BGH · II ZR 34/54 vom 03.11.1955
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Rechtssatz: Eine vor Abschluß eines Lebensversicherungs-Vertrages eingetretene schwere Erkrankung des Versicherten ist nicht bloß ein Indiz für einen gefahrerheblichen Umstand r sondern, selbst bereits ein unmittelbar gefahrerheblicher und deshalb anzeigepflichtiger Umstand» Ist sie schuldhaft verschwiegen und dem Versicherer auch sonst nicht bekannt geworden und steht sie mit dem Tod des Versicherten in adäquatem ursächlichem Zusammenhang♦ so wird auch der erst nach Eintritt des Versicherungs-. Die Klägerin, eine GmbH, beantragte bei der Beklagten am 3. Der Arzt beantwortete die Frage nach früheren ärztlichen Behandlungen und ihrem Grund mit "Erkältungskrankheiten” * Die Beklagte verlangte noch eine Herzuntersuohung» Deren Durchführung verzögerte sich aber. August 1949 wurde er aus dem Krankenhaus wieder entlassen» Die Erkrankung und der Krankenhausaufenthalt wurden der Beklagten nicht mitgeteilt. Oktober 1931 von dem Vertrag zurUck und focht diesen wegen arglistiger Täuschung an, weil die Klägerin und der Versicherte ihre vorvertragliohe Anzeigepflicht, u.a» insbesondere durch die Verschweigung der Erkrankung im Sommer 1949 verletzt hätten. iSSschej Nach den rechtlich bederikenfreien Ausführungen des Berufungsgerichts war die vor Abschluß des Versicherungsvertrages eingetretene, der Beklagten unstreitig verschwiegene Erkrankung des Versicherten im Sommer 1949, die mit hohem Fieber begann, sowie die Zuziehung eines Bas Berufungsgericht hat weiter rechtlich bedenkenfrei ' festgestellt, daß die Beklagte von jener Erkrankung nicht auf andere Weise Kenntnis erhalten hat« Es meint aber, daß sie trotz ihres rechtzeitig erklärten Rücktritts gleichwohl nach § 21 WG, § 8 Ziff I 2 c ALB zur Versicherungsleistung verpflichtet geblieben sei, weil die verschwiegene Krankheit keinen Einfluß auf den Eintritt des Versicherungsfalles gehabt habe. Der Versicherte sei an Lungenkrebs gestorben» Zwischen diesem als Todesursache und der Erkrankung im Sommer 1949 habe kein ursächlicher Zusammenhang bestanden» Hach dem Gutachten des ärztlichen Sachverständigen seien alle Krankheiten des Versicherten vom Februar 1949 bis zu seinem Tode, auch die Erkrankung im Sommer 1949 > Symptome eines sich schleichend entwickelnden und allmählich zu dem Tode führenden Lungenkrebses gewesen» Ba also auch die Erkrankung im Sommer 1949 bereits die Wirkung des Lungenkrebses gewesen sei, könne sie nicht dessen Ursache gewesen sein« Bei jener Erkrankung habe bereits ein Krebsleiden vorge- Liese Ausführungen sind rechtlich unhaltbar« Hach § 21 WGr und § 8 Ziff I 2 c ALB kommt es nicht, wie das Berufungsgericht meint, darauf an, ob der verschwiegene Umstand, hier also die Erkrankung im .Sommer 1949, ihrerseits Ursache der Todesursache, hier also des Lungenkrebses war, d.h« ob jene Erkrankung die Entstehung oder die Entwicklung des Lungenkrebses verursacht hat, sondern lediglich darauf, ob jene Erkrankung im adäquaten Zusammenhang mit dem Eintritt des Versichenmgsfalles selbst, nämlich dem Tode des Versicherten gestanden hat, Liese Frage ist aber hier ganz zweifelsfrei zu bejahen; denn da der Versicherte nach den auf das Gutachten des Sachverständigen gegründeten rechtlich bedenkenfreien tatsächlichen Feststellungen des Berufungsgerichts an Lungenkrebs gestorben ist und da schon die verschwiegene Erkrankung im Sommer 1949 ein Lungenkrebsleiden darge-stellt hat, stand auch jene Erkrankung in unmittelbarem ursächlichem Zusammenhang mit dem dann schließlich am 9« August 1951 eingetretenen Tod des Versicherten« Es handelt.sich hier also um einen klaren Fall der Verschweigung einer Krankheit, die dann schließlich zu dem Tode des Versicherten geführt hat und damit um einen typischen Fall des. Labei ist es nach diesen Bestimmungen ohne Belang, ob die verschwiegene Erkrankung bei ihrem Auftreten bereits medizinisch richtig diagnostiziert worden ißt oder gar, ob von den Beteiligten damals bereits ernannt worden ist, daß sie zu dem Tode des Versicherten führen werde« Hach Sicherungsnehmer oder dem Versicherten mit ihrer Verschweigung ein Verschulden zur Last fällt* Liegen diese Voraussetzungen vor, wie das hier der' Fall ist, so wird der Versicherer bei seinem Rücktritt von seiner Leistungspflicht frei, wenn sich dann - sei es auch erst nachträglich - herausstellt, daß die verschwiegene Erkrankung für den Xod des Versicherten ursächlich war. Bie von Prölss in dem von der Revision vorgelegten Privatgutachten sowie im Sohrifttum (VersR 1954, 153) erörterte Frage, welche Erfordernisse an die Kausalität im Sinne des $ 21 WG zu stellen sind, wenn Symptome oder Indizien von Krankheiten verschwiegen worden sind, ist für die Entscheidung des vorliegenden Rechtsstreits ohne Bedeutung und bedarf deshalb ebensowenig wie die von Möller (in Bruck-Möller § 21 Anm 9) hierzu vertretene Gegenmeinung einer Prüfung; denn der von der Beklagten erklärte Rücktritt stützt sich 3a nicht darauf, daß ihr einzelne Krankheitssymptome und -Indizien verschwiegen worden sind, sondern auf den erheblich schwererwiegenden Vorwurf, daß ihr die Klägerin und der Versicherte dessen ganze, mit hohem Fieber einsetzende und die Zuziehung eines weiteren Arztes sowie dann einen siebenwöchigen Krankenhausaufenthalt erfordernde Erkrankung im Sommer 1949 verschwiegen haben« Insofern unterscheidet werden konnte, daß er dem Versicherer Eiweiß- und Zuckerausscheidungen verschwiegen hatte, wobei sich dann ergab, daß es sich bei diesen nur um verhältnismäßig harmlose Auswirkungen des dann zu dem Tode führenden Gehirntumors gehandelt hatte» Im vorliegenden Fall hätte der Anzeigepflicht nicht schon mit der Mitteilung des einen oder anderen Symptoms der Erkrankung im Sommer 1949 Genüge getan werden können (vgl Bruck-Möller $ 21 Anm 9)* Anzeigepflichtig war hier vielmehr jene Erkrankung selbst mit allen ihren Begleitumständen gewesen, eine Erkrankung, deren Schwere und damit .Erheblichkeit für die Übernahme der Versicherungsgefahr unverkennbar war und die nicht bloß ein Indiz für einen gefahrerhebliohen Umstand war, sondern selbst bereits einen unmittelbar gefahrerheblichen Umstand darstellte (Kisch. Handbuch des Frivat-verSicherungsrechts II 198, 201, 203, 336)« Deshalb stellt sich'hier gar nicht die Frage, ob und inwieweit auch bloß indizierende Umstände, die verschwiegen worden sind, mit dem Tode des Versicherten in einem ursächlichen Zusammenhang im Sinne des § 21 WG stehen können» Maßgebend ist hier vielmehr allein die Frage, ob die Krankheit des Versicherten im Sommer 1949» die anzuzeigen war, als solche in ursächlichem Zusammenhang mit seinem lode st and.