielleicht bei 6 km/st” gelegen« Diese Bekundung nötigte das Berufungsgericht jedoch nicht» zu Gunsten der Beklagten von einer Geschwindigkeit des TMS "SM Rmmmm" von 3 km/st auszugehen» nachdem sie diese selbst mit rund 6 km/st (vgl. - insbesondere in einem engen Fahrwasser oder bei niedrigem Wasser stand - wechselseitig beeinflussen, ist in Schiffahrtskreisen allgemein bekannt (vgl« auch Miller, Untersuchungen über die gegenseitige Kurs beeinflussung von Schiffen auf Binnenwasserstraßen, Schiff und Hafen 1967 , 393 ff* sowie Müller, Untersuchungen über die wechselseitige Beeinflussung der Absenkung bei aneinander vorbei-fahrenden Schiffen, Zeitschrift für Binnenschiffahrt 1969, 463 ff.) • Ebenso weiß jeder SchiffsfUhrer, daß der von seinem Fahrzeug ausgehende Druck tnd Sog um so größer ist, je höher dessen Geschwindigkeit ist« Fährt daher ein Schiff an einem anderen Fahrzeug mit zu hoher Geschwindigkeit vorbei, so muß seine Führung damit rechnen, daß dieses Fahrzeug außergewöhnlich stark absinken oder seitlich versetzt werden kann« Das alles berücksichtigt die Revision nicht genügend, soweit sie meint, der Beklagte zu 2 habe nicht in Rechnung stellen müssen, daß das Heck des Talfahrers um einige Meter nach Backbord geraten könne« Auch läßt sich dem angefochtenen Urteil 4. Zur Frage eines etwaigen Mitverschuldens der Führung des Talfahrers hat das Berufungsgericht lediglich bemerkt, daß nfür eine Verursachung durch eigene Fahrfehler des Schiffsführers von MS 'Regina1 nach dem Sachverständigengut achten jeder Anhaltspunkt” fahle. Da der Sachverständige aber insoweit auch nur aus geführt hatte, ”er sehe keinerlei Anhaltspunkte für ein Mitverschulden des Talfahrers MS 'R4BHV, insbesondere könne man dem Schiffs führer nicht vorwerf an, er habe im Ausgang der Kurve schon früher mehr nach rechts steuern müssen”, hat das Berufungsgericht die Mitverschuldensfrage durch den Hinweis auf die Erklärungen des Sachverständigen nicht erschöpfend behandelt* Das rügt die Revision deshalb mit Recht* Allerdings ist ihr nicht zu folgen, soweit sie meint, ein Mitverschulden des Talfahrers sei schon anzunehmen, weil er während der Begegnung - angeblich - einen zu großen Seitenabstand zu dem Bergfahrer eingehalten und das Verfallen des Hecks seines Fahrzeugs um einige Meter nach Backbord nicht verhindert habe* Dem steht im ersten Punkte entgegen, daß Druck und Sog um so stärker vnd damit gefährlicher gewirkt hätten, je näher der Talfahrer an den Bergfahrer herangegangen wäre, während die Revision im zweiten Punkte nicht beachtet, daß das Ausscheren des Hecks die Folge der durch die iberhöhte Geschwindigkeit des Bergfahrers entstandenen Druck- und Sogverhttltnisse war. daß sich das Berufungsgericht nicht mit dem Vortrag der Beklagten aus einander gesetzt hat, die FUhrung des MS "RflPH" sie verpflichtet gewesen, den Bergfahrer durch ein Achtungsignal zur Herabsetzung seiner Geschwindigkeit zu veranlassen, wenn sie diese für überhöht angesehen hätte« Auch kann es in einem solchen Falle fUr den Talfahrer geboten gewesen sein, die Geschwindigkeit des eigenen Fahrzeugs noch stärker, als von seiner FUhrung behauptet, herabzusetzen und damit dessen Absenkung infolge der eigenen Fahrt so weit als möglich zu vermindern« Ist nämlich für die FUhrung eines Schiffes bei sorgsamer Beobachtung aller Itostände erkennbar, daB sich dieses bei der Begegnung mit einem anderen Fahrzeug bis unter die Solltiefe setzen kann, so ist sie verpflichtet, dieser Gefahr durch jede sachgerechte Maßnahme zu begehen (BGH, Urt« v.