BGH · II ZR 35/65
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
- Prozeßbevollmächtigter: Rechtsanwalt Dr0 Der IIo Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Yerhandlung vom 24« April 1967 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Dr0 Bischer und der Bundesrichter Dr0 Nörr, Dr0 Bukov;, Dr<> Schulze und Stimpel für Recht erkannti Die Revision der Klägerin gegen das Urteil des Rheinschiffahrtsohergerichts Karlsruhe vom 220 Dezember 1964 wird auf ihre Kosten zurückgewiesen0 bordkurs gehalten habe, das Heek von 371' in einem Abstand von 80 - 100 m erreichte Der Schiffsführer von "iflHP1 habe die erstmals gesehen, als diese oberhalb des Schleppzuges querfahrend aufgetaucht sei, also in einer Entfernung von 570 - 410 m* Er sei nach seiner Darstellung im Zweifel gewesen, ob "MSB" i*n den Main einfahren oder zu Tal wenden wolle • MS "DBHB" habe, ohne ein Zeichen zu geben und seine Geschwindigkeit von 9-11 km/h herabzusetzen, seinen Kurs stärker nach Backbord genommen und schließlich, als es zu spät gewesen sei, seine Maschine rückwärts laufen lassen* Schiffsführer und Steuermann von "MBV hätten das Revier aufmerksam beobachtet* Die Querfahrt von ,rMBH” sei zügig in großem Bogen durchgeführt worden«, Bei der bedrohlichen Annäherung von "XflBHB“ habe "MBHi wenige Sekunden vor dem Zusammenstoß zurückgeschlagen und sei dadurch ins Treiben gekommen* "MflH’1 habe nicht weiter nach Steuerbord fahren können, da weiter rechtsrheinisch der nicht bekannte Selbstfahrer hochgefahren sei, der Begegnung Steuerbord über Steuerbord verlangt habe* Das Backbordwendesignal von “MüHB” sei objektiv unrichtig gewesen* Das von beabsichtigte Überqueren des Stromes nach Backbord hätte nur durch zwei kurze Töne oder ein Achtungssignal angezeigt werden dürfen* Das unrichtige Kurssignal sei aber nicht ursächlich, weil die Führung von "iflHHV das Signal nicht gehört habe* wendige Fahrgastschiff sei im Hinblick auf die Entfernungen von "BJHHB VI" und UI4HHHIU zulässig gewesene Ha der Führer von den zunächst leichten und dann immer stärker werdenden Baekbordkurs von "LflHB" wahrgenommen habe, habe er sich vor die Situation gestellt gesehen, daß ,fIflHIHF1 keinerlei Zeichen gegeben und dabei Kurs nach Backbord gehalten habe* ln dieser Lage hätte er Schallzeichen nach § 24 Nr» 1 RhSchPVO geben müssen, um seinerseits eine Klarstellung des Kurses zu erreichen« Ein v/eiteres Ter schulden des Führers von “MMB" sei zu verneinen« Insbesondere sei das Zurückschlagen nicht zu beanstanden, da ,TMHB" durch den Kurs von in die Enge getrieben worden sei und nicht weiter nach Steuerbord habe ausweichen können« |M im Zweifel gewesen sei, ob iu den Main habe einfahren oder zu lal habe wenden wollen, hätte er entweder geraden Kurs oder Kurs nach Steuerbord nehmen und seine Geschwindigkeit herabsetzen müssen« Wäre damit die Kursunklarheit noch nicht behoben gewesen, hätte das Schallzeichen nach § 24 Hr« 1 a RhSchPVO (langer Ion) geben müssen« Hurch seinen Backbordkurs habe der Führer von n4BHHiu den von i*121 geforderten Begegnungsweg dem MS “MMT abgeschnitten« IIo Die Revision ist der Auffassung, das Queren von "M im Abstand von 80 - 100 m vor --sei unzulässig gewesen, da hierdurch das überholende MS in Schwierigkeiten habe kommen müssen, zu demal “MMB" den Kopf schon talwärts gerichtet habe» Das Berufungsgericht habe die Geschwindigkeit von ”MMBU und den Winkel, in dem das Schiff zu Tal gefahren sei, nicht festgestellt» Da vom Insichtkommen der "Mflm" bis zu dem Zusammenstoß nur etwa 1 Minute vergangen sei, hätte "IflHHH11 unvermittelt ihre Geschwindigkeit vermindern oder ihren Kurs ändern müssen, was ein Querfahrer nicht verlangen könne0 Beim Auftauchen von "MflB” habe man auf nur das rote Backbord- licht sehen können» Br st nach Wahrnehmung auch des grünen Steuerbordlichtes und der Veränderung der Abstände zwischen grün und rot habe der Kurs von erkannt werden können» "M^B" hätte an Backbord von Passieren können, sie sei nur durch ihr Stoppen und Treibenlassen daran gehindert worden» "DflHBH* habe ihren klaren Kurs, ohne ein Kurssignal zu geben, beibehalten können, eine Herabsetzung der Geschwindigkeit hätte sich nicht ausgewirkt» Da wM||B*r den Strom gequert habe, komme die Begegnungsvorschrift des § 38 Hr» 1 Satz 2 RhSchPVO nicht zu dem Zuge» 1o Entgegen der Annahme des Berufungsgerichts hat die Führung von "MHB” ihre Absicht, auf der Mainzer Reede in vre item Bogen zu Tal zu wenden, mit Recht durch Backbordwendesignal angekündigt (§ 47 Nr» 2 mit § 46 Nr» 2 RhSchPVO)» Ob ein Schiff in kurzem oder in weitem Bogen wendet, ist für die Signalgebung unerheblich; beides ist immer ein Wenden, das durch Wendesignal angekündigt werden muß, wenn andere Fahrzeuge durch das beabsichtigte Manöver gezwungen sind, ihre Geschwindigkeit zu mindern oder (und) ihren Kurs zu Die Frage, ob mit dem Wenden eine (zulässige oder unzulässige) Querfahrt verbunden ist, taucht erst bei der Durchführung des Wendemanövers auf * Wollte man mit dem Berufungsgericht beim Wenden in weitem Bogen die für das Überqueren geltende Vorschrift der Zeichengebung des § 49 Nr• 1 Abs« 2 RhSchPVO anwenden, so würde die Absicht des Wendens nicht angekündigt werden; dies stände weder im Einklang mit den Vorschriften der §§ 46, 47 RhSchPVO noch würde es der Verkehrssicherheit dienen, die gerade verlangt, daß die im Revier befindlichen Fahrzeuge über das vom Wendenden beabsichtigte Manöver unterrichtet werden«, Motorgeräusche des eigenen Schiffes sind kein Rechtfertigungsgrund; nur wenn auf dem Vorschiff von "iflHIHB” ein Ausguck aufgestellt worden wäre und dieser trotz aufmerksamen Beobachtehs das Signal - etwa wegen des dazwischenfahrenden Schleppzuges - nicht hätte hören können, hätte die Partei von “iflHIV sich entlasten können» Darüber ist aber nichts vorgetragen<, Sie muß sich daher so behandeln lassen, als hätte der Führer von das Back- Um nicht in den Drehkreis dieses Schiffes zu kommen, hätte er daher insbesondere wegen der erschwerten Sichtverhältnisse in der Dunkelheit sofort, als das Schallsignal gegeben worden war, (11 unvermittelt", So BGH aaO) von seinem Überholmanöver absehen und hinter dem Kahn "RflHHHB* 37 Zurückbleiben müssen (§§ 47 Nr, 2, 46 Nr« 3 RhSchfVO). 3o Allerdings war es nautisch nicht unbedenklich, daß "MflB" bereits beim Kreuzen des Kurses von "RflHMBVl" den Kopf etwas talwärts gerichtet hatte« Wenn, wie hier, mit weiterer Bergfahrt zu rechnen ist, so gebietet es in der Regel die nautische Sorgfaltspflicht, daß der Kreuzende den Kopf des Schiffes leicht zu Berg richtet, da er hierdurch einer etwaigen Gefahrenlage besser begegnen kann (vgl« BGH aaö)« Ob bei einem solchen Verhalten von "MflÜ" der Zusammenstoß vermieden worden wäre, kann zweifelhaft sein« Es kann jedoch unterstellt werden, da dies auf die Entscheidung keinen Einfluß hat« keiten bei seinen nautischen Maßnahmen Rechnung zu tragen„ Falls in den Main einfahren wollte, so konnte bei dem Abstand der beiden Schiffe keine Gefährdung eintreten, welchen Kurs auch immer "BflHlHV einschlug0 Anders war es, wenn "MflB" zu fahren wollte, womit man auf "IflHHV1 ebenfalls rechnete• Dann mußte ihr Führer nicht nur für "MBBH» tatsächlich Platz zu dem Y/enden lassen, sondern auch erkennbar machen, wo er dem MS “MHV die Fortsetzung und Beendigung des V/endemanövers ermöglichte» Hiernach war, falls "14HIHY1 fläch Steuerbord oder nach Backbord fuhr, ein Fall gegeben, in dem die Abgabe des Steuerbord- oder Backbord Signals erforderlich war (§ 24 Hr« 1 b und c RhSchPV Da "iflHHI" Backbordkurs hielt und weiter diesen Kurs fahren wollte, mußte sie daher beim Insichtkommen von "MflfB” sofort Backbordschallsignal geben, um außer Zweifel zu stellen, daß sie diesen Kurs beibehalten wollte« Das übersieht die Revision, wenn sie dem Berufungsgericht vorv/irft, es habe sich nicht vergegenwärtigt, daß vom Insichtkoimnen bis zu dem Zusammenstoß nur etwa eine Minute vergangen sei« 5o Als den Kurs des Schleppzuges kreuzte, nahm ihr Führer das mit leichtem Backbordkurs zu Berg fahrende MS v/allro Fs taucht die Frage auf, ob er nicht verpflichtet war, sofort in kurzem Drehkreis sein Wendemanöver zu Ende zu führen, da objektiv genügend Platz zwischen dem Schleppzug und "iflflHV vorhanden war. 6» Auch die Schuldabwägung des Berufungsgerichts greift die Revision im Ergebnis ohne Erfolg an» Die Führung von "iBHHB” trifft das weit überwiegende Verschulden» Sie hat das Backbordwende Signal nicht gehört und mit dem Überholen des Schleppzuges begonnen? statt hinter diesem zurückzubleiben» Sie hat ihren eigenen Kurs gegenüber dem wendenden Schiff nicht klargestellt» Der Führer von "MSHT hat beim Kreuzen des Schleppzuges den Kopf seines Schiffes etwas zu fal statt zu Berg gerichtet?