BGH · II ZR 40/57 vom 30.06.1958
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Sie verabredete mit dem Beklagten zu 1) und Frau S|®HHflkc>hne Wissen des Klägers den Abschluß eines Pachtvertrags über ein von ihr auf den Grundstücken zu errichtendes Lichtspieltheater für den Fall, daß der ursprüngliche Kaufvertrag über das Grundstück Nr. Der Beklagte zu 1) als Bevollmächtigter der Beklagten zu 2) und SflHB ^tten ihn durch unwahre Angaben über die angeblich zu entrichtende Grunderwerbssteuer und durch die weitere Angabe darüber, daß ein Interessent 10,000 DM Abfindung bezahlen werde, zu dem Rücktritt vom Kaufvertrag bestimmt- Dieser Rücktritt habe die Verwirklichung des Gesellschaftszwecks ermöglicht, da die von der Firma E^| & Co* als Gegenleistung angebotene Errichtung und Verpachtung des Kinos dem Gesellschaftszweck gedient habe* An dieser an die Stelle der Rechte aus dem Grundstückskauf getretenen Gegenleistung sei er daher zu 1/3 beteiligt (vgl. Für den Fall, daß die Firma E^| & Co., auch wenn sich die Beklagten und Frau dafür pflichtgemäß eingesetzt hätten, seine Mitbeteiligung an dem Pachtverhältnis nicht gebilligt hätte, stehe ihm unter dem Gesichtspunkt des Schadenersatzes wegen arglistigen Verhaltens des Beklagten zu 1), das der Beklagten zu 2) als dessen Auftraggeberin zuzurechnen sei, ein Abfindungsanspruch in Höhe von 30,000 DM zu, da Frau densel- Demgegenüber meint die Hevision, spätestens mit dem Abschluß des Kaufvertrages vom 22«, September 1953 hätten die Plane der Beteiligten zur Errichtung und zu dem Betrieb eines Lichtspieltheaters rechtserhebliche Form dahin angenommen, daß eine bürgerlichrechtliche Gesellschaft zustande gekommen sei, die neben der bürgerlichrechtlichen Gemeinschaft am Grundstück hätte bestehen sollen«, Eine derartige atypische bürgerlichrechtliche Gesellschaft wäre rechtlich zwar möglich (Staudinger-Geiler BGB Anh» zu § 705 Anm* 3)» Das Berufungsgericht hat jedoch mit zutreffenden Erwägungen, die keinen sachlichrechtlichen Fehler erkennen lassen, das Zustandekommen eines Gesellschaftsvertrages verneint« Es hat dabei das gesamte Vorbringen des Klägers, auf das die Revision verweist, berücksichtigt« Die Revision bezweckt mit ihrem Vorbringen lediglich, an Stelle der nicht zu beanstandenden Würdigung des Berufungsgerichts unzulässigerweise eine andere Beurteilung zu setzen« Damit entfallen die Schlußfolgerungen der Revision, die aus der Verletzung einer jgesellsch^tsrechtliche^ Verpflichtung hergeleitet werdeno Die gegenseitigen Verpflichtungen aus der Gemein-schaft erschöpfen sich in den in den §§ 742 bis 758 geregelten schuldrechtlichen Bestimmungen, die keine Pflicht zur Forderung einer gemeinsamen Aufgabe enthalten (Enneccerus-Lehmann, Schuldrecht § 183)« Daß die Beteilig-« ton etwa, worauf die Revision hinweist, eine vorvertragliche Bindung auf Abschluß der Verträge, die zur gemeinsamen Errichtung und zu dem gemeinsamen Betrieb eines Lichtspieltheaters notwendig waren, eingegangen hätten, hat der Kläger in der Tatsacheninstanz nicht behauptete Es hätte zudem, wie die Feststellungen des Berufungsgerichts ergeben, an der genügenden Bestimmtheit oder Bestimmbarkeit auch des Inhalts eines derartigen Vorvertrages gefehlt (BGH, Betrieb 1953, 124)o Somit entfallen alle Schlußfolgerungen, die die Revision an das Bestehen vertraglicher Verpflichtungen knüpfto 2o Das Berufungsgericht hat dem Kläger einen Schadenersatzanspruch gegen den Beklagten zu 1) zugebilligt, weil der Beklagte zu 1) zusammen mit dem Vertreter den Kläger durch arglistige Täuschung zu dem Rücktritt vom Kaufvertrag veranlaßt habe» Beide hätten den Plan gefaßt, den Kläger durch Vorspiegelung falscher Tatsachen zu dem Rücktritt zu bewegen, um ihn als Partner des in Aussicht stehenden Pachtvertrages mit der Firma & Co» auszuschließen0 Nach Absprache mit dem Beklagten zu 1) habe Steinwurz dem Kläger wahrheitswidrig erklärt, es müßten sofort 17.000 DM Grunderwerbssteuern bezahlt werden« Bei einer Überlassung an die von ihm gefundenen Käufer würden diese eine Abfindung von 10.000 DM bezahlen« In Wirklichkeit wurde der dem Kläger aus der angeblichen Abfindung anteilig zufallende Betrag von 3-330 DM von dem Beklagten zu 1) und dem Vertreter Spracht« Das Berufungsgericht hat ausgeführt, aus der unerlaubten Handlung, die in diesem sittenwidrigen Verhalten liege, könne die Beklagte zu 2) nicht in Anspruch genommen werden, da sie an der Vereinbarung zwischen ihrem Ehemann und nicht beteiligt gewesen sei« Mit Recht rügt die Revision, das Berufungsgericht habe den Sachverhalt nicht unter allen in Betracht kommenden rechtlichen Gesichtspunkten gewürdigt* Zwar kommt nach den Feststellungen des Berufungsgerichts eine Beteiligung der Beklagten zu 2) als Mittäterin oder Gehilfin nicht in Frage,, da sie keine Kenntnis von diesen Vorgängen hatte* Der Beklagte zu 1) hatte den Kaufvertrag vom 22p September 1953 jedoch als Bevollmächtigter seiner Ehefrau geschlossen« Er hat damit ein Rechtsgeschäft für die Beklagte zu 2) ausgeführt « Bei dem Rücktritt handelt es sich ebenfalls um ein Rechtsgeschäft der Beklagten zu 2), Damit war der Beklagte zu 1) als Verrichtungsgehilfe der Beklagten zu 2) beim Abschluß von Rechtsgeschäften tätig* Die arglistige Täuschung, die er dabei begangen hat, hat er in Ausführung der ihm auf-getragenen Verrichtung vollzogen« Sie hing damit so unmittelbar zusammen (vgl RG JW 1938, 2744), daß sie nicht als eine Handlung charakterisiert werden kann, die nur bei Gelegenheit der Ausführung einer Verrichtung begangen wurde« Daher haftet die Beklagte zu 2) nach § 831 BGB zusammen mit dem Beklagten zu 1) als Gesamtschuldner nach § 840 Abs« 1 BGB« Aus diesem Grunde war das Urteil, sov/eit es die Abweisung der Klage gegen die Beklagte zu 2) bestätigt, aufsuheben«, Da der festgestellte Sachverhalt ergibt, daß die Beklagte zu 2) zusammen mit dem Beklagten zu 1) als Gesamtschuldner zur Leistung eines Schadensersatzbetrages mindestens in der vom Berufungsgericht ermittelten Höhe von 1*670 DM verpflichtet ist, konnte insoweit in der Sache selbst entschieden werden (§ 563 Abs«3 Ziff*l ZK))* da er, abgesehen von der Erstattung seiner Anzahlung, 1/3 des zu erwartenden Mehrpreises mit der ihm gezahlten Abfindung für den Rücktritt von dem Kaufvertrag erhalten habe* Darüber hinaus hat das Berufungsgericht berücksichtigt, daß der Kläger nicht nur seinen Anspruch auf Übertragung des Miteigentums verloren habe, sondern daß ihm noch eine Gewinnmöglichkeit für eine höhere Abfindung als Entgelt für seine Rücktrittserklärung entgangen sei* Der Kläger hätte in Kenntnis des wahren Sachverhalts gegenüber den anderen Beteiligten, den Beklagten oder dem Vertreter oder, den an der Bauausführung interessierten Firmen weitere Forderungen erhoben und, wie das Berufungsgericht nach § 287 ZPO ermittelt, in Hohe von 1.670 DM durchgesetzt* Diesen Betrag hat es ihm noch zugebilligt , Die Ausführungen des Berufungsgerichts sind insoweit rechtlich nicht haltbar, als es einen Schaden des Klägers darin sieht, daß er seinen Miteigentumsanteil nicht erhalten habe* Dieser Schaden wäre ihm nur dann entstanden, wenn er bei Kenntnis der Sachlage seinen Miteigentumsanteil nicht aufgegeben hätte* Dazu hat das Berufungsgericht jedoch in tatsächlicher Hinsicht festgestellt, der Kläger hätte auch bei aller Kenntnis der Umstände sich mit einem tatsächlich erzielbaren Geldbetrag abfinden lassen, also nicht auf Übertragung des Miteigentumsanteils bestanden« Die Revision meint hierzu, das Berufungsgericht habe damit einen Kausalverlauf unterstellt, der unstreitig nicht eingetreten sei, os habe also zugunsten des Klägers einen hypothetischen Schadensverlauf berücksichtigt, obwohl dieser Schadensverlauf nicht mit der erforderlichen Gewißheit festgestellt, Hätte der Kläger auch bei Kenntnis des Sachverhalts in die Überlassung des Grundstücks an die Firma Eflfc & Co« eingewilligt, so kann sein Schaden nur darin liegen, daß er ohne die Täuschung eine andere oder höhere Gegenleistung erhalten hätte, als sie ihm von den Beteiligten erbracht und darüber hinaus in Höhe von 1«670 DM vom Berufungsgericht als Abfindung zugebilligt worden ist« Nach den Feststellungen des Berufungsgerichts scheidet die vom Kläger behauptete Möglichkeit aus, daß die Firma Wj/b & Co« ihn ebenfalls in den Pachtvertrag aufgenommen hätte« Hiergegen wendet sich die Revision mit verfahrensrechtlichen Rügen« und Frau wegen der Ausländereigenschaft von Frau Steinwurz später angefochten habe* Damit hat das Berufungsgericht zu dem Ausdruck gebracht, daß der Verpächterin schon die Ausländereigenschaft eines Pachters bedenklich erschien* Es brauchte daher, entgegen der Ansicht der Revision, nicht darauf einzugehen, ob der Kläger vermögend war* Das Berufungsgericht hat entgegen der Verfahrensrüge auch das Vorbringen des. Das Berufungsgericht hat außerdem festgestellt, der Kläger hätte über den Wert des Grundstücks hinaus eine Abfindung für die Aufgabe seines Grundstücksanteils erhalten» Bei der Ermittlung der Höhe dieser Abstandssumme nach § 28Y ZPO hat es berücksichtigt, daß nicht nur die Beklagten und der Vertreter Sfceinwurz, sondern auch die Baufirma und der Architekt an dem Rücktritt von dem Kaufvertrag ein Interesse gehabt hätten» Es meint ferner, daß andererseits die Höhe der Abfindung wesentlich von dem bei Ausführung des Kinobaus zu erhoffenden Gewinn abhängig gewesen sei, da die Beteiligten naturgemäß nur teilweise auf solche Gewinnmöglichkeiten zugunsten des Klägers verzichtet hätten«• Der Kläger habe zudem seine noch recht unbestimmten Kinopläne sehr rasch aufgegeben und dafür lieber einen schnellen Gewinn in Form von Bargeld vorgezogen» Es könne bei dieser Sachlage angenommen werden, daß der Betrag von 1.670 DM, den die Baufirma nur vorläufig aufgebracht habe, von dieser oder dem beauftragten Architekten endgültig übernommen worden wäre, wenn der Kläger weitere Forderungen gestellt hätte, auf der anderen Seite aber auch der Kläger damit einverstanden gewesen wäre, da er dann von allen an dem Rücktritt Interessierten je 1»670 DM erlangt, insgesamt also eine Verdoppelung seiner Anzahlung erzielt hätte» Bei diesen Erwägungen hat das Berufungsgericht jedoch einen wesentlichen Umstand rechtsirrig außer acht gelassen» Zwar konnte der Kläger nach den tatsächlichen Feststellungen seine Einwilligung in den Rücktritt vom Kaufvertrag nicht davon abhängig machen, daß er Partner des Vertrages mit der Firma E0 & dieses Verlangen auch nicht benutzen, um eine höhere Abfindung zu erzielen» Als naheliegende Möglichkeit bot sich jedoch eine Unterbeteiligung des Klägers an dem Pachtvertrag lediglich im Innenverhältnis zu den beiden Beklagten an, wodurch die Verpächterin nicht betroffen sein brauchte» Der Kläger hat dies bereits in seinem Schriftsatz vom 9» Oktober 1956 (S»7 GA 144) angedeutet» Mit Recht verweist die Revision in diesem Zusammenhang auch auf die Behauptung des Klägers, er habe schon seit langem den Plan verfolgt, mit den Beklagten oder anderen Beteiligten ein Kino zu errichten* Dies legt die Annahme nahe, daß er sich mit dem Argument, die Firma Epp & Co» nehme ihn als Vertragspartner nicht an, nicht hätte aus dem Feld schlagen lassen, sondern vielmehr diese Möglich- Die sich hieraus ergebende Stärke der Position des Klägers ist so unverkennbar, daß sie bei der Ermittelung der Abfindungssumme, die der Kläger bei Kenntnis der wahren Sachlage hätte aushandeln können, nicht unberücksichtigt bleiben durfte« Aus diesem Grunde war das angefochtene Urteil, soweit es den Hilfsantrag auf Zahlung abgewiesen hat, aufzuheben, um dem Berufungsgericht Gelegenheit zu geben, bei der erneuten Prüfung der Höhe des von beiden Beklagten zu leistenden Schadenersatzes diesem Gesichtspunkt Rechnung zu tragen« Als Begründung seiner Überzeugung von dem einverständlichen Handeln des Beklagten zu 1) und des Vertreters SM| ^H^hat das Berufungsgericht unter anderem auch die Erwägung angestellt, es sei ausgeschlossen, daß der Beklagte zu 1) die Hälfte der Abfindung ohne jedes Zögern bezahlt haben würde, wenn er eine solche Abfindung nicht vorher mit vereinbart hätte« Me Revision meint; das Berufungsgericht habe dabei die Aussage des Zeugen nicht beachtet, wonach die auf den Beklagten zu 1) entfal-lende Hälfte der Abfindung zunächst von dem an dem Kinobau interessierten Bauunternehmer bezahlt worden sei« Die Revision verkennt dabei den Sinn der Ausführungen des Berufungsgerichts« Meses stellt nämlich nicht auf die Auszahlung des Geldes an den Kläger ab, sondern hat die spätere Erstattung dieses Betrages durch den Beklagten zu 1) an den Bauunternehmer im Auge« Nach der Aussage des Zeugen der das Berufungsgericht offensichtlich gefolgt ist, hat ein beim Abschluß des Pachtvertrages Beteiligter erklärt, es sei nicht schön, daß der Beklagte zu 1) und SfHMI sic*1 die halbe Abfindung - es handelt sich um den auf den Beklagten zu 1) entfallenden Anteil - von dem Bauunternehmer B0K|bezahlen ließen« Daraufhin habe der Beklagte zu 1) das Geld auf Anraten von Bau- unternehmer zurückgegeben« Diese Bereitwilligkeit des Beklagten zu 1) zur Rückzahlung, konnte das Berufungsgericht mit Recht für die Annahme verwerten, daß er von vornherein über die Aufbringung der Abfindung unterrichtet gewesen sei o Das Berufungsgericht hat es dahingestellt gelassen, ob der Kläger die unwahre Angabe, es müßten sofort 17*000 DM Grunderwerbssteuern bezahlt werden, geglaubt habe« Auf jeden Fall sei er durch die wahrheitswidrige Erklärung, die künftigen Käufer würden 10«000 DM Abfindung aufbringen, zu dem Rücktritt bestimmt worden« Entgegen der Auffassung der Revision ist es durchaus möglich, daß der Kläger, wenn er die Erklärung über die Zahlung der Grunderwerbssteuer als unzutreffend erkannt haben sollte, nicht den Schluß gezogen hat, daß auch die Erklärung über die Abfindung unwahr sein müsse«