BGH · II ZR 42/58
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
- Prozeßbevollmächtigterg Rechtsanwalt Br«, Am 13o Juli 1954 besprachen die gesetzlichen Vertreter der Parteien die Angelegenheit in Eo9, Mit Schreiben vom gleichen Tage übersandte die Klägerin dem Beklagten unter Bezugnahme auf diese Unterredung eine zusammenfassende Darstellung über die in Frage kommenden Darlehen® In diesem Schreiben hieß ess ’’Die Beschaffungsgebühr für uns beträgt in den Fällen zu I (mittelfristige Darlehen) 1 $? ob das Interesse an dem Kommunaldarlehen fortbestehe® Der Beklagte bejahte diese Frage mit Schreiben vom 17® Juli 1954« Die Klägerin bemühte sich in der Folgezeit um die Vermittlung des Darlehens? lehnt hätten* In dem letzten Schreiben wies die Klägerin aber darauf hin* möglicherweise sei die Hypothekenbank in MBHH| unter bestimmten Voraussetzungen zur Gewährung eines Darlehens bereite Am 9° September 1954 teilte die Klägerin der Beklagten mit, sie habe die Haushaltspläne und Haushaltssatzungen für die Jahre 1953 und 1954, die sie von der Bank in BrBBB zurückerhalten habe, der Hypothekenbank in MBiHB zur Prüfung geschickt; sie, die Klägerin, bitte nunmehr um die Übersendung des Nachtragshaushaltsplans und der Nachtragshaushaltssatzung für 1954? die für die Beurteilung des Darlehensantrages unerläßlich seien* Am 18* September 1954 antwortete der Beklagte, er könne diese Unterlagen noch nicht zur Verfügung stellen, da der Kreistag, der dieses Werk beschließen müsse, aller Voraussicht nach erst Ende Oktober 1954 zusammentreteQ Am 20c September 1954 teilte die Klägerin dem Beklagten ein Schreiben der Hypothekenbank in vom 16* September 1954 mit, in dem es auszugweise hieß? (Beklagten) gegen Schuldschein ein bares Darlehen von DM 500*000,— zu jährlich 6 1/2 $ Zins und 1 c/o Tilgung zuzüglich der ersparten Zinsen zu gewähren mit der Auflage, daß das Darlehen ausschließlich für den sozialen Wohnungsbau verwendet wird« 7) Das Darlehen muß bis zu dem 20» Nov» 1954 bezogen werden; die erforderlichen Nachweise und Erklärungen müssen der Bank mindestens die Annahme des Darlehens-Angebotes bis zu dem 15o Okt» spätestens bei der HYPO, eingehend unter nach dem der Beklagte der Klägerin bei Zusage des Darlehens eine Beschaffungsgebühr zahlen müsse» Zu einer derartigen Zusage fsf sei es jedoch nicht gekommen0 Es könne nicht angenommen werden, daß bereits eine unverbindliche Zusage einer Bank genügen solle, um den Anspruch der Klägerin entstehen zu lassen« Es dürfe nicht außer acht gelassen werden, daß es sich bei dem Beklagten um eine öffentliche Körperschaft handele, deren Finanzierungsgebaren strengen Vorschriften unterliege und deren gesetzlicher Vertreter die Verantwortung dafür trage, daß die öffentlichen Mittel sparsam verwaltet würden« Es sei deshalb nach der Lebenserfahrung nicht anzunehmen, daß der Beklagte ohne Rücksicht auf den endgültigen Erfolg eine Vermittlungsgebühr habe versprechen wollen« Die Klägerin habe auch keine Tatsachen vorgetragen, aus denen ein derartiger Schluß gezogen werden könne0 Das mehr oder weniger freibleibende Angebot der Hypothekenbank, das für diese weder eine irgendwie geartete unmittelbare Rechtsverpflichtung noch für den Beklagten einen unmittelbaren Rechtsanspruch erzeugt habe, könne deshalb nicht als Zusage im Sinne der Parteivereinbarungen angesehen werden« Nach dem Inhalt des Schreibens der Bank, einschließlich des Entwurfs der Schuldurkunde, könne nicht angenommen werden, daß eine verbindliche Zusage Vorgelegen habe., Die Bank habe lediglich ihre Bereitwilligkeit erklärt, dem Beklagten ein Darlehen von 500 000 DM zu den näher ausgeführten Bedingungen zu gewähren, und ausdrücklich darauf hingewiesen, daß für die Darle hensZusage und den Darlehensbezug bestimmte Voraussetzungen und Bedingungen, unter anderem die Unterzeichnung der beigefügten Schuldurkunde, zu erfüllen seien« Nach dem Wortlaut der Schuldurkunde sei für die Wirksamkeit des Schuldanerkenntnisses Voraussetzung gewesen, daß der Beschluß des Kreistages und die Genehmigung der Staafcsauf-sichtsbehörde Vorgelegen hätten« Auch die Klägerin sei bei Abfassung ihres Schreibens vom 20» September 1954 offensichtlich der Auffassung gewesen, daß die Bank nicht bereits eine verbindliche Zusage erteilt, sondern nur ein Angebot auf Erteilung einer verbindlichen Zusage für den Fall der fristgemäßen Annahme durch den Beklagten gemacht habeP Biese Folgerung ergebe sich auch zwingend aus der Befristung des Angebotes der Bank bis zu dem 15» Oktober 1954 und den Bedingungen unter den Ziffern 7 und 8 des Angebotes, wonach die Gebundenheit - nach Eintritt der Bindung durch die Annahme des Angebotes - erlösche, wenn die erforderlichen Nachweise nicht spätestens 10 Tage vor der Auszahlung vorlägen., und wonach bei nicht fristgerechtem Abruf eine Entschädigung zu zahlen sei* Bas Gegenteil könne auch nicht dem Schreiben der Bank vom 24» November 1954 an die Klägerin entnommen werden <> In diesem Schreiben habe die Bank zwar erklärt, sie habe ihre Barlehenszusage in den Büchern ab-geschrieben,, Bie Bank habe jedoch gleichzeitig darauf hingewiesen, daß ihr weder die Annahmeerklärung oder die Schuldurkunde noch sonstige Mitteilungen zugegangen seien0 Ber Begriff Barlehenszusage im Sinne dieses Schreibens könne deshalb unter Beachtung der Erklärungen der Bank im Schreiben vom 16o September 1954 lediglich als Hinweis auf eine buchmäßige Vormerkung der Erfüllungsverpflichtungen nach Annahme des Vertragsangebotes durch den Beklagten aufgefaßt werden» 2o Bie Revision greift die Auffassung des Berufungsgerichts an, die Bank habe das Barlehen nicht bereits im Sinne der ParteiVereinbarungen zugesagt« Sie meint, die Ansicht des Berufungsgerichts, bei dem Angebot der Hypothekenbank habe es sich um mehr oder weniger Frei- Die Bank habe ausdrücklich erklärt, sie halte sich an ihr Angebot bis zu dem 15« Oktober 1954 gebunden» Die Befristung des Angebots sei erforderlich gewesen, weil der Antrag sonst nach § 148 BGB, den das Berufungsgericht übersehen habe, alsbald hätte angenommen werden müssen» Auch aus den Ziffern 7 und 8 des Angebotes ergebe sich eine Bindung der Bank* Eine andere Ansicht habe die Klägerin auch nicht in ihrem Schreiben vom 20» September 1954 vertreten. Die Bank habe ein bindendes Angebot und damit eine feste Zusage gemacht und nicht, wie das Berufungsgericht meine, den Beklagten aufgefordert, seinerseits ein Angebot abzugeben» Jedenfalls hätte die beantragte Auskunft der Hypothekenbank über diese Bindung eingeholt werden müssen; wenn es zweifelhaft gewesen wäre, ob die Zusage bindend oder nicht bindend gewesen sei, hätte die Klägerin auf eine nach § 139 ZPO erfolgte Anfrage den gestellten Beweisantrag näher erläutert» Schließlich sei auch das Schreiben der Hypothekenbank vom 24» November 1954 eindeutig«, Wenn die Bank keine Bindung eingegangen wäre, hätte eine buchmäßige Vormerkung keinen Sinn gehabt0 Eine Vormerkung werde erst gebucht, wenn ein bindendes Angebot gemacht werdet. 3» Der Angriff der Revision kann keinen Erfolg haben» Die Revision hält ein bindendes Angebot auf Abschluß eines Darlehensvertrages für dasselbe wie eine feste Darlehenszusage und geht von der Auffassung aus, das Berufungsgericht lehne die Ansicht ab, die Bank habe ein ver- seinerseits ein Angebot zu machen„ Das Berufungsgericht unterscheidet vielmehr zwischen dem (bis zu dem 15« Oktober 1954 bindenden) Angebot auf Erteilung einer verbindlichen Zusage und der Erteilung der Zusage selbst? die Bank habe nur ein Angebot auf Erteilung der Zusage gemacht? sichtlich der (vom Berufungsgericht vertretenen) Auffassung gewesen, daß die Bank nur ein Angebot auf Erteilung einer verbindlichen Zusage für den Pall der fristgemäßen Annahme des Angebotes durch den Beklagten gemacht habe» Das Berufungsgericht ist also der Ansicht, vor der vom Beklagten zu erklärenden Annahme des von der Klägerin gemachten Angebotes habe die Beklagte keine verbindliche Darlehenszusage abgegeben. Schließlich hat das Berufungsgericht ausgeführt, auch aus der Befristung und den Ziffern 7 und 8 des Angebotes ergebe sich, daß die Bank vor Annahme des Angebotes durch den Beklagten keine verbindliche Darlehenszusage gemacht habe«. Das Berufungsgericht ist der Auffassung, daß die Bank bis zu dem 15» Oktober 1954 an ihr Angebot und vom Zeitpunkt der Annahme des Angebotes durch den Beklagten an die Darlehenszusage gebunden sei, und daß sie von dieser letzteren Bindung frei werde, wenn, wie dies in Ziffer 7 des Angebotes vorgesehen sei, die erforderlichen Nachweise nicht rechtzeitig vorlägen«, Das Berufungsgericht hält somit nicht für entscheidend, daß sich die Eank durch das Angebot gebunden hat, beim Vorliegen bestimmter Voraussetzungen und Bedingungen eine verbindliche Darlehenszusage zu erteilen; es stellt es vielmehr ausschließlich darauf ab, ob die Bank diese verbindliche Zusage bereits selbst abgegeben hat« Bindendes Angebot (einen Vertrag unter bestimmten Bedingungen zu schließen) und bindende Zusage (ein Darlehen gemäß den vereinbarten Bedingungen zu gewähren) sind also nach der Auffassung des Berufungsgerichts, im Gegensatz zu der Ansicht der Revision, nicht dasselbe«, die Zinsen und die Tilgungsraten des Darlehens einig (vgio die Schreiben vom 4p und 12o August 1954)« Das Angebot der Hypothekenbank enthielt aber einschließlich des Entwurfs der Schuldurkunde eine Reihe weiterer Bedingungen? über die zwischen den Parteien nicht die Rede war» Das Angebot mußte weiterhin vom Kreistag angenommen werden; dieser war für die Aufnahme von Darlehen zuständig (§ 14 Abs. 2 der Landkreisordnung - LKO - des Landesgesetzes zur Änderung und Neufassung des Selbstverwaltungsgesetzes für Rheinland-Pfalz vom 5o Oktober 1954)* Es war aber jedenfalls zweifelhaft? Die Auffassung des Berufungsgerichts, die Bank habe durch ihr (bis zu dem 15» Oktober 1954 bindendes) Angebot noch keine Darlehenszusage im Sinne der Parteivereinbarungen abgegeben, eine derartige (verbindliche und unbedingte) Zusage hätte vielmehr erst Vorgelegen, wenn der Beklagte das Angebot der Bank angenommen hätte, ist nach alledem naheliegend, jedenfalls aber möglich und damit für das Revisionsgericht bindendo Mit dieser Peststellung entfallen die Angriffe der Revision, die zur Voraussetzung haben, daß bindendes Angebot und Darlehenszusage identisch sindo Das Berufungsgericht hat ausgeführt, der Klägerin stehe der Mäkleranspruch auch nicht auf Grund einer Vertragsverletzung des Beklagten zu» Der Beklagte habe sich nicht verpflichtet, ein von der Klägerin vermitteltes Vertragsangebot einer Bank anzunehmen® Der Beklagte habe sich dadurch, daß er das Angebot der Hypothekenbank nicht angenommen habe, auch nicht etwa arglistig oder treuwidrig 'verhalten® antworten dürfene Die Revision übersieht jedoch, daß der Beklagte nicht verpflichtet war, das Angebot der Hypothekenbank anzunehmen«, Dadurch, daß sie der Klägerin erst am 16® Oktober 1954, also nach Ablauf der Angebotsfrist, geschrieben hat, die nächste Kreistagssitzung finde erst Ende November statt, kann also der Klägerin kein Schaden entstanden sein« Im übrigen hatte der Beklagte der Klägerin bereits am 18® September 1954 mitgeteilt, der Kreistag werde voraussichtlich Ende Oktober 1954? gestelll, daß der Beklagte im Jahre 1954 bei anderen Banken zwei Barlehen über insgesamt 800 000 BM aufgenommen und mit diesen Banken erst in Verbindung getreten sei* als er das Schreiben der Hypothekenbank gekannt habe» Auch diese Rüge der Revision ist nicht begründeto Ber Beklagte war berechtigt, sich mit anderen Finanzierungs-instituten zwecks Aufnahme von Barlehen in Verbindung zu setzen« Bie Vertragsbeziehungen zwischen den Parteien schlossen nicht aus, daß der Beklagte sich seinerseits um die Aufnahme von Barlehen bemühteo Im übrigen hat der Beklagte auch nicht, wie die Revision meint, erst nach dem 20* September 1954 die Verbindung mit anderen Banken aufgenommen; er hat dies vielmehr, wie die Klägerin selbst in den Tatsacheninstanzen vorgetragen hat (GA 20) und wie sich auch aus dem Schreiben des Landratsamts an die Mitglieder des Kreisausschusses vom 12«, August 1954 ergibt, bereits im August 1954, also zu einer Zeit getan, als die Klägerin ihm mitgeteilt hatte, die Hypothekenbank in habe die Gewährung eines Barlehens abgelehnt0 Schließlich hat das Berufungsgericht auch ausgeführt, der Beklagte habe unwidersprochen vorgetragen, daß die Aufnahme der 800 000 BM bei anderen Finanzierungsinstituten die Aufnahme der 500 000 BM, die die Klägerin habe vermitteln sollen, nicht ausgeschlossen habe*